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SENIOREN: Ins Heim – weil die Miete zu hoch ist

Wenn Rentner die Sozialberatung der Pro Senectute aufsuchen, dann oft, weil ihnen die Höhe ihrer Wohnungsmiete zu schaffen macht. Fehlen die Optionen, folgt der Gang ins Heim – zu Lasten der Allgemeinheit.
Interview Ismail Osman
Wegen der Mietpreise gelingt in jedem dritten Rentner-Haushalt die Existenzsicherung nicht. (Symbolbild: Martin Rütschi/Keystone)

Wegen der Mietpreise gelingt in jedem dritten Rentner-Haushalt die Existenzsicherung nicht. (Symbolbild: Martin Rütschi/Keystone)

Interview Ismail Osman

ismail.osman@luzernerzeitung.ch

Mit dem Eintreten in die Pension verändern sich diverse Lebensaspekte. Nicht zuletzt die finanziellen. Für Wohnungsmieter kann es in der Pension schnell knapp werden. Eine günstigere Wohnung zu finden, ist aber gerade für Senioren eine Herausforderung, da der Markt nicht auf ihre Bedürfnisse ausgerichtet ist («Zentralschweiz am Sonntag» vom 10. Dezember). Ruedi Fahrni, Geschäftsführer der Pro Senectute Kanton ­Luzern, warnt vor den Konsequenzen, die eine mangelhafte Wohnungspolitik haben kann. Fahrni stellt aber auch klar, dass es mit günstigen Wohnungen alleine nicht getan ist.

Ruedi Fahrni, wie sehr beschäftigt das Thema «Wohnen im Alter» Ihre Organisation?

Grundsätzlich ist das Wohnen mit seinen zahlreichen Facetten ein regelmässiges Thema unserer Beratungen. Insbesondere die hohen Mieten sind oft Ursache dafür, dass unsere Sozialberatung aufgesucht wird.

Was sind das für Facetten?

Das Thema «Wohnen im Alter» ist ein Querschnittsthema, welches nebst dem «Sozialbereich» auch über die Bereiche «Bau- und Infrastruktur», «Finanzen» bis hin zu «Kultur» angegangen werden muss. Alleine über die Unterstützung bei der Wohnungssuche kann es nicht gelöst werden.

Das Fehlen von bezahlbaren Wohnungen ist aber ein Kernproblem, oder?

Politik und Gesellschaft müssen sich bewusst sein, dass eine ungenügende Anzahl bezahlbarer Wohnungen auch zu unnötigen und kostspieligen Heimeintritten führen kann. Doch eben, alleine mit günstigen Wohnungen ist es nicht getan.

Können Sie ausführen, weshalb nicht?

Zum Beispiel können betagte Menschen nach einem Umzug mit der veränderten Situation oft nicht umgehen, was zusätzliche Betreuung bedingt oder im schlechteren Falle einen frühzeitigen Heimeintritt bedeutet.

Wer kann, will aber doch genau das vermeiden.

Ja. Es entspricht dem Wunsch der meisten Pensionierten, möglichst lange in den eigenen vier Wänden leben zu können. Ist dies aus finanziellen Gründen nicht mehr möglich, prüfen wir eine Finanzierung mittels Überbrückungshilfen oder Ergänzungsleitungen. Doch auch da stossen wir an Grenzen.

Welche Grenzen sind das?

Vor allem bei Ergänzungsleistungsbezügern ist die Mietgrenze ein Problem. Für eine alleinstehende Person mit Ergänzungsleistungen beträgt die maximal anrechenbare Pauschale für die Bruttomiete 1100 Franken und für ein Ehepaar 1250 Franken. Es gibt wenig Wohnungen, die sich in diesem Preissegment befinden, und die Differenz muss sich die betroffene Person dann vom Grundbedarf absparen.

Gibt es seitens der Pro Senectute Projekte, die das Thema «Wohnungssuche für Senioren» konkret aufgreifen?

Die Wohnungssuche gestaltet sich sehr aufwendig, wozu uns leider die notwendigen Ressourcen fehlen. Aus diesem Grund arbeiten wir an einem neuen Konzept, wonach freiwillige Personen als Wohncoach zusammen mit dem Klientel passende Wohnungen suchen.

Gibt es dafür schon einen Zeithorizont?

Nein, noch nicht. Sobald wir die ersten Freiwilligen engagieren können, starten wir mit dem Pilot. Interessierte Freiwillige können sich direkt bei Pro Senectute Kanton Luzern melden. Bei Erfolg soll das Modell weiter ausgebaut werden.

Die Luzerner Regierung wurde für ihre passive Haltung dem Thema gegenüber kritisiert. Gab es schon Annäherungen zum Kanton?

Auf Projektebene findet eine regelmässige Zusammenarbeit statt. Im Zusammenhang Wohnen im Alter sowie weiterer Fragen um das Alterswesen planen wir, Anfang Jahr auf den Kanton zuzugehen, um die Bedürfnisse aus Sicht des Kantons abzuholen. Wir würden es aber grundsätzlich begrüssen, die Zusammenarbeit zwischen Pro Senectute und den Verantwortlichen beim Kanton zu intensivieren.

Auf Gemeindeebene ist man dagegen schon weiter.

Pro Senectute setzt sich dafür ein, dass in den Gemeinden das Thema «Wohnen im Alter» interdisziplinär angegangen wird. Beispielsweise im regionalen Altersleitbild Sursee. Dort wurde von 16 Gemeinden die Massnahme «Förderung der Wohn- und Lebensräume 65plus Region Sursee» verabschiedet. In den nächsten drei Jahren werden in dieser Region verschiedene Projekte gestartet, welche das Wohnen im Alter fördern sollen.

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