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SERIE: «Mir fehlte der Puls einer Tageszeitung»

Roman Schenkel (37), Leiter überregionale Ressorts
Roman Schenkel (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Roman Schenkel (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Roman Schenkel ist seit etwas mehr als einem Monat stellvertretender Chefredaktor der «Neuen Luzerner Zeitung». Der 37-jährige gebürtige Luzerner ist zweifacher Familienvater. Er studierte Politikwissenschaft in Bern. Seine journalistische Laufbahn begann im Aargau und führte über das Bundeshaus schliesslich zu unserer Zeitung. Nach einem kurzen Abstecher in die Kommunikation kehrte er an die Maihof­strasse zurück, wo er faktisch zu Hause ist – er hat im Maihofschulhaus die Schulbank gedrückt.

Roman Schenkel, als gebürtiger Luzer­ner, der in Bern studierte, liegt es nicht unbedingt auf der Hand, im Aargau die journalistischen Sporen abzuverdienen. Wie kam es dazu?

Roman Schenkel: Das war reiner Zufall. Ich arbeitete damals bei der Schweizerischen Post in Bern und wollte in den Journalismus wechseln. Da habe ich meine Stelle gekündigt und mich an der Schweizer Journalistenschule MAZ in Luzern angemeldet. Dafür musste ich aber eine Stelle bei einer Zeitung haben, weil die Ausbildung berufsbegleitend ist. Glücklicherweise machte bei der «Aargauer Zeitung» ein Stagiaire einen Rückzieher, sodass ich einspringen konnte.

Der Aargau wird von Luzernern nur als Durchgangs- und Autobahnkanton angesehen.

Schenkel: Jaja, meine Freunde machten schon die üblichen Sprüche, ich müsse mir nun ein paar weisse Socken und ein Auto zulegen. Ehrlich gesagt, war bei mir der Kanton Aargau ein blinder Fleck. Nur das Konzertlokal Kiff in Aarau, das Schloss Lenzburg oder der Hallwilersee kannte ich gut. Das hat sich dann schnell geändert. Alle, die glauben, der Aargau biete nur Autobahnen, der verpasst etwas. Ein Auto musste ich aber tatsächlich kaufen, damit ich mobil war für den Job. Das war eine Bedingung.

Hatten Ihre Arbeitskollegen auch gewisse Vorstellungen vom Luzerner?

Schenkel: Für sie waren Luzerner vor allem Fasnächtler. Sie fanden es deshalb schon sehr speziell, dass ich nie während der Fasnacht Ferien machte.

Im Ernst, Fasnacht ist nicht Ihr Ding?

Schenkel: Nicht mehr. Irgendwann in der Kantonsschule liess die Lust nach. Ich hoffe, ich setze mich mit dieser Aussage nicht in die Nesseln, unser Chefredaktor ist ja ein begeisterter Fasnächtler. Vielleicht sollte ich deshalb noch anfügen, dass ich natürlich mit den Kindern jeweils in die Stadt an die Umzüge gehe. Sie lieben es, sich zu verkleiden.

Dann schnell wieder zum Thema Arbeit. Sie lernten das Handwerk des Lokaljournalismus von Grund auf in einer Region, in der Sie nicht verankert waren. Hat Ihnen das eher geholfen, oder war es ein Nachteil, dass Sie als Aussenstehender regionale Geschichten ausgraben mussten?

Schenkel: Es war schwieriger, als Fremder Geschichten auszugraben. Wenn ich dachte, eine spannende Entdeckung gemacht zu haben, hiess es manchmal, dass man diese Geschichte schon kenne oder jedes Jahr darüber schreibe.

Dafür waren Sie nicht vorbelastet oder befangen.

Schenkel: Politisch konnte ich tatsächlich unbefangener an die Dinge herangehen. Wenn ich mich mit bestimmten Gepflogenheiten nicht auskannte, musste ich mich dafür umso intensiver einlesen und vorbereiten. Aber das gehört ja ohnehin zu unserem Handwerk.

Haben die Aargauer ähnliche Interessen wie die Luzerner?

Schenkel: Das ist von Region zu Region unterschiedlich. Die Fricktaler orientieren sich eher an Basel, die Badener blicken Richtung Zürich, die Mittelländer sind auf Aarau fixiert, und das Freiamt richtet sich eher nach Zug und Luzern. Man kann gut den Vergleich mit der Zentralschweiz anstellen. So gesehen ist der Ansatz der «Aargauer Zeitung» gar nicht so anders als derjenige der «Neuen Luzerner Zeitung» mit ihren Regionalausgaben.

Sie haben vor Ihrem Einstieg in den Journalismus bei der Post im Marketing gearbeitet. Das ist eine völlig andere Geschichte. Was machten Sie dort?

Schenkel: Das war meine erste Stelle nach der Uni. Ich habe verschiedene Marktforschungsstudien betreut, zum Beispiel die Kundenzufriedenheitsstudie. Dabei wurde mit riesigen Umfragen gemessen, wie zufrieden die Kunden mit den Dienstleistungen der Post sind. Die Ergebnisse musste ich interpretieren und dann Möglichkeiten aufzeigen, wie man die Kunden noch mehr zufrieden stellen kann. Die Zufriedenheit war damals stets sehr hoch. Das ist ja derzeit nicht mehr so der Fall, wie die Debatte über die Pro-Service-public-Initiative gezeigt hat.

