«Sempacher Gedenkfeier ist ein Kompass»

Zukunft hat für Regula Zweifel Herkunft. In ihrer Festrede zur Gedenkfeier der Schlacht von Sempach von 1386 attestierte die Zürcher Kulturhistorikerin und Präsidentin der Gesellschaft zu Fraumünster dem Anlass die Funktion eines Kompasses für die Gegenwart.

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Luzerner mit Hellebarden. An der Schlachtfeier im Städli Sempach. (Bild: Roger Zbinden / Neue LZ)

Luzerner mit Hellebarden. An der Schlachtfeier im Städli Sempach. (Bild: Roger Zbinden / Neue LZ)

Eröffnet wurde die Gedenkfeier am Samstag mit einem Mittelalterfest im Städtchen Sempach. Am Sonntag stand dann die Besinnung im Mittelpunkt, vorerst mit einem ökumenischen Gottesdienst in der Pfarrkirche, anschliessend mit dem offiziellen Festakt.

Als Präsidentin der Zürcher Gesellschaft zu Fraumünster sei sie gleichsam Botschafterin der Fraumünster-Klosterfrauen des späten Mittelalters, sagte Regula Zweifel. Anhand der politischen Umwälzungen zur Zeit der Schlacht von Sempach zog sie einen Bogen zu den heutigen gesellschaftlichen Veränderungen.

Werte bleiben soziales Kapital

Die Sempacher Schlacht sei der Höhepunkt eines gesellschaftlichen Wandels, einer gesellschaftliche Revolution gewesen, sagte Zweifel laut Redetext. Die damaligen Entwicklungen zeigten unter anderem, dass Gemeinschaften in der Lage seien, neue Situationen zu adaptieren und Lösungen für die Zukunft zu finden.

Heute erlebe man eine Revolution der Informations- und Kommunikationstechnologie, sagte Zweifel. In diesem komplexen und beschleunigten Umfeld seien Werte wie Mut, Vertrauen, Gerechtigkeit, Zusammengehörigkeitsgefühl, Solidarität, Glaube und Erinnerung ein verlässlicher Kompass.

Regierungsrätin Yvonne Schärli, links, mit Regula Zweifel beim Verlassen der Kirche in Sempach. (Bild: Roger Zbinden / Neue LZ)

Regierungsrätin Yvonne Schärli, links, mit Regula Zweifel beim Verlassen der Kirche in Sempach. (Bild: Roger Zbinden / Neue LZ)

Diese Werte blieben das soziale Kapital, erklärte die ehemalige Vizedirektorin des Landesmuseums. Ihre Wirkung entfalteten sie aber nur, wenn sie eingebunden blieben in Geschichtsverlauf und Erinnerungskultur.

Auseinandersetzungen ohne Hellebarden

Am ökumenischen Gottesdienst hatte zuvor der protestantische Zürcher Theologe Ralph Kunz an eine andere Schlacht erinnert: Jene von 1531 in Kappel, als die Zürcher gegen die katholischen Innerschweizer verloren. Aus Distanz gesehen sei die Niederlage ein Segen gewesen, denn sie habe zur Befriedung der Schweiz beigetragen.

