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SEMPACH: Vögel lassen ihn nicht in Ruhe

Nach 15 Jahren als Betriebsleiter bei der Vogelwarte tritt Christian Marti kürzer. Im Januar zieht er sich in die Bibliothek zurück – dorthin, wo alles begann.
Claudio Zanini
Legt das Amt des Betriebsleiters nieder und widmet sich der Forschung: Christian Marti (63) im neuen Besuchszentrum der Schweizerischen Vogelwarte in Sempach. (Bild Roger Grütter)

Legt das Amt des Betriebsleiters nieder und widmet sich der Forschung: Christian Marti (63) im neuen Besuchszentrum der Schweizerischen Vogelwarte in Sempach. (Bild Roger Grütter)

«Wrüt, wrüt» tönt es aus dem Mund von Christian Marti, dem Noch-Betriebsleiter der Schweizerischen Vogelwarte Sempach. Er imitiert gerade in der Bibliothek des Instituts einen Buchfinken. Genauer gesagt: einen Buchfinken, wie er im Wallis klingen würde. Dann macht es «Huid, Huid», gemäss Marti der Ruftyp, welcher im Mittelland zu hören sei.

Der 63-jährige Berner, der seit 1986 in Sempach lebt, versprüht viel Enthusiasmus während er Dialekte von Vögeln vorträgt. Bereits nach kurzer Gesprächszeit fragt man sich als Gegenüber, wie man bis anhin ohne Ornithologie durchs Leben kam. Bei ihm habe sich das Interesse für die Vogelkunde während des Biologie-Studiums herauskristallisiert, erklärt Marti. Spätestens mit der Diplomarbeit zur Kotanalyse von Birkhühnern zog es ihm den Ärmel rein. «Da habe ich im Grunde Kot gesammelt und ihn unter dem Mikroskop angeschaut, um herauszufinden, was die Birkhühner fressen», sagt der Fachmann und scheint sich sogleich zu überlegen, wie das wohl für den Laien klingen mag.

Bemerkenswerter Aufschwung

Nach seinem Doktorat arbeitete Marti zunächst als Gymnasiallehrer, später im Naturhistorischen Museum in Bern. 1986 kam er eigentlich nur an die Vogelwarte, um für ein privates Projekt die Bibliothek zu benutzen. Aus dem geplanten Kurzaufenthalt wurden mittlerweile 29 Jahre. «Ich bin hier mehr durch Zufall hineingeraten», erinnert sich Marti. Seit 2000 amtet er als Betriebsleiter der Vogelwarte. In dieser Funktion ist er Teil der dreiköpfigen Institutsleitung und unter anderem zuständig für Finanzen, Personal und Liegenschaften. Seit 1989 ist er zudem Redaktor der Fachzeitschrift «Der ornithologische Beobachter», welche viermal jährlich erscheint. Den bemerkenswerten Aufschwung der Vogelwarte hat er hautnah miterlebt. «1986 waren es etwa zwei Dutzend Mitarbeitende. Die Atmosphäre war daher sehr familiär. Im Jahr 2000 zählten wir schon 70 Mitarbeitende und heute stehen wir bei 110», sagt Marti, um gleich mit Bescheidenheit anzufügen: «Aber das ist natürlich nicht auf meine Person zurückzuführen. Irgendwo in den 90er-Jahren hat dieser Wachstumsschub angefangen. Es ist uns als Team gelungen, diese Entwicklung weiterzuführen.» Vor allem aber profitiere die Vogelwarte von den rund 2000 freiwilligen Mitarbeitern, welche das Institut unterstützen würden, indem sie ihre Beobachtungen melden. «Anwerben müssen wir diese Vogelbegeisterten nie. Die Vogelwarte geniesst eine starke Verankerung in der gesamten Bevölkerung», betont Marti.

Vorläufige Höhepunkte der Entwicklung des Instituts waren für Christian Marti die Fertigstellungen des neuen Forschungszentrums (2009) und des neuen Besuchszentrums, welches Anfang Mai dieses Jahres eröffnet wurde. «Nach dem Abschluss dieser beiden Bauprojekte wollte ich als Betriebsleiter zurücktreten – diesen Entscheid hatte ich schon länger gefasst», sagt Marti. Für sein ursprüngliches Interesse, die Ornithologie, habe er als Betriebsleiter «wenig Zeit gehabt». Das soll sich ab nächster Woche ändern. Ab dann wird Marti als Bibliothekar und Archivar in der Vogelwarte arbeiten – voraussichtlich bis zu seiner Pension im Sommer 2017. «Ich möchte mich nun wieder vermehrt der Forschung widmen. Die Zeit für Exkursionen war in der Vergangenheit knapp gewesen.»

Falsche Vögel im «Tatort»

Dem zweifachen Grossvater dürfte es auch nach seiner Ära an der Vogelwarte nicht langweilig werden. Im Nebenamt ist Marti Präsident der reformierten Kirche Sursee. Zudem spielt er Bratsche im Symphonie-Orchester Sursee-Sempach. Vogelgesang und Musik hätten sehr viele Berührungspunkte. «Vogelstimmen haben in Volksliedern ebenso Eingang gefunden wie in der Instrumentalmusik, von der frühesten Renaissance bis heute», sagt der passionierte Hobbymusiker. Im Alltag könne er die Geräusche der Vögel «eigentlich nie» ausblenden. «Wenn in einem Tatort-Film Zugvögel zu hören sind, welche zum Zeitpunkt des Geschehens nie und nimmer anwesend sein können, registriere ich das natürlich.» Auch wenn das Kapitel Vogelwarte im Jahr 2017 definitv zu Ende geht, werden Marti die Vögel nicht so schnell in Ruhe lassen. «Sicher solange das Gehör mitmacht», präzisiert er.

Claudio Zanini

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