Haben Sie davon etwas in die Tageszeitung mitnehmen können? Stichwort Zufriedenheit der Kunden?

Schenkel: Bei der Zustellung der Zeitung müssen wir selbstverständlich eine möglichst hohe Zufriedenheit haben. Wer die Zeitung nicht oder nicht zur gewohnten Zeit im Briefkasten vorfindet, der ärgert sich – verständlicherweise. Aber das können wir von der Redaktion nicht gross beeinflussen. Wir müssen einfach gut darauf achten, dass Reklamationen schnell beim Abodienst landen, sodass die Zeitung wieder regulär im Briefkasten landet. Was Kritik am Inhalt anbelangt, ist es etwas komplizierter. Man muss sie ernst nehmen, auf jeden Fall. Aber hier kann man es nicht allen recht machen. Wir machen ja eine unabhängige Zeitung.

Nehmen Sie sich also immer die Zeit, wenn Leser mit einem Anliegen bei Ihnen anrufen?

Schenkel: Natürlich. Oft reicht ein freundliches E-Mail oder ein kurzes Telefonat. Das mache aber nicht nur ich so, sondern das ist die Aufgabe von allen hier im Haus.

Von der «Aargauer Zeitung» haben Sie in unser Wirtschaftsressort gewechselt, haben dann einen kurzen Abstecher in die Kommunikationsbranche gemacht und sind nun wiederim Maihof. Warum haben Sie als Luzerner nie für unseren Regionalteil geschrieben?

Schenkel: Das ist wohl der Tolggen im Reinheft, nicht wahr? Nun, ich interessiere mich einfach stark für die, wie wir sie nennen, «überregionalen» Themen. Wobei wir im Wirtschaftsteil sehr wohl auch Lokaljournalismus machen. Wir schreiben ja zu einem grossen Teil über Firmen aus unserem Einzugsgebiet.

Sie wurden, kaum wieder hier angekommen, in die Chefredaktion gewählt. Das Unvorhergesehene zieht sich fast wie ein roter Faden durch Ihr Leben.Sie wurden seinerzeit ja vom damaligen Chefredaktor Thomas Bornhauser ins Haus geholt. Sind Sie generell ein Glückskind?

Schenkel: (lacht) Glückskind? Ich weiss nicht. Ein Pechvogel bin ich aber bestimmt nicht. Dass ich nach Luzern wechselte, lag wohl auch stark daran, dass die «Aargauer Zeitung» und die «Neue Luzerner Zeitung» damals noch Wirtschaftsartikel ausgetauscht haben. So war ich hier in Luzern nicht ganz unbekannt. Und für mich als Luzerner war es logischerweise interessant. Nachdem ich jahrelang nach Bern, Aarau, Wohlen und Baden gependelt bin, konnte ich nicht Nein sagen.

Apropos Kind. Beim Start in den Journalismus waren Sie frischgebackener Vater. Hat es Mut gebraucht, die sichere Stelle bei der Post aufzugeben und als Stagiaire bei einer Zeitung anzufangen?

Schenkel: Das habe ich mir damals nicht so genau überlegt. Ich wollte schreiben und wusste, je länger ich warte, desto schwieriger wird es, im Journalismus Fuss zu fassen. Also habe ich es riskiert. Natürlich hatte ich auch viel Unterstützung: Meine Frau arbeitet als Lehrerin. Mit meinem Stagiare-Lohn wären wir nicht weit gekommen.

Sie haben schon einige journalistische Stationen durchgemacht. Auch im Bundeshaus waren Sie. Eine interessante Arbeit für einen Politikwissenschaftler. Warum sind Sie nicht in Bern geblieben?

Schenkel: Nun, das war nicht ganz freiwillig. Diese Stelle bei der «Aargauer Zeitung» war befristet. Ich wäre gerne in Bern geblieben. Zum Glück ging dann eine andere Türe auf: Ich konnte eine Mutterschaftsstellvertretung im Wirtschaftsressort übernehmen. So bin ich zum Wirtschaftsjournalismus gekommen. Aber ja, ich könnte mir schon vorstellen, wieder mal in Bern zu arbeiten.Das hat mir schon sehr gut gefallen.

Dann haben Sie einen kurzen Abstecher in die PR-Branche gemacht. Was fehlte Ihnen dort?

Schenkel: Ich habe den Tempowechsel nicht gut vertragen. Die Geschwindigkeit in einem Kommunikationsbüro ist eine ganz andere als bei einer Tageszeitung. Es dauert länger, bis ein fertiges Produkt vorliegt. Alles wird x-mal umgewälzt. Damit konnte ich nie so richtig umgehen. Mir fehlten der Puls und der Druck, den wir bei einer Tageszeitung haben.

Heute als stellvertretender Chefredaktor sind Sie zwar am Puls, aber dafür weniger als Autor tätig. Ein Journalist will doch schreiben und seine Texte in der Zeitung sehen?

Schenkel: Ich habe schon weniger Zeit, in die Tasten zu hauen, aber ich habe mir vorgenommen, mir immer wieder Inseln zu schaffen, sodass ich zum Schreiben komme. Ich finde es wichtig, dass die Leitung einer Zeitung schreibt und für die Leserschaft im Blatt präsent ist.

Interview Roger Rüegger

Autoren: Alle Beiträge der Serie «Menschen hinter den News» finden Sie auf www.luzernerzeitung.ch/autoren

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