Mittelalterliche Bilder im mittelalterlichen Sempach. (Bild: Roger Zbinden / Neue LZ)
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Sempachs Stadtpräsident Franz Schwegler liest den Schlachtbrief. (Bild: Roger Zbinden / Neue LZ)
Vater Tibor zeigt seinen Sohn Nandor das Bogenschiessen. (Bild: Roger Zbinden / Neue LZ)
Bild: Roger Zbinden / Neue LZ
Regierungsrätin Yvonne Schärli bei Ihrer Rede in der Kirche. (Bild: Roger Zbinden / Neue LZ)
Mittelalterliche Bilder im mittelalterlichen Sempach. (Bild: Roger Zbinden / Neue LZ)
Stolze Luzerner. (Bild: Roger Zbinden / Neue LZ)
Einzig die Brillen passen nicht. (Bild: Roger Zbinden / Neue LZ)
Mittelalteliche Szenen im mittelalterlichen Sempach. (Bild: Roger Zbinden / Neue LZ)
Zahlreiche interessierte Besucher und Zuschauer am Mittelalterfest  im Städli Sempach und auf der Wiese Seevogtey. (Bild: Roger Zbinden / Neue LZ)
Mittelalteliche Szenen im mittelalterlichen Sempach. (Bild: Roger Zbinden / Neue LZ)
Mit Laute, Trommel und Schalmei am Mittelalterfest in Sempach. (Bild: Roger Zbinden / Neue LZ)
Kostümiert bei Tanze. (Bild: Roger Zbinden / Neue LZ)
Mittelalterliche Szenen - digital eingefangen. (Bild: Roger Zbinden / Neue LZ)
Bild: Roger Zbinden / Neue LZ
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Ein Marktstand am Mittelalterfest. (Bild: Roger Zbinden / Neue LZ)
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Am Mittelalterfest. (Bild: Roger Zbinden / Neue LZ)
Hans Rudolf Gerber flechtet einen Korb. (Bild: Roger Zbinden / Neue LZ)
Zahlreiche interessierte Besucher und Zuschauer am Mittelalterfest  im Städli Sempach und auf der Wiese Seevogtey. (Bild: Roger Zbinden / Neue LZ)
Die Luzerner Regierungsrätin Yvonne Schärli, links, und die Historikerin Regula Zweifel beim Verlassen der Kirche. (Bild: Roger Zbinden / Neue LZ)
Bild: Roger Zbinden / Neue LZ
Die Luzerner Regierungsrätin Yvonne Schärli, links, und die Historikerin Regula Zweifel beim Verlassen der Kirche. (Bild: Roger Zbinden / Neue LZ)
Guido Graf (vorne) und Marcel Schwerzmann von der Luzerner Regierung . (Bild: Roger Zbinden / Neue LZ)
Regierungsrat Reto Wyss (vorne links) und Staatsschreiber Lukas Gresch (rechts) beim Verlassen der KircheRegierungsrat Reto Wyss (vorne links) und Staatsschreiber Lukas Gresch (rechts) beim Verlassen der Kirche. (Bild: Roger Zbinden / Neue LZ)
Der Nidwaldner Regierungsrat Ueli Amstad beim Verlassen der Kirche. (Bild: Roger Zbinden / Neue LZ)
Impressionen aus dem Städtchen. (Bild: Roger Zbinden / Neue LZ)
Impressionen aus dem Städtchen. (Bild: Roger Zbinden / Neue LZ)
Vater Tibor zeigt seinen Sohn Nandor das Bogenschiessen. (Bild: Roger Zbinden / Neue LZ)
Familie Herzig aus Menznau probiert Rüstungsteile und Waffen (aus Holz) aus. (Bild: Roger Zbinden / Neue LZ)
Familie Herzig aus Menznau probiert die einzelnen Rüstungsteile aus. (Bild: Roger Zbinden / Neue LZ)
Jasmin Schnyder und Timo Küpfer bei den Vorbereitungen für den Schwertkampf. (Bild: Roger Zbinden / Neue LZ)
Bild: Roger Zbinden / Neue LZ
Hans Rudolf Gerber, links, zeigt Manfred Lüdi das Flechten eines Korbes. (Bild: Roger Zbinden / Neue LZ)

Mittelalterliche Bilder im mittelalterlichen Sempach. (Bild: Roger Zbinden / Neue LZ)

«Manchmal muss man Schlachten verlieren, um zur Einsicht zu kommen», sagte Professor Kunz laut Redetext . Noch besser wäre es aber, gar nicht erst in den Krieg zu ziehen. Im kulturellen Gedächtnis sieht Kunz keine Gelegenheit, um alte Mythen zu nähren, sondern eine Gelegenheit, den Mythos abzubauen.

Das Christliche, so der Theologe, komme in der Niederlage zum Ausdruck. Wenn man sich heute an eine Schlacht von 1386 erinnere, dann nicht, um sich am Sieg zu freuen, sondern um das Elend danach nicht zu vergessen. Was man weiterhin brauche, seien harte Auseinandersetzungen, freilich ohne Hellebarden und ohne verbale Schläger, die jeden Anstand vermissen liessen.

sda