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SERIE: Geerdet und offen

Eine Anhöhe in Wauwil versinnbildlicht für Roland Vonarburg, was das Luzerner Gewerbe ausmacht: Bodenständigkeit und Offenheit.
Roland Vonarburg, Präsident des Luzerner Gewerbeverbandes und Inhaber der Wauwiler Champignons AG, auf dem Santenberg in Wauwil. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)

Roland Vonarburg, Präsident des Luzerner Gewerbeverbandes und Inhaber der Wauwiler Champignons AG, auf dem Santenberg in Wauwil. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)

RAINER RICKENBACH

Roland Vonarburg (49) ist Präsident der grössten Luzerner Wirtschaftsorganisation. Der kantonale Gewerbeverband zählt mehr als 11 000 Mitglieder und versteht sich als Sprachrohr der kleinen und mittelgrossen Betriebe (KMU). Ei-ner davon gehört Vonarburg selber: die Wauwiler Champignons AG. Sie zählt 170 Mitarbeitende (120 Vollstellen) und produziert in einer Woche gut 55 Tonnen weisse und braune Champignons.

Auf dem Weitblickweg

Auf dem Wauwiler Weitblickweg am Santenberg bietet sich nach dem kurzen, sanften Aufstieg ein prächtiges Panorama. Im Vordergrund schimmert die Wasseroberfläche des kleinen Mauensees, dahinter erstreckt sich der Sempachersee, und das stattliche Panorama bilden die Rigi und weitere Voralpenberge. Von­arburg blickt sich um und braucht nicht lange nach einer Antwort auf die Frage zu suchen, wo denn die Gemeinsamkeiten zwischen der Aussicht und dem heimischen Gewerbe lägen, deren Verband er führt. «Den Weitblick, der sich hier bietet, legen die KMU an den Tag, wenn sie ihre Geschäftstätigkeit an die Rahmenbedingung anpassen, die aktuell der starke Franken vorgibt. Und die ländliche Umgebung steht dafür, wie geerdet und bodenständig die Unternehmen sind», zieht Vonarburg Parallelen. So müsse auch der Verband in der Wahrnehmung der Leute dastehen.

Der Anruf des Grossverteilers

Der Zusammenhang zwischen der Aussicht vom Santenberg und der KMU-Landschaft mag etwas pathetisch daherkommen. Doch Vonarburg schafft es problemlos, ihn in der Wirklichkeit anzusiedeln. Zumal er als Chef von Wauwiler Champignons sich nicht darauf verlassen muss, was andere erzählen. Er kennt die KMU-Realität aus eigener Erfahrung. Kürzlich rief ihn ein Manager eines Grossverteilers an und beschied ihm knapp, bereits ab der nächsten Woche einen Teil der Pilze nicht mehr aus Wauwil, sondern aus Polen zu beziehen. Das komme rund einen Viertel günstiger. «Viele Leute glauben, nur die Exportindustrie und der Detailhandel hätten mit den Folgen der verzerrten Währungssituation zu kämpfen. Das trifft nicht zu: Auch die KMU, die auf dem Binnenmarkt tätig sind, sind stark betroffen», sagt Vonarburg.

Die Teilkündigung des Kunden liess sich nicht abwenden. Doch Vonarburg hatte sich schon zuvor auf die Socken gemacht und andere Abnehmer gefunden. Die Lücke, die der Grossverteiler öffnete, liess sich darum leichter schliessen. Die Marge gerät mit jedem Anruf dieser Art aber stärker unter Druck.

Spontan zum Betriebsleiter

Geerdet ist der gelernte Agronom ohnehin. Das bringen schon die Produkte seines Betriebes mit sich, die in präpariertem Erdsubtrat und unter klimatisierten Bedingungen in den Räumen an der Wauwiler Kreuzmatt gedeihen. Vonarburg ist als ältestes von fünf Geschwistern auf einem Bauernbetrieb in Schötz aufgewachsen. Ihm schwebte stets vor, wenn schon nicht selber den Betrieb weiterzuführen, dann doch in einem andern Bereich der Lebensmittelbranche tätig zu sein. Zum Champignon-Betrieb kam er durch Beharrlichkeit.

