SEMPACH: Mit 26 Jahren ist sie bereits Stadtschreiberin

Das Städtli hat eine neue Stadtschreiberin. Es ist die erst 26-jährige Corinne Achermann. Sie tritt ein heikles Erbe an.

Guy Studer
Merken
Drucken
Teilen
Es gibt viele schöne Flecken in Sempach. Der See gehört für Corinne Achermann zu den schönsten. (Bild Eveline Beerkircher)

Es gibt viele schöne Flecken in Sempach. Der See gehört für Corinne Achermann zu den schönsten. (Bild Eveline Beerkircher)

Guy Studer

Nein, nervös sei sie eigentlich nicht. «Aber etwas gespannt bin ich auf jeden Fall. Werde ich die anstehenden Aufgaben alle koordinieren können? Wie komme ich in einen guten Rhythmus? Verpasse ich keine Termine?» Corinne Achermann hat sehr wohl Respekt vor ihrer neuen Aufgabe. «Doch Freude und Neugier überwiegen. Von Vorteil ist auch, dass ich die Leute hier wie auch viele Aufgaben bereits kenne.» Seit Anfang 2013 ist Corinne Achermann bereits Stellvertretende Stadtschreiberin von Sempach. Und nun, mit gerade einmal 26 Jahren, wird sie das «stellvertretend» bald streichen können.

Zielstrebig auf Job hingearbeitet

Achermanns bisheriger Berufsweg verlief gradlinig: Ihre KV-Lehre mit anschliessender Berufsmatura absolvierte sie auf der Gemeindeverwaltung von Malters. Es folgte ein viermonatiger Sprachaufenthalt in Kanada, worauf sie eine Stelle auf der Gemeindeverwaltung von Meggen fand. «Dort konnte ich während insgesamt vier Jahren auf dem Bauamt sowie im Controlling wertvolle Erfahrungen sammeln», erzählt sie. In diese Zeit fiel auch ihre dreieinhalbjährige Weiterbildung zur Gemeindeschreiberin an der Hochschule Luzern. Danach erhielt sie die Stelle in Sempach.

«Ich habe schon auf das Ziel der Gemeinde- beziehungsweise Stadtschreiberin hingearbeitet.» Dass sie dies bereits mit 26 Jahren erreichen würde, hätte sie sich vor wenigen Jahren noch nicht träumen lassen. «Für mich war es ja bereits unglaublich, als ich 2013 die Stellvertreter-Stelle erhielt.» Seit es offiziell ist, dass sie die künftige Stadtschreiberin ist, sei es schon ein Gesprächsthema. «Allerdings wissen viele wohl gar nicht, wie jung ich bin», sagt sie schmunzelnd. «Doch die Rückmeldungen sind durchwegs positiv, was mich sehr freut.»

Vorgängerin wurde freigestellt

Achermann tritt aber ein heikles Erbe an. Letzten November wurde ihre Vorgängerin freigestellt. Der Stadtrat nannte als Grund dafür deren «nicht zeitgemässen» Führungsstil. Darauf angesprochen, sagt Achermann offen: «Der Entscheid des Stadtrats war nicht aus der Luft gegriffen. Es gab Uneinigkeiten.» Für die Stadtverwaltung sei der Entscheid korrekt gewesen. «Doch auch wenn es nicht immer leicht war, ich konnte auch profitieren von ihr.» Fachlich sei ihre Vorgängerin sehr kompetent gewesen, «das steht ausser Zweifel».

Seit der Freistellung ihrer Vorgängerin führt Corinne Achermann das Amt ad interim, zusammen mit Finanzsekretär Hanspeter Amrein. «Vom Stadtrat erhalte ich dabei sehr viel Rückendeckung.»

