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Trotz Einwand des Denkmalschutzes: Neben historischem Meierhof in Sempach soll gebaut werden

Der Meierhof in Sempach gehört zu den wichtigsten historischen Bauten Sempachs und ist mit ein Grund für den Erhalt des Wakkerpreises. Nun soll in seiner Nähe gebaut werden – wider die Empfehlungen des Denkmalschutzes.
Urs-Ueli Schorno
Entwurf eines dreigeschossigen Baus mit Hofladen, im Hintergrund der historische Meierhof.Visualisierung (Bild: : PD)

Entwurf eines dreigeschossigen Baus mit Hofladen, im Hintergrund der historische Meierhof.Visualisierung (Bild: : PD)

Zu Recht freute sich Sempach im vergangenen Jahr über den Erhalt des Wakkerpreises. Diese bedeutende Auszeichnung spricht der Gemeinde besonders sorgfältigen Umgang im Nebeneinander von historischen Bauten und aktueller Architektur zu. Besonders viele Lorbeeren heimste dabei Sempachs Bauvorsteherin Mary Sidler (FDP) ein. Dazu später.

Zu den wichtigsten und im Rahmen der Verleihung auch speziell hervorgehobenen historischen Bauten in Sempach gehört der Meierhof – ein mächtiger Blockbau in spätbarocker Erscheinung aus dem Jahr 1705. Der Bau bildet zusammen mit dem Sträggelechäppali und dem Gerichtskreuz «ein ausgezeichnetes Ensemble von hoher regionalgeschichtlicher Bedeutung», wie das Denkmalverzeichnis des Kantons Luzern festhält. Der Meierhof befindet sich in Sichtdistanz zur Altstadt, einem Ortsbild mit nationaler Bedeutung. Er ist im Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz (ISOS) aufgeführt und soll laut diesem als «unerlässlicher Teil unbebaut als Kulturland oder Freifläche erhalten werden».

Stimmvolk soll vierstöckige Häuser ermöglichen

Doch die Pläne des Sempacher Stadtrates sehen etwas anders aus, denn im Wirkungsbereich des Meierhofs liegt die Parzelle 920 und ihre beiden Nachbarn mit den Nummern 230 und 231. Die Grundstücke wurden in der jüngsten Ortsplanung im Jahr 2007 als Bauzone bestätigt. Hier darf bisher zweigeschossig gebaut werden.

Die Überbauungspläne, die bis zum 26. Januar bei der Gemeinde auflagen, verraten, dass man nun sogar noch höher hinauswill: Auf besagter Parzelle 920 sollen bald je ein drei- und ein viergeschossiger Bau entstehen. Dreizehn Dreieinhalbzimmerwohnungen sind geplant. Bauherr ist Hanspeter Metz, CEO einer Gebäudetechnikfirma. Er startete bereits mehrere Versuche, die Parzelle zu überbauen. Erst nach Ausschreibung eines Wettbewerbs, aus dem das Projekt von Architekt Roman Hutter als Sieger hervorging, gab auch der Stadtrat grünes Licht. Metz hofft nun, dass die Sempacher Stimmbevölkerung voraussichtlich an der Gemeindeversammlung am 6. Juni der entsprechenden Zonenplanänderung zustimmt.

Denkmalschutz empfiehlt, gar nicht zu bauen

Die Dimensionen der Überbauung erstaunen angesichts der Empfehlungen, die der kantonale Denkmalschutz abgibt. Denn bereits 2012 liess der Sempacher Stadtrat die kantonale Denkmalpflege die Parzellen durch den kantonalen Denkmalschutz prüfen und zu den als Entwurf vorliegenden Anforderungen für eine mögliche Bebauung Stellung nehmen. «Aus denkmal- und ortspflegerischer Sicht ist eine Überbauung nicht möglich», hält die Stellungnahme unmissverständlich fest. Weil jedoch die Bebauung der Grundstücke aufgrund der Ortsplanung möglich sei, handle es sich um einen Zielkonflikt. Sollte das Areal dennoch bebaut werden, sei dies «gleichbedeutend mit einer Verschlechterung des Ortsbilds».

Sempachs Bauvorsteherin Mary Sidler ist da dezidiert anderer Meinung. «Die Denkmalpflege hatte die Vorstellung, dass der Meierhof vom Städtli aus sichtbar sein soll», hält sie zunächst fest. «Die genaue Analyse des Ortes durch das Siegerteam hat aber ergeben, dass genau dies in früheren Jahren nicht der Fall war, da ein Haus in diesem Sichtfeld stand und heute die Bäume auf dem Parkplatz Dreiangel die Sicht auf den Meierhof verwehren.» Sie setzt zu einem Lob auf das Siegerprojekt an, das sich «durch seine klare städtebauliche Setzung, die dem Bauernhaus Meierhof den gebührenden Respekt einräumt», auszeichne und ihm durch den offenen Abschluss zur Strasse und den dadurch entstehenden Hofraum mehr Gewicht gebe.

Schliesslich liege der Bebauungsplan auch erst jetzt vor, weil man sehr hohe Anforderungen an das Projekt stelle. Sidler betont weiter, dass die Denkmalpflege sich nicht gegen das vorliegende Projekt stellt. Hier ist allerdings zu bemerken, dass der kantonale Denkmalschutz sich zwar nicht direkt gegen das Projekt äussert, in der aktuellen Stellungnahme aber ausdrücklich auf den bereits zitierten Bericht aus dem Jahr 2012 verweist.

Heimatschutz hält sich zurück

Bisher sind sechs Einsprachen eingegangen, bei denen der Stadtrat eine gütliche Einigung versucht. Klar scheint, dass der kantonale Heimatschutz – auch er ein Verfechter denkmalpflegerischer Anliegen – wohl nicht zu den Einsprechern gehört. Aus einem Schreiben, das unserer Zeitung vorliegt, geht nämlich hervor, dass man das Baugesuch und die Zonenplanänderung in der Sektion Luzern beraten habe. Weil das Grundstück aber seit längerer Zeit als ordentliche Bauzone deklariert sei und weil mit dem Wettbewerb ein qualifiziertes Verfahren stattgefunden habe, gebe es keinen Einsprachegrund.

Diese Zurückhaltung überrascht aus zwei Gründen. Zunächst weil der Heimatschutz andernorts, in Zürich etwa, sich aktuell gegen die dortige Bau- und Zonenordnung wehrt – mit der Begründung, dass die Anliegen des ISOS nicht berücksichtigt würden. Hat es in Sempach damit zu tun, dass Rainer Heub­lein, Mitglied der in Sempach zu­ständigen Altstadtkommission, gleichzeitig in Sempach aktiver Architekt und auch Präsident des kantonalen Heimatschutzes ist? «Das ergibt keineswegs Interessenskonflikte, im Gegenteil, die Anliegen des Heimatschutzes sind eingeflossen», kontert Bauvorsteherin Mary Sidler.

Bleibt schliesslich zu erwähnen, dass die sensibel gelegene Parzelle 920 von der Sempacher Ortsplanung ausgenommen ist. «Die Überbauung dieser Grundstücke wurde im Rahmen der Ortsplanung von 2007 angegangen und lange vor der aktuellen Ortsplanung ausgelöst», so Sidler. Da die aktuelle Ortsplanungsrevision frühestens 2020 greift, sind in der Übergangszeit Ausnahmeregelungen möglich. «Die bauliche Entwicklung einer Gemeinde ist immer ein fliessender Prozess.» Wichtigste Frage in diesem Prozess ist wohl, wie sich die Sempacher Stimmberechtigten zur vom Stadtrat gewünschten Zonenplanänderung stellen werden.

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