SENIOREN: Entlebuch rüstet sich fürs Alter

Die Region Entlebuch-Wolhusen bündelt in der Altersarbeit die Kräfte. Mit einem gemeinsamen Leitbild will sie sich auch politisch Gehör verschaffen.

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Unterstützung für Senioren in den eigenen vier Wänden: Dies wollen die Gemeinden im Wahlkreis Entlebuch vorantreiben. (Symbolbild Keystone/Gaetan Bally)

Unterstützung für Senioren in den eigenen vier Wänden: Dies wollen die Gemeinden im Wahlkreis Entlebuch vorantreiben. (Symbolbild Keystone/Gaetan Bally)

«Das Alter und seine Anliegen machen vor Gemeindegrenzen nicht Halt», sagt Regula Heuberger, Sozialvorsteherin von Schüpfheim. «Themen, die in jeder Gemeinde anstehen, sollten sinnvollerweise zusammen angepackt werden.» Heuberger gehört der Fachgruppe an, die 2008 das erste regionale Altersleitbild für die Gemeinden Doppleschwand, Entlebuch, Flühli, Hasle, Romoos, Schüpfheim und das heute fusionierte Escholzmatt-Marbach lanciert hat. Die überarbeitete Version wird am 20. Oktober am regionalen Forum fürs Alter vorgestellt – eine Einrichtung notabene, die aufgrund des ersten Leitbilds ins Leben gerufen wurde.

Neu sind auch Wolhusen und Werthenstein ins Altersleitbild integriert. Sie gehören bereits der Kommission «Planungsregion Soziales und Gesundheit Entlebuch» an. In dieser koordinieren Gemeindevertreter des Wahlkreises Entlebuch ambulante und stationäre Angebote. «Regionale Überlegungen lassen sich im Leitbild optimal mit kommunalen Bedürfnissen ergänzen. Es kommt viel Know-how zusammen», sagt Heidi Burkhard, Sozialvorsteherin von Werthenstein. «Bündeln neun Gemeinden ihre Kräfte, erhält deren Stimme auch politisch mehr Gewicht.» Wo dies vonnöten sein kann, erklärt Regula Heuberger: «Wir müssen uns für bezahlbare ambulante und stationäre Angebote einsetzen, die den Bedürfnissen angepasst werden. Auch der Erhalt des Spitals Wolhusen ist ein Anliegen.»

Seniorenzunahme unterschätzt

Zwei Jahre Arbeit und Kosten von rund 20 000 Franken stecken im vorliegenden Leitbild. Dank der Überarbeitung hält es mit der heutigen demografischen Entwicklung Schritt. Ein Vergleich zeigt: Die Alterung der Gesellschaft wurde unterschätzt. Im Erstling von 2008 rechnete die Statistik fürs Jahr 2030 im Wahlkreis Entlebuch mit gegen 4500 Pensionierten. Gemäss neusten Zahlen werden es eher 5700 sein, 2035 gar deren 6200 (Grafik). Die Bevölkerung steigt in diesem Zeitraum von 23 100 auf 23 500 Personen an.

Grösste Pendenz: Alterswohnungen

Aufgrund dieser Zahlen erstaunt kaum: Künftig muss vor allem in den Bereich Wohnen mit Dienstleistung investiert werden. «Rund 20 von gegen 130 geplanten Wohnungen sind für Senioren gedacht», sagt Burkhard, Sozialvorsteherin von Werthenstein. «Dies reicht aber noch längst nicht aus.» Betreutes Wohnen sei gefragt, sagt Regula Heuberger. «Drei-Generationen-Haushalte sind passé, Senioren können heute nicht mehr in jedem Fall auf familiäre Unterstützung zählen.» Pensionäre mit geringer Pflegebedürftigkeit sollen künftig in Alterswohnungen unterkommen, um genügend Heimplätze für Betagte sicherzustellen. Denn das Szenario zeigt: Die 363 Pflegebetten reichen bis ins Jahr 2030 aus. Bis 2035 sind aber 30 bis 80 weitere Plätze nötig.

Kommission setzt Massnahmen um

Der Wert eines Leitbildes messe sich immer am Grad seiner Umsetzung, sagt Regula Heuberger. «Es braucht ein Gremium, das die festgehaltenen Massnahmen umsetzt. Sonst droht das Dokument ein Papiertiger zu werden.» Um dies zu verhindern, wurde eine regionale Alterskommission gegründet, die Heuberger präsidiert. Zu den ersten sichtbaren Resultaten ihrer Arbeit zählt auf überkommunaler Ebene die zusammengeschlossene Spitex-Region Entlebuch. Auf lokaler Basis beispielsweise schuf Schüpfheim das Infoblatt «Seniorenwegweiser», das das bestehende Angebot aufzeigt. «Punkto Kommunikation besteht weiter Aufholbedarf. Wir peilen eine regionale Koordinationsstelle an, die sämtliche Angebote zusammenführt», sagt Heuberger.

Vorreiterrolle im Kanton

Das Entlebucher Unterfangen heimst von Pro Senectute Lob ein: «Mit diesem Leitbild übernahm das Entlebuch eine Vorreiterrolle im Kanton», sagt Marcel Schuler von der Fachstelle Gemeinwesenarbeit, die den Prozess begleitet hat. «Das Leitbild wahrt mit lokalen Schwerpunkten die Autonomie jeder Gemeinde. Zugleich bringt es die zentralen Player an einen Tisch, was die ganze Region profitieren lässt und Doppelspurigkeiten verhindert. Ein gelungenes Werk.»

Evelyne Fischer