Dass Corinne Achermann bereits mit 26 eine so verantwortungsvolle Führungsposition in einer grossen Gemeinde einnimmt, erstaunt Peter Kneubühler nicht. «Wer vorwärtsmacht, hat in diesem Alter die Ausbildung abgeschlossen und ist für die Aufgaben gerüstet», sagt der Vizepräsident des Luzerner Gemeindeschreiberverbandes. «Und offensichtlich war sie zur richtigen Zeit am richtigen Ort.» Für ihn spricht nichts dagegen, dass eine 26-Jährige bereits ein solches Amt ausführt. Im Gegenteil: «Sie ist in gewissen Themen noch nicht festgefahren und kann frischen Wind in die Stadtverwaltung bringen.» Ausserdem kenne sie ihre Gemeinde bereits. «So gesehen ist das sicher eine gute Lösung für Sempach.»

Auch Kneubühler, seines Zeichens Stadtschreiber von Willisau, war mit 30 Jahren nicht viel älter, als er seine Stelle antrat. Ob Achermann die derzeit jüngste Gemeindeschreiberin des Kantons ist, kann Kneubühler nicht sagen. «Da bin ich leider überfragt.»

Im Verlauf der nächsten Monate wird Corinne Achermann das neue Amt offiziell übernehmen. «Wann genau, hängt auch davon ab, wann wir eine Nachfolge für mich als Stellvertreterin finden.» Viele ihrer neuen Aufgaben kennt sie bereits. «Dennoch werden noch einige Kader- und Führungsaufgaben hinzukommen, dazu werde ich stärker in der Öffentlichkeit stehen», ist sie sich bewusst. Passend dazu ist Achermann letzte Woche auch nach Sempach gezogen. In Hellbühl (Gemeindegebiet Malters) aufgewachsen, hatte sie seit ihrer Anstellung in Meggen in Udligenswil gewohnt. Der Umzug bringe sie näher zu den Leuten, «die Integration ist wichtig», sagt sie. Zu ihrem Herkunftsort ist sie durch die Feldmusik Hellbühl noch immer stark verbunden. Die Musik – sie spielt Klarinette – hat einen festen Platz in ihrem Leben. Einen Ausgleich zum Alltag findet sie zudem im Sport: Im Sommer ist sie auf Inlineskates anzutreffen, im Winter auf den Skipisten mit dem Snowboard. Dazu kommen Wandern und Fitnesstraining.

Sie pflegt Kontakt zu Ortsparteien

Während andere Gemeindeschreiber in einer politischen Partei aktiv sind, ist das für Achermann zurzeit kein Thema. Der Kontakt zu den Ortsparteien hingegen ist ihr wichtig, «um mich über die Gefühlslagen – etwa vor Wahlen oder Abstimmungen – zu informieren».

Von ihrer Arbeit hat Achermann eine klare Vorstellung: «Man ist das Verbindungsglied zwischen Stadtrat und Verwaltung.» Die Exekutive trifft Entscheidungen, welche die Verwaltung umsetzen müsse. «Und der Schreiber muss dies in der Verwaltung kommunizieren.» Das sei nicht immer ganz einfach, «denn die Exekutive hat manchmal eine andere Vorstellung als die Verwaltung. Da braucht es auch Fingerspitzengefühl.»

Familie geht vor Beruf

Gefragt, was sie in ihrem Beruf in die Kategorie «lästige Pflicht» einordnen würde, fällt Achermann nichts ein. Auch ihre Kernaufgabe, das Schreiben, macht ihr Spass. «Ich bin jedenfalls nicht der Zahlentyp, sonst wäre ich Buchhalterin geworden.» Hat Corinne Achermann mit 26 also bereits ihren Traumjob gefunden? Sie wird nachdenklich: «Schwierig zu sagen.» Es sei sicher speziell, dass sie ein hochgestecktes Ziel bereits erreicht habe. «Man könnte es schon Traumberuf nennen. Doch ob ich das noch mit 64 Jahren tun werde, darüber habe ich mir noch nie Gedanken gemacht.» Ausserdem gibt es für sie nicht nur die Berufskarriere: «Ich habe auch gegenüber dem Stadtrat klar kommuniziert, dass ich auch ein Familienmensch bin. Mittelfristig wird das für mich sicher ein Thema», sagt Achermann, die seit mehreren Jahren in einer festen Beziehung lebt.