SEMPACH: Zihlweid-Überbauung in Sempach: «Dieses Konzept hat Zukunft»

Das Städtchen soll deutlich wachsen, unter anderem mit einer Überbauung im Gebiet Zihlweid. Dafür müssen aber noch einige Hürden überwunden werden.

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So soll die Überbauung im Gebiet Zihlweid ausschauen. (Bild: Visualisierung Unit Architekten)

So soll die Überbauung im Gebiet Zihlweid ausschauen. (Bild: Visualisierung Unit Architekten)

Stephan Santschi

«In Sempach sind stets nur kleine Gebiete eingezont worden. Die neuen Einwohner sollen sich gut integrieren, deshalb sind wir nie explodiert. Nun ist es aber an der Zeit, dass wir wieder etwas wachsen.» So erklärt Bruno Häfliger die aktuellen Baubemühungen in Sempach. Seit 25 Jahren ist der heutige Bereichsleiter Raumordnung, Umwelt und Infrastruktur für das regionale Bauamt tätig. In dieser Zeit stieg die Einwohnerzahl von 3144 auf knapp 4200, was einem jährlichen Wachstum von rund 1,3 Prozent entspricht.

Weiteres Projekt vor Baubeginn

Läuft alles nach Plan, gibt es in absehbarer Zukunft Platz für über 400 weitere Bürger. So sollen auf der Martinshöhe vier Mehrfamilienhäuser mit 110 Wohnungen für 320 Menschen entstehen (wir berichteten). Einsprachen gab es nicht, Anfang Monat ist die Bewilligung für das 65-Millionen-Franken-Projekt erteilt worden. Der Start der ersten Bauetappe mit 50 Wohnungen steht unmittelbar bevor.

Noch nicht so weit ist man mit der Überbauung des Gebiets Zihlweid, das einer Erbengemeinschaft gehört. Am nordwestlichen Rand des Städtchens sind Wohnungen für insgesamt 90 Leute geplant. Die Firma Unit Architekten, die wie auf der Martinshöhe als Sieger aus dem Ideenwettbewerb hervorgegangen ist, möchte am Waldrand unterhalb der Autobahn zwei übereinanderliegende Häuserzeilen realisieren. «Allen Wohnungen wird freier Blick auf See und Berge gewährt. Das differenzierte Wohnungsangebot mit Maisonette- und Etagenwohnungen spricht eine breite Interessenschaft an», begründete die Jury den Entscheid und lobte weiter «die grosszügigen Grün- und Freizeiträume, die die umliegenden Bach- und Waldvegetationen gekonnt einbeziehen».

Während die obere Zeile aus Gebäuden mit jeweils eingeschossigen Miet- oder Eigentumswohnungen besteht, beinhaltet der untere, nahe dem Meierhofbach gelegene Abschnitt mehrstöckige Wohnungen für Familien. «Die Zeiten, in denen neue Einfamilienhäuser gebaut werden, sind vorbei», sagt Häfliger. «Konzepten wie auf der Zihlweid gehört die Zukunft. Es wird relativ dicht gebaut, trotzdem ist die Privatsphäre mit grosszügigen Aussenbereichen gewahrt.»

Zunächst hat die Überbauung Zihlweid nun aber einige Hürden zu nehmen. Im Wesentlichen deren drei:

 

  • Einsprache. Vor kurzem ist die Auflagefrist für die erforderliche Teiländerung der Ortsplanung abgelaufen. Beim Bauamt ist eine Einsprache eingegangen. «Wir streben hier nach einer gütlichen Einigung», erklärt Häfliger, ohne in Sachen Inhalt oder Identität des Beschwerdeführers konkret zu werden.

 

 

  • Bundesentscheid.Sempach verfügt nur noch über wenige Baulandparzellen. Aktuell verhindert ein Einzonungsmoratorium im ganzen Kanton das Generieren von neuen Flächen. Das ändert sich, sobald der Bundesrat den neuen kantonalen Richtplan genehmigt hat. «Wir erwarten den Entscheid im April. Die Vorprüfung hat zu keinen nennenswerten Änderungen geführt. Aus Bern hat der Kanton bisher keine negativen Signale erhalten.»
  • Gemeindeversammlung. Kommt das Okay aus Bern rechtzeitig, befindet das Volk im Juni über die Einzonung der Zihlweid in eine «spezielle Wohnzone».

 

Im Falle eines Ja hat der Kanton die Genehmigung bereits in Aussicht gestellt. Speziell wäre die Wohnzone auch deshalb, weil zusätzliche Auflagen an die Bauherren gemacht wurden. Neben den restriktiven raumplanerischen Vorgaben sind auch die Erfordernisse einer 2000-Watt-Gesellschaft zu berücksichtigen. Das heisst: Der Energiebedarf darf pro Person eine Dauerleistung von 2000 Watt nicht übersteigen. Damit sollen Energieverbrauch und CO2-Emissionen nachhaltig reduziert werden. Laut Häfliger kenne man dieses Modell bereits in städtischen Gebieten mit guter ÖV-Anbindung. «Auf der Landschaft ist aber noch nicht oft nach diesen Vorgaben gebaut worden.» Auch die Neubauten auf der Martinshöhe werden nach diesen Richtlinien errichtet.

Bundesprogramm mit Sempach

Parallel dazu strebt Sempach das verdichtete Bauen in bereits dicht bebauten Zonen an. Im Rahmen eines Bundesprogramms arbeiten Stadt und Grundeigentümer an einem Projekt, um in einem Quartier mit Einfamilienhäusern aus den Achtzigerjahren künftig Mehrgenerationenhäuser zuzulassen.