SEMPACHERSEE: Kitesurfer kämpfen mit allen Mitteln um den Sempachersee

Ab 2016 ist auf allen Gewässern das Kitesurfen grundsätzlich erlaubt. Aber nicht in Luzern – dagegen wehrt sich nun der Kitesurf-Club.

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Ein Kitesurfer auf dem Zugersee. (Bild Stefan Kaiser)

Ein Kitesurfer auf dem Zugersee. (Bild Stefan Kaiser)

Er ist der einzige See im Kanton Luzern, der sich für das Kitesurfen eignet: «Nur auf dem Sempachersee sind die Windbedingungen für unsere Sportart möglich», sagt Ivo Kneubühler. Er vertritt im Namen des Kitesurf-Clubs Schweiz die Sektion Luzern – und bangt zusammen mit seinen Kollegen um die Ausübung ihres Hobbys.

Grund: Der Kanton Luzern will das Kitesurfen – das Segeln mit einem Lenkdrachen – auf dem Sempachersee weiterhin verbieten. Dies, obwohl der Bund das Drachensegeln ab nächstem Jahr grundsätzlich auf allen Schweizer Seen erlaubt.

Bereits seit fünf Jahren verboten

Kitesurfen ist im Kanton Luzern auf Teilen des Vierwaldstättersees und des Zugersees zulässig. 2011 wurde die Bewilligung für den Sempachersee aufgehoben. Dies soll laut der Luzerner Regierung auch weiterhin so bleiben, wie aus den Unterlagen für eine Änderung der kantonalen Schifffahrtsverordnung hervorgeht. Gemäss Kneubühler kommen die vorgeschlagenen Seeflächen der Behörden «aber faktisch einem Verbot des Kitesurfens im Kanton gleich». Dies, weil die Windverhältnisse auf den erlaubten Seeflächen für die Kitesurfer suboptimal sind.

«Völlig unverhältnismässig»

Noch bis Ende November läuft das Vernehmlassungsverfahren. Doch schon jetzt äussert sich erstmals der über 1000 Mitglieder zählende Kitesurf-Club Schweiz gegenüber unserer Zeitung umfassend zum Verbot. «Ein solches ist völlig unverhältnismässig», sagt Kneubühler. Vor 2011 sei auf dem Sempachersee der Sport zehn Jahre lang «ohne nennenswerte Vorfälle» betrieben worden. Je nach Windverhältnissen seien 10 bis 20 Kitesurfer auf dem See gewesen. «Die Sportler haben sich auf den 14,5 Quadratkilometern gut verteilt. Es gab nie Konflikte mit der Natur, Tieren oder anderen Seenutzern.»

Doch genau dies zweifelt die Luzerner Regierung an: Das bestehende Verbot sei hauptsächlich aus Gründen des Natur- und Vogelschutzes gemacht worden, heisst es in den Vernehmlassungsunterlagen. Weiter steht: «An dieser grundlegenden Ausrichtung hat sich nichts geändert, und eine Änderung allein aufgrund der geänderten bundesrechtlichen Grundlage drängt sich auch nicht auf.» Kneubühler sieht dies anders: «Es gibt keinen Grund, das Kitesurfen auf dem Sempachersee zu verbieten», sagt er. Schliesslich sei auch das Windsurfen – eine verwandte Sportart – erlaubt.

Schlechte Erfahrungen gemacht

Die zwei Sportarten würden allerdings unterschiedliche Gefahrenpotenziale aufweisen, teilt das Justiz- und Sicherheitsdepartement des Kantons Luzern auf Anfrage unserer Zeitung mit. Kitesurfer bräuchten im Gegensatz zu Windsurfern mehr Platz für Starts und Landungen, was potenziell mehr Gefahren für andere Seenutzer berge. Ausserdem habe der Kanton schlechte Erfahrungen mit den Kitesurfern gemacht – so seien trotz Verbot solche Sportler auf dem Sempachersee beobachtet worden. Ebenso seien Starts und Landungen in geschützten Schilf- und Wasservogelbrutgebieten gemacht worden.

Startplätze in Sempach und Eich

«Weil wir eine Randsportart sind, versucht man uns einfach zu diskriminieren», sagt hingegen Ivo Kneubühler. «Wir werden nicht gleich behandelt wie die anderen Seenutzer.» Nun wolle man aber erst mal abwarten, was die Vernehmlassung ergebe.

Und was, wenn die Vernehmlassungspartner allesamt eine Verbotszone gutheissen? «Wir sind guter Dinge, dass dies nicht passiert. Und wenn doch, werden wir für unser Recht kämpfen, auf politischer und notfalls sogar auf rechtlicher Ebene.» Denn die Startplätze der Wind- und Kitesurfer würden sich in Sempach und Eich befinden. «Die Naturschutzgebiete sind auf der Gegenseite des Sees. Wir kommen den Vögeln, anderen Tieren und der Pflanzenwelt nicht in die Quere, wie uns vorgeworfen wird.»

Vogelwarte: Kompromiss möglich

Im Gegensatz zum herkömmlichen Surfen seien beim Kitesurfen die Lenkdrachen das Problem, sagt Matthias Kestenholz, Biologe und Mediensprecher der Vogelwarte Sempach. «Bei den Wasservögeln führen diese zu Schreck- und Fluchtsituationen, was wiederum an den Kräften der Tiere zehrt.» Er begrüsst daher den regierungsrätlichen Vorschlag, hält es aber nicht für unmöglich, dass sich für die Sportler doch noch ein Platz finden liesse. Möglicherweise würde man einen Kompromiss finden, sagt er. «Aber je mehr Interessengruppen den Sempachersee nutzen, umso enger wird es für die Natur. Und bei Kompromissen lassen letztlich immer die Vögel Federn.»

Laut Kneubühler sind die Kitesurfer kompromissbereit und stehen für klare Regeln ein. «Auch eine Versuchsphase wie in anderen Kantonen ist denkbar.»

Christian Hodel