SERIE: Dorfschulhaus Ruswil: Früher umstritten und heute gefeiert

100 Jahre nach der Einweihung thront das Dorfschulhaus immer noch über Ruswil. Damit erfüllt es die weise Prophezeiung eines Lokalblattes.

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Das heutige Erscheinungsbild mit dem Anbau. (Bild: Corinne Glanzmann)

Das heutige Erscheinungsbild mit dem Anbau. (Bild: Corinne Glanzmann)

Das heutige Erscheinungsbild mit dem Anbau. (Bild: Corinne Glanzmann)

Das heutige Erscheinungsbild mit dem Anbau. (Bild: Corinne Glanzmann)

Nicht manches Gebäude kann sich rühmen, dass zu seiner Einweihung eigens ein Lied gedichtet wurde – wohl aber das Ruswiler Dorfschulhaus. So reimte Elisabeth Müller 1913: «Wie ragt empor so hoch und hehr der Bau! Wie friedlich liegt das Dorf zu seinen Füssen, und von den Zinnen weht ein frohes Grüssen, hinaus ins Tal, weit über Wald und Au.» Die Dichterin musste es wissen: Sie war selber während 39 Jahren in Ruswil Dorfschullehrerin. Die Ruswiler Schulgeschichte reicht weit in die Vergangenheit zurück. Quellentexten zufolge soll Ruswil eines der ältesten Schulhäuser im Kanton gehabt haben – am 18. März 1825 wurde dieses Gebäude allerdings ein Raub der Flammen. Das danach entstandene «Alte Schulhaus» steht nach wie vor, dient aber schon seit Jahrzehnten nicht mehr für Schulzwecke. Schon bald reichte auch der 1825 erstellt Ersatzbau nicht mehr aus. Für die 1830 gegründete Bezirksschule etwa mussten im Pfarrspeicher, einer Zehntenscheune, notdürftig Schulräume geschaffen werden. Dort war auch während dreier Jahre das Seminar für Landlehrer untergebracht.

Umstrittener Standort

Schliesslich wurden Anfang des 20. Jahrhunderts Ruswils Schulraumprobleme grundsätzlich angegangen: Nach heftigen Grundsatzdebatten um den Standort bewilligte die Gemeindeversammlung am 19. Mai 1912 einen Kredit von 240 000 Franken für das Projekt «Luzernbiet» – verfasst von den Luzerner Architekten Möri und Krebs. Sie schreiben über den Bau in der Festschrift zur Einweihung: «Das Äussere des Baus ist in das Dorfbild gestimmt; er bildet in Verbindung mit Kirche und altem Schulhaus eine das ganze Dorfbild dominierende und doch nicht aufdringliche Gruppe.» Und der «General Anzeiger», das damalige Lokalblatt, schwelgte: Es entstehe ein Bau, dem man wegen seiner Ausführung und der Lage «… nach 100 Jahren noch Lob spreche ». In nur eineinhalb Jahren Bauzeit war das eindrucksvolle Gebäude erstellt. Im Neubau war nebst Primar- und Sekundarschule die Gemeindekanzlei bis 1959 untergebracht. 1965 dislozierte die Sek ins neu erbaute Bäremattschulhaus.

Glaskubus ohne Chance

Der exklusive Standort des Ruswiler Dorfschulhauses neben herrschaftlichem Pfarrhof und prächtiger Barockkirche hatte offensichtlich auch eine Kehrseite: Ausgesprochen schwierig gestaltete sich nämlich vor gut 15 Jahren die überfällig gewordene Erweiterung der Primarschulanlage. Sieger eines Projektwettbewerbes waren die Luzerner Architekten Zurkirchen und Marques: Sie sahen als Erweiterungsbau einen zurückversetzten Kubus mit Glasfassade vor. Das spaltete die Gemüter: Werner Wandeler, damals Gemeinderat und Schulverwalter, erinnert sich: «Es gab heftige Diskussionen – in dieser Form hätten wir das Projekt nicht durchgebracht. Es galt, einen Kompromiss zu finden, um die Raumprobleme doch noch lösen zu können.» Schliesslich wurde auf die Glasfassade verzichtet, das Gebäude bekam ein leicht geneigtes Dach, wurde ein Stockwerk weniger hoch, dafür länger. So konnten sich Gegner und Befürworter finden, die Schule blieb buchstäblich im Dorf. Das bestehende Primarschulhaus wurde mit dem Denkmalschutz originalgetreu restauriert. Eine Ausstellung der Geschichtsfreunde Ruswil lässt auf die Entstehungs- und Baugeschichte zurückblicken – aber auch das Leben und die Geschichten, die im Schulhaus wörtlich und übertragen geschrieben wurden, sind thematisiert: In einem Film erzählen Leute aus dem Dorf ihre Schulhausgeschichten. Und wie es sich gehört: Auch das Schulhaus erhält seine Geburtstagstorte.

Weitere Jubiläen

Nicht nur in Ruswil wird das 100-jährige Bestehen eines Schulhauses gefeiert. Auch das Schulhaus Pfrundmatt in Entlebuch und das Schulhaus Burg Büron werden heuer ein Jahrhundert alt. Wo heute gelernt wird, thronte über Büron die Burg. 1540 war sie noch bewohnt, doch 1560 wurde sie zerstört und war nur noch eine Ruine. Der Bau des heutigen Schulhauses begann 1911. Das Pfrundmattschulhaus Entlebuch wurde in den Jahren 1912 bis 1913 erbaut und war das zweite Schulhaus im Dorf. 1996 wurde es innen und aussen renoviert.

Weitere Beiträge zur Serie Früher – Heute

Alle bisher erschienenen Artikel zur Serie lese Sie auf www.luzernerzeitung.ch/serien

Das Dorfschulhaus auf einer Postkarte von 1913 (Bild: PD)

Das Dorfschulhaus auf einer Postkarte von 1913 (Bild: PD)