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SEMPACH-STATION: Im «Birdland» hängt der Haussegen schief

Der Betreiber und der Besitzer des Hotels Birdland haben das Heu längst nicht mehr auf der gleichen Bühne. Das Fass zum Überlaufen brachte ein Bauprojekt der SBB – und die damit verbundene interne Kommunikation.
Thomas Heer
Seit 2014 ist es in Betrieb und vor allem bei Seminarteilnehmern beliebt: das Hotel Birdland. Bild: Manuela Jans-Koch (Sempach, 19 November 2016)

Seit 2014 ist es in Betrieb und vor allem bei Seminarteilnehmern beliebt: das Hotel Birdland. Bild: Manuela Jans-Koch (Sempach, 19 November 2016)

«Birdland – The Hotel», so lautet der Name des Viersternehauses in Sempach-Station. Die Namensgebung ist passend gewählt, befindet sich die schweizweit bekannte Vogelwarte doch in unmittelbarer Nachbarschaft. Eröffnet wurde der Gastrobetrieb im Jahr 2014. Innert kurzer Zeit erarbeitete sich die Crew dieses Hotels einen sehr guten Namen bei Seminarteilnehmern, aber auch bei Gruppenreisenden und Hochzeitsgesellschaften. Alles paletti also? Denkste! Denn die beiden Hauptprotagonisten des Hauses – der Liegenschaftsbesitzer Markus Schumacher sowie Johann Peter Bachmann, Verwaltungsratspräsident der Betreiberfirma, die Birdland Hotel AG – liegen sich in den Haaren. Pikant: Als Verwaltungsrat sitzt auch Schumacher in diesem Gremium.

Der Streit nahm so richtig Fahrt auf, als am vergangenen 11. Februar Vertreter der SBB im «Birdland» ihre Aufwartung machten. Die Bähnler-Delegation sei gemäss Bachmann bester Dinge gewesen. Es fielen Worte des Dankes. Dies, weil seitens des «Birdlands» keine Einsprachen eingingen. «Was reden die da?», dachte sich Bachmann, und er fühlte sich alsbald im falschen Film, glaubte sich verhört zu haben. Seine Stimmung sank wie ein Bleigürtel im offenen Meer. Denn was Bachmann damals vernahm, hörte er zum ersten Mal.

Massiver Lärm – auch nachts

Die SBB gaben bekannt, dass sie von März bis Oktober beim Bahnhof Sempach-Station, direkt neben dem Hotel gelegen, Bauarbeiten durchführen werden. Dabei handelt es sich zum einen um die Verbesserung der Perrons. Dies zum Nutzen von behinderten Menschen, aber auch Reisende mit Rollkoffern und Mütter mit Kinderwagen sollen vom stufenfreien Zugang zu den Perrons profitieren. Zum andern wurde darüber informiert, dass die Gleise erneuert werden. Lärmintensives Treiben – auch nachts – kündigte sich in unmittelbarer Nachbarschaft des Hotels also an.

Bachmann erfuhr an diesem 11. Februar auch, dass die SBB die Grundeigentümer bereits in der ersten Jahreshälfte 2015 darüber informierten, dass ein Sanierungsprojekt beim Bahnhof Sempach-Station ansteht. Warum aber informierte Hotelbesitzer Markus Schumacher seinen Pächter nicht über das SBB-Projekt? Schumacher wehrt sich und sagt: «Ich habe darüber informiert.» Wann und ob dies mündlich oder schriftlich erfolgte, das kann Schumacher nicht sagen. Er weist darauf hin: «Herr Bachmann und ich sind ja zusammen im Verwaltungsrat der Birdland Hotel AG. Da sieht man sich täglich.» Bachmann ärgert sich und entgegnet: «Gerade weil wir gemeinsam im Verwaltungsrat sitzen, wäre es die Pflicht von Herrn Schumacher gewesen, mich zu orientieren. Hier wird die Verantwortlichkeitsklage gemäss Artikel 754 des Obligationenrechtes zur Anwendung kommen.»

Die lokale Zeitung wurde informiert

Für Bachmann wär es wichtig gewesen, die SBB dahingehend zu bewegen, dass die Arbeiten in die umsatzschwächeren Wintermonate vorverlegt worden wären. Und dass nicht ausgerechnet in der Zeit gebaut wurde, in der das Hotel den meisten Umsatz generiert. Der Pächter setzte sofort alle Hebel in Bewegung, um den Schaden für sein Hotel möglichst gering zu halten. So informierte er die lokale Zeitung. In der «Sempacher Woche» erschien am 17. März ein Artikel mit dem Titel: «Auf eine Baustelle folgt die nächste.» Im Text heisst es unter anderem auch: «Während der Besitzer der Liegenschaft» – also Markus Schumacher – «die Eingabefrist für Einsprachen ungenutzt verstreichen liess, wissen die Betreiber» – das heisst Johann Peter Bachmann – «erst seit dem 11. Februar dieses Jahres vom Ausmass des Projektes der SBB».

Die Frage richtet sich an Markus Schumacher: Warum forderte er nicht eine Gegendarstellung in der «Sempacher Woche»? Denn seine Aussage, der Informationspflicht gegenüber seinem Pächter nachgekommen zu sein, widerspricht die Aussage im Pressetext. Aus Sicht von Markus Schumacher hätte eine Gegendarstellung nichts an der Thematik geändert. «Es liegt nicht in unserer Kompetenz, den Baufahrplan der SBB festzulegen», sagt er. Bachmann schaltete zudem einen Kommunikationsberater ein. Bereits am 22. Februar stand das Konzept. Unter der Rubrik «Ausgangslage» ist festgehalten: «Bekannt ist dies» – gemeint ist der geplante Umbau beim Bahnhof –, dass es «Verwaltungsratsmitglied Markus Schumacher bereits seit einem Jahr weiss. Er hat dies aber weder dem Hotelpächter gemeldet noch selbst gegenüber den SBB Schritte unternommen, um die intensive Bauzeit auf eine betriebsarme Zeit zu verschieben.»

Der Schaden ist längst angerichtet. Bachmann sagt, dass er aufgrund der Lärmemissionen in den vergangenen Monaten rund 200 000 Franken Mindereinnahmen hinnehmen musste. Auf entsprechenden Bewertungsportalen ist über das «Birdland» zum Beispiel Folgendes zu lesen: «Extrem lärmig, Baustelle beim Bahnhof, alles vibrierte bis 3 Uhr, nachts kein Auge zugetan.»

Der Fall Bachmann/Schumacher beschäftigt inzwischen längst auch Anwälte. Er ist derzeit auch beim Bezirksgericht Willisau hängig.

Thomas Heer

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