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SEMPACH: Vogelbeobachtung – leichtgemacht

Dani Jutz meldet seit über 30 Jahren seine Beobachtungen der Vogelwarte. Was einst aufwendige Papierarbeit war, erledigt der Hobbyforscher heute im Handumdrehen. Verantwortlich dafür ist eine Entwicklung aus Sempach, die inzwischen ein Exportschlager ist.
Urs-Ueli Schorno
Dani Jutz beim Beobachten von Vögeln in Sursee. (Bild: Nadia Schärli (20. Dezember 2017))

Dani Jutz beim Beobachten von Vögeln in Sursee. (Bild: Nadia Schärli (20. Dezember 2017))

Urs-Ueli Schorno

ursueli.schorno@luzernerzeitung.ch

Er trägt zwar keine Eulen nach Athen, faszinieren tun ihn diese Vögel aber schon: Bereits in der Jugendzeit zog es Dani Jutz in die Natur. «In einer Gruppe fertigten wir im Wald Kästen für Eulen an und montierten diese an Bäumen.» Nachts musste überprüft werden, ob die Vögel das Angebot auch nutzten. «Das erlaubte uns natürlich, an Wochenenden länger draussen zu bleiben», so der heute 52-jährige Lehrer, der in Oberkirch wohnt, über die an­deren Vorteile des Vogelbeobachtens. Seit 30 Jahren beteiligt sich Jutz auch an den nationalen Monitoringprojekten der Schweizerischen Vogelwarte Sempach und an deren neuem Brutvogelatlas, der 2018 erscheint.

Begonnen hatte seine freiwillige Arbeit mit Strichlisten, in die jede Beobachtung eingetragen wurde, unter dem Arm ein dickes Bestimmungsbuch. Auf einer Karte mussten anschliessend die Koordinaten abgelesen und in die Liste eingetragen werden, damit der genaue Standort der Vögel erfasst werden konnte. «Anschliessend schickten wir die Kärtchen mit den Einträgen an die Vogelwarte.» Bis diese in ein Verzeichnis eingetragen wurden, konnten Monate vergehen. «Das war ziemlich mühsam», fasst Jutz das Prozedere zusammen.

Es ist dem findigen Programmierer Gaëtan Delaloye zu verdanken, dass sich dies vor gut zehn Jahren ändern sollte. Das Beobachtungsprotokoll zu verein­fachen entsprach einem breiten Bedürfnis – der Programmierer setzte sich hin und entwickelte ornitho.ch. «Es war ein sofortiger Erfolg, und was mich besonders freut, es hat zu einem besseren Austausch zwischen den Ornithologen in allen Landesteilen beigetragen», ergänzt Hans Schmid, der das Potenzial sofort erkannt hatte und das Projekt bei der Vogelwarte vorantrieb. Die Plattform wurde flugs zum ­Exportschlager. Zehn Jahre nach seiner Gründung wird ornitho.ch inzwischen in acht grösseren und fünf kleineren Ländern Europas genutzt. Durch die Einträge vieler Vogelbegeisterter – allein in der Schweiz sind es 15000 Ornithologen – ist es möglich, Veränderungen in der Vogelwelt rasch zu erkennen. Dies sei besonders wichtig, um die verschiedenen Vogelarten schützen zu können, so die Vogelwarte. 13 Millionen Einträge umfasst die Plattform bis heute. Auch 300000 Fotos wurden bisher hochgeladen.

Auf der Internetseite Euro Bird Portal werden die Einzelbeobachtungen aus verschiedenen Ländern dann in einer Europakarte visualisiert – hier greift man inzwischen auf 120 Millionen Vogelbeobachtungen zurück.

«Einige Arten werden wohl aussterben»

Dani Jutz’ Stammgebiet sind der Sempachersee, der Mauensee, das Wauwilermoos. Über die Jahre hat er festgestellt, dass gerade Arten, die in Feldern brüten, etwa die Feldlerche und andere ­Wiesenbrüter, durch intensivere Landwirtschaft immer mehr bedroht sind. «Einige Arten werden deshalb wohl aussterben», stellt er nüchtern fest.

Besonders freut er sich, wenn er einen Eisvogel vor das Fernrohr kriegt, den kleinen, aber schnellen Vogel, für den es viel Übung bedarf, will man ihn im Flug ertappen. «Vom Juli bis September sind im Hagenmoos auch die Limikolen zu beobachten, Watvögel auf ihrer Durchreise von Skandinavien in den Süden.» Die gesichteten Vögel sind anschliessend schnell eingetragen: Das Bestimmungsbuch ist inzwischen auf dem Handy schnell abrufbar, und auch der Eintrag ist in 3 bis 4 Sekunden in die Datenbank gespeist – Koordinaten der Beobachtung werden automatisch via App ­erhoben. «Ich finde die Plattform heute extrem gut», fasst Jutz zusammen. «Man merkt, dass hier Leute mit einem Faible für Ornithologie am Werk waren.»

Die europäische Vernetzung vorantreiben

Einen negativen Effekt hat die ­digitale Erhebung doch: Ähnlich wie Wander- und Skitourenseiten werden einst geheime Orte schnell öffentlich, Sichtungen seltener Arten könnten zu übermässigem «Ornithologen-Tourismus» führen. «Da appelliere ich an den Ehrenkodex der Vogelbeobachter, die Natur mit Respekt zu behandeln», sagt Jutz.

Laut Hans Schmid hat man auch schon ene Vision, wie die Entwicklung in den kommenden Jahren weitergehen soll: «Wir stehen an einem Wendepunkt», sagt er. Bislang seien über das Portal vorab Gelegenheitsbeobachtungen erfasst worden. Nun soll ornitho.ch weiterentwickelt werden, so dass künftig auch die Erhebungen von spezifischeren, europaweiten Monitoringprojekten darüber ablaufen können. Beispielsweise Wasservogelzählungen, die Erhebung von Koloniebrütern oder die Seltenheitsbeobachtungen.

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