SEMPACH: Sein Sohn brachte ihn zu seiner Berufung

Der Künstler Urs Heinrich (50) hat seine Passion zum Beruf gemacht. Seit rund 25 Jahren malt er und fertigt auch Skulpturen an.

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Urs Heinrich, hier in seinem Sempacher Atelier, arbeitet seit 25 Jahren als Künstler. (Bild Nadia Schärli)

Urs Heinrich, hier in seinem Sempacher Atelier, arbeitet seit 25 Jahren als Künstler. (Bild Nadia Schärli)

Ernesto Piazza

Der kurze Blick genügt. Im Atelier Rainhöfli in Sempach ist einer am Werk, der seine Arbeit liebt. «Ich schätze daran die Abwechslung und bin immer wieder offen für das Neue», sagt Urs Heinrich. Seine strahlenden Gesichtszüge mit dem unübersehbaren Schnauz als Markenzeichen wirken schnell vertraut. Dass er sich nach der Ausbildung zum Möbelschreiner künftig auf einer andern beruflichen Schiene bewegen würde, wusste er als junger Erwachsener allerdings noch nicht. Doch mittlerweile erfüllt ihn das künstlerische Wirken schon seit rund 25 Jahren. Mehr noch: Zur Malerei gesellten sich sukzessive weitere Bereiche. Das Kreieren von Skulpturen, aber auch die Durchführung von Natur- und Themenworkshops und beispielsweise «Kunstvolles Essen mit Urs Heinrich» gehören nunmehr zu seinen Steckenpferden.

Malen am Stubentisch

Allerdings brach er nach der Lehre zuerst mit praktisch keinem Englisch im Rucksack für rund neun Monate in die USA auf. Und bei diesem Aufenthalt ging er weiter seinem ursprünglichen Beruf nach. Der Sempacher sagt: «Ich wollte einerseits so ein wenig Geld verdienen, um andererseits danach auch etwas von der Welt zu sehen.» Wieder zurück in der Schweiz, zog es ihn jedoch nicht mehr zum Möbelschreiner zurück. Im Sommer als Badmeister und im Winter als Holzarbeiter tätig, «begleiteten mich in dieser Zeit diverse Brotjobs», so Heinrich.

Bis er schliesslich anfing am Stubentisch zu malen und so seinem damals zweijährigen Sohn Sebastian folgte. Hunderte von Zeichnungen seien entstanden, erinnert er sich. Damals wie heute steht für ihn die Farbe im Zentrum. An den Künstlerberuf führte sich Heinrich autodidaktisch heran.

Doch bei all seinem Wirken kam es schon mal vor, dass ihn auch Existenzängste plagten. «Da konnte ich nur noch reagieren.» Das waren für ihn, der so gerne mit weiteren Projekten Vollgas gegeben hätte, schwierige Phasen. «Das Vertrauen ins Leben gaben mir aber immer wieder den Mut und die Zuversicht, meinen eingeschlagenen Weg weiter zu gehen», sagt Heinrich, der neben dem Sempacher Atelier wohnt, verheiratet ist und zwei Kinder hat. Daneben hat er ein weiteres Wohnatelier im ehemaligen Landessender in Beromünster.

«Wunderbare Glücksmomente»

Kunst, erklärt Heinrich, passiere aus dem unmittelbaren Augenblick. «Wenn der Kopf ausgeschaltet ist und die Hände einfach zu malen beginnen.» Sein Beruf gibt ihm eine unglaubliche Freiheit, wie er betont. Egal, ob bei der Malerei oder mit Skulpturen: «Es sind für mich wunderbare Glücksmomente.» Und die Inspirationen? Diesbezüglich macht sich der Sempacher keinen Stress. «Für den passenden Moment verfüge ich über die richtige Idee.» Vielfach inspiriert ihn die Natur. Diese gibt ihm auch immer wieder Abstand zum heute so hektischen Treiben.

Keine Frage: Heinrich kann mit seiner unkomplizierten und optimistischen Art Menschen begeistern. Er lasse sich dabei intuitiv auf die Leute ein, weiss er. Und er hat bei seinem facettenreichen Angebot auch kein Problem, jeweils zu switchen. «Für diese Gabe bin ich dankbar.»

Tücher auf 250 Metern Länge

Beim Blick auf seine bisher grössten Projekte erwähnt er vor allem «sichtbaren Wind». Hier legte er auf einer Länge von rund 250 Metern orange Tücher auf den Sempachersee. Zudem liess er diese zu seinem damaligen Atelier mitten im Städtli reflektieren. Weiter war er auch für den Kreiselschmuck in Sempach und Dagmersellen verantwortlich.

Seit einigen Jahren wirkt Heinrich auch im heilerischen Bereich. Er sagt: «Es macht mich glücklich, Menschen zu helfen.»

hinweis

Noch bis am 26. April zeigt Urs Heinrich in seinen Atelierräumen in Sempach Bilder und Objekte. Nähere Angaben unter: ursheinrich.ch