Es war in den Neunzigerjahren, als die Rezession die offenen Stellen knapp werden liess und der junge Agronom nach Studienabschluss öfter zu Vorstellungsgesprächen unterwegs war. Wenn er dabei durch Wauwil fuhr, fiel sein Blick stets auf den Champignonbetrieb. Eines Tages handelte er kurz entschlossen. Er verfasste eine Blindbewerbung und schickte sie an die damaligen Besitzer Heinz und Therese Hirsbrunner. Und erhielt zuerst einmal lange keine Antwort. «Doch dann ging plötzlich alles schnell, ich bekam die Stelle als Betriebsleiter. Als sich der Chef später aus gesundheitlichen Gründen aus dem Geschäftsleben zurückzog, erhielt ich die Chance, in einem Management-Buy-out den Betrieb mit damals 35 Mitarbeitenden zu erwerben», erinnert sich Vonarburg.

Die sanfte Luzerner Landschaft

Wir haben den grössten Teil der Wanderung hinter uns gebracht, es folgt der Weg hinunter nach Egolzwil. Es braucht bestimmt keine alpinistische Extremleistung, um den leichten Wanderweg zu bewältigen. Um keinen falschen Verdacht aufkommen zu lassen: Es war nicht Vonarburg, der sich vor einem richtig anstrengenden Marsch drückte. Vielmehr ist der Autor dieser Zeilen ein ziemlicher Wandermuffel. Immerhin: Die Wanderung auf dem Santenberg verdeutlichte selbst ihm, dass die sanften Hügel in der Luzerner Landschaft sehr wohl taugliche Alternativen zu den Wander-Mekkas am Pilatus oder auf der Rigi bieten.

Thematisch sind wir bei den politischen Anliegen des Gewerbeverbandes angelangt. Die Flut an Vorschriften hemmt die Unternehmen in ihrer Entwicklung und bindet mehr Arbeitsstunden sowie Kosten, als es den KMU guttut. «Ein einzelner Betrieb kann dagegen nichts ausrichten. Es ist die Aufgabe des Verbandes, ihnen die politische Stimme zu verleihen», sagt Vonarburg. Er kennt sich aus mit der Politik. Von 2003 bis 2011 sass der verheiratete Vater von zwei Kindern für die CVP im Kantonsrat. Schon damals liess er in seinen Voten keine Zweifel daran offen, dass für ihn im Zweifelsfall keine neue Regelung besser ist als die meisten noch so gut gemeinten neuen Regulierungen.

In seiner Zeit im Kantonsrat herrschte in der Luzerner Politik Aufbruchstimmung. Das Reformprojekt Luzern 99 war ein Erfolg, mit der Ausschüttung des Nationalbank-Goldes baute der Kanton seine Verschuldung ab, und die Steuern sanken auf den schweizerischen Durchschnitt – zuvor war Luzern bei der Einkommenssteuerbelastung nur noch von strukturschwachen Kantonen wie dem Wallis oder Jura getoppt worden. Und heute? Die zermürbende Diskussion um die Kantonsfinanzen dominiert das Geschehen. «Wir haben darum mit Luzern 2020 ein neues, umfassendes Reformprojekt gefordert. Es soll diesmal ein Gemeinschaftswerk der Parteien, der Regierung und der Wirtschaft werden», sagt Vonarburg.

Die politische Nagelprobe folgt für den Verband indes bereits nach den Sommerferien, denn am 25. September stimmen die Luzerner über die SP-Steuerinitiative ab, mit der die Unternehmenssteuern angehoben werden sollen. Der Verband hat den Lead im bürgerlichen Komitee der Initiativgegner. Vonarburg: «Die Margen stehen wegen des starken Frankens unter Druck. Darum ist es erst recht wichtig, dass möglichst viel von den erwirtschafteten Mitteln in den Betrieben bleibt, um Arbeitsplätze zu erhalten und neue zu schaffen. Für diesen Zweck ist das Geld besser angelegt als in Steuern.»

Bild: Grafik Lea Siegwart / Neue LZ

Bild: Grafik Lea Siegwart / Neue LZ

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