SENIOREN: Wenn Senioren Politik machen

Die ältere Generation stimmt fleissig ab. Zudem engagieren sich Senioren auch in politischen Sektionen. Hier gibt es aber beträchtliche Unterschiede.

Guy Studer
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Nationalratspräsident Ruedi Lustenberger referiert vor rund 200 Personen an der Buttisholzer Tagung, die von der CVP 60+ organisiert wurde. (Bild Pius Amrein)

Nationalratspräsident Ruedi Lustenberger referiert vor rund 200 Personen an der Buttisholzer Tagung, die von der CVP 60+ organisiert wurde. (Bild Pius Amrein)

Sie ist mittlerweile schon ein Traditionsanlass. Bei der zwölften Ausgabe der Buttisholzer Tagung referierte am Mittwochabend Nationalratspräsident Ruedi Lustenberger vor gut 200 Gästen zum Thema «Die Schweiz von ‹oben›». Sein Publikum: grösstenteils Damen und Herren über 60 Jahre, Sympathisanten oder Mitglieder der CVP. Organisiert wird der Anlass von der CVP 60+, Wahlkreis Sursee. Sie gehört zur gleichnamigen nationalen Vereinigung, die der Vernetzung von CVP-Senioren dient, deren Anliegen aufnimmt sowie Freizeitaktivitäten bietet. «Da sind viele alte Kämpfer dabei, die sich jahrelang engagiert haben», sagt Walter Moser, der den Anlass organisiert.

CVP: Keine festen Mitglieder

Seniorenabteilungen der Parteien sind mittlerweile weit verbreitet. Ihre politischen Ambitionen und Strukturen unterscheiden sich aber stark. Die CVP 60+ etwa ist lose und kleinräumig organisiert. Innerhalb der Wahlkreise bestehen auch einzelne Sektionen. «Je nach Region bewegt sich die Anzahl Anlässe etwa zwischen zwei und vier pro Jahr», sagt Alois Hodel, Obmann der CVP 60+ Kanton Luzern. Wie viele Mitglieder sie genau zählt, kann Hodel nicht sagen: «Wir sind keine Mitgliederorganisation.» Die Senioren-CVP ist keine neue Erscheinung, aber auch nicht sehr alt. Walter Moser schätzt, dass sie in Luzern bereits etwas länger existiert als die Buttisholzer Tagung. «Genau kann ich das nicht sagen.»

SP: Mitgliedschaft als Bedingung

Straffer organisiert sind die SP-Senioren, die sich auch näher an die Mutterpartei halten. «Wer nicht bei der SP ist, kann bei uns nicht Mitglied werden», erklärt Präsident Hansjörg Eicher. Erste Aktivitäten der SP-Senioren gab es bereits Mitte der 1980er-Jahre, sagt Eicher, ehemaliger Kantonsrat und Parteisekretär der SP Kanton Luzern. «Derzeit bin ich dran, die Sektion wieder aufzubauen. Wir streben im Kanton eine Mitgliederzahl von 150 bis 200 an.» Momentan seien die SP-Senioren vor allem in der Stadt und Agglomeration mit rund 80 bis 90 Mitgliedern aktiv. Auch die SP-Senioren organisieren mindestens zweimal im Jahr Anlässe zu aktuellen Themen. Ziel sei aber auch ganz klar, die Leute bei Wahlen und Abstimmungen zu mobilisieren. «Wir haben auch schon versucht, bei Grossstadtratswahlen eine eigene Liste zusammenzustellen», so Eicher. Dies sei aber nicht gelungen.

SVP will ausbauen

Bei der SVP repräsentieren die «Aktiven Senioren» die dritte Generation. Diese gibt es seit rund zehn Jahren, sagt Präsident Hans Jörg Hauser. Ihre Ziele decken sich weitgehend mit denen der Mutterpartei. «Wir geben aber keine eigenen Parolen aus wie etwa die JSVP. Wenn wir aber bei einem Thema dezidiert anderer Meinung sind als die Mutterpartei, würden wir schon das Gespräch suchen», so Hauser. Gleichwohl ist die SVP als einzige Partei mit einer eigenen Seniorenliste angetreten. Allerdings wurde kein Vertreter gewählt. Hauser hat klare Ziele: «Wir sind derzeit rund 20 bis 30 Mitglieder, ich möchte noch mehr in die Breite gehen.»

Das freisinnige Pendant sind die Liberalen Senioren. Gemäss Vorstandsmitglied Vreni Grüter liegt die Zahl der Mitglieder im Kanton bei rund 400, «wobei nicht alle feste Mitglieder sind, sondern ein Teil auch Sympathisanten». Allerdings kämen in den einzelnen Regionen zusätzliche Mitglieder hinzu, da auch die Liberalen Senioren lokale Ableger haben. Von der aktiven Politik sei man inzwischen wieder etwas weggekommen, so Grüter. «Viele sind ja auch schon über 70.» Im Vordergrund stünden mehr die Unterstützung der Mutterpartei sowie die aktive politische Diskussion.

Grüne sehen keine Notwendigkeit

Als einzige etablierte Partei verfügen die Grünenüber keine Seniorengruppierung. Ein Grund dürfte laut Kantonsrat Michael Töngi auch sein, dass die grüne Bewegung noch eher jung ist: «Wir haben zwar auch Mitglieder über 60, doch viele kommen jetzt erst in dieses Alter», sagt der Sprecher der Grünen. Doch er sieht auch keine Notwendigkeit: «Wir haben zwar einmal vor einer Wahl erwogen, eine Seniorenliste zu erstellen, haben uns aber dagegen entschieden.» Töngi ist skeptisch: «Ich weiss nicht, ob das einem Bedürfnis entspricht oder nur zur Wählermobilisierung dient.»

Dass die Senioren den Parteien vor allem zur Wählermobilisierung dienen, sieht auch Andreas Balthasar, Professor für Schweizer Politik an der Universität Luzern und Leiter des Instituts Interface für Politikstudien, so. «Die Parteien versuchen, möglichst alle Leute einzubinden. Dass es sich lohnt, eine spezielle Liste mit Senioren zu erstellen, ist aber nicht erwiesen.»

«Sind nicht stark parteigebunden»

Auf den Vorbehalt angesprochen, die Senioren dienten nur der Wählermobilisierung, wiegeln die Betroffenen ab: «Dass wir ein reines Abstimmungsvehikel sind, habe ich nie gehört», sagt etwa Hansjörg Eicher von der SP. Vreni Grüter von den Liberalen Senioren sagt klar: «Das ist überhaupt nicht der Fall. Uns geht es darum, dranzubleiben, unsere Anliegen einzubringen. Und es kann durchaus auch mal sein, dass wir eine Parole der Mutterpartei in Frage stellen.» Hansjörg Hauser von den Aktiven Senioren sagt hingegen unverblümt: «Das ist ein Element der Aktiven Senioren, das ist klar.» Doch es gehe auch darum, eigene Anliegen einzubringen und politisch aktiv zu bleiben.

Bei der CVP 60+ lässt sich das Wahlkampfargument wohl am wenigsten bestätigen. «Wir haben keine eigenen politischen Zielsetzungen. Man trifft sich vor allem im geselligen Rahmen», sagt Walter Moser. Auch eigene Listen seien kein Thema. «Wir sind ja froh, wenn wir die anderen voll bringen.»