Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

SERIE: Sie bringt die Bilder in die Zeitung

Sara Schuppan-Wüest ist seit 1988 bei unserer Zeitung. Als Fotofachangestellte hat sie das ganze Spektrum des Fotografie-Handwerks von Grund auf gelernt und eingesetzt. Die 47-Jährige ist im Sport, in der Politik und im Beruf aktiv. Sie war Schweizer Meisterin im Sprint und ist bis Anfang September noch Gemeinderätin. Die Mutter und Ehefrau aus Nebikon berichtet von grossen Ereignissen im Sport, die sie aktiv privat und beruflich hinter der Kamera erlebte.
Bildredaktorin Sara Schuppan (Bild: Manuela Jans-Koch / Neue LZ)

Bildredaktorin Sara Schuppan (Bild: Manuela Jans-Koch / Neue LZ)

Sara Schuppan, Bildredaktorin Alter: 47 Jahre

Sara Schuppan, Sie bezeichnen sich als Dinosaurier unserer Zeitung, da Sie seit 28 Jahren beim Fototeam arbeiten. Verbrachten Sie demnach früher viel Zeit in der Dunkelkammer?

Sara Schuppan: Ja, wir waren daher oft Einzelkämpfer. Jeder Fotograf entwickelte seine Filme und vergrösserte auch die Schwarz-Weiss-Fotos im Chemiebad selber. Das dauerte immer eine Weile. Am Schluss hatten wir vielleicht zwei gute Fotos, die man den Redaktoren für ihren Artikel präsentieren konnte.

Heute undenkbar. Der Beruf hat sich im wahrsten Sinn des Wortes weiterentwickelt. Heute mit der digitalen Fotografie kann man aus zahllosen Bildern aussuchen, sodass die Wahl oft schwerfällt, was oft zu Diskussionen zwischen Redaktion und Bildredaktion führt. War Ihr Arbeitsalltag früher mit einer Hand voll Bildern in dieser Beziehung einfacher?

Schuppan: Einfacher nicht, nur anders. Heute arbeiten im Fototeam Bildredaktoren und Fotografen. Die erste Selektion macht der Fotograf, indem er seine Bilder auswählt und in einem Ordner im Bildarchiv speichert. Die definitive Auswahl und die Diskussionen mit den Redaktoren führen aber wir Bildredaktoren.

Wir Journalisten kämpfen stets darum, möglichst viel Platz für unsere Texte zu bekommen. Und Sie als Bildredaktorin und Fotografin wollen das Beste aus dem Bild herausholen. Bestimmen Sie den Bildanteil?

Schuppan: Idealerweise bestimmt man das miteinander. Man sollte den Mittelweg anstreben. Es gibt Bilder, die man gut schneiden kann, aber bei vielen ist dies nicht möglich, ohne dass sie ihre Aussage verlieren. Meine Aufgabe als Bildredaktorin ist es, den Journalisten zu überzeugen. Das macht meinen Beruf spannend.

Anders als früher sind Sie nicht mehr unterwegs. Sie sitzen nun am Bildschirm und nehmen an Sitzungen teil. Damals übten Sie ein anderes Handwerk aus und hatten Kontakt zu den Personen, die auf den Bildern in der Zeitung zu sehen waren. Haben Sie nicht den Drang, nach draussen zu gehen?

Schuppan: Ich arbeite ja nicht mehr so viel bei der Zeitung. Neben meinem Amt als Gemeinderätin bin ich in einem 20-Prozent-Pensum angestellt, arbeite also nur einen Tag pro Woche in der Bildredaktion. Hätte ich eine Vollzeitanstellung, würde mir die Abwechslung vom Innendienst und von der Arbeit als Fotografin jedoch fehlen. Die Arbeit auf der Redaktion ist sehr befriedigend, da man am anderen Tag die Zeitung in Händen hält und sieht, was man hergestellt hat.

Oder man ärgert sich. Wir über Schreibfehler. Sie auch über die Bildauswahl?

Schuppan: Das kommt vor. Natürlich habe ich mich beim Durchsehen der Zeitung anderntags auch schon über ein Bild geärgert, das ich nicht hätte auswählen sollen.

Wie können Sie Ihre Aufgaben als Gemeinderätin und gleichzeitig als Mitarbeiterin einer Zeitung unter einen Hut bringen? Das ist eigentlich keine ideale Kombination?

Schuppan: Als mich meine Parteikollegen als Gemeinderätin vorschlugen, wollte ich mich zuerst nicht zur Wahl stel- len. Der Chefredaktor gab jedoch grünes Licht, weil bei meiner Funktion als Bildredaktorin keine Interessenkonflikte absehbar waren.

Profitieren Sie vom Kampf und von der Kompromissbereitschaft in der Redaktion auch als Politikerin?

Schuppan: In gewisser Weise hat es Paral­lelen. Den Kompromiss zu finden, zuerst etwas in Ruhe anzuschauen und eine gemeinsame Lösung anzustreben: Das ist zwar etwas weit hergeholt, aber es geht in diese Richtung.

Hier muss ich eine nicht ganz ernste Schelte einer Kollegin anbringen. Sie sagt, dass man von Ihnen nie Geschichten aus Nebikon gesteckt bekomme. Dabei sind Sie an der Quelle.

Schuppan: Meine Position will ich nicht missbrauchen, also bin ich bewusst zurückhaltend. Die beiden Arbeiten darf man nicht vermischen. Es ist ja kein Geheimnis, dass ich bei der Zeitung arbeite. Da käme man mir schnell auf die Schliche. Zudem unterstehen die Besprechungen im Gemeinderat der Schweigepflicht.

Sie wissen sehr gut, wie kritisch Politiker von Medien unter die Lupe genommen werden. Wie erleben Sie dies als Politikerin?

Schuppan: Bei all den Themen, mit denen ich zu tun hatte, waren die Medien immer fair und korrekt. Ich sammelte nur positive Erfahrungen.

Als Sprinterin haben Sie mehrfach an Europa- und Weltmeisterschaften teilgenommen und sind 14-fache Schweizer Meisterin über 60, 100 und 200 Meter. Die Qualifikation zu den Olympischen Spielen verpassten Sie knapp. Wie gingen die Medien damals mit der schnellsten Frau der Schweiz um?

Schuppan: Auch als Sportlerin habe ich keine negativen Berichterstattungen erlebt. Die Olympia-Quali habe ich damals um 2 Hundertstelsekunden verpasst. Als das Zeitfenster der Qualifikation abgelaufen war, habe ich im ersten Rennen das Limit geschafft. So ist der Sport.

Wenn die Fussballer an der EM Stuss spielen, werden Köpfe gefordert. Haben Sie dies nicht so erlebt, hat sich die Medienwelt verändert?

Schuppan: Welcher Kopf hätte bei einem Misserfolg von mir denn rollen sollen? Es stand nur meiner zur Debatte. Man muss sehen, dass es heute im Sport, im Fussball speziell, stets um viel Geld geht. Da sind die Erwartungen logischerweise hoch.

Nun, an eine mehrfache Schweizer Meisterin kann man schon gewisse Erwartungen stellen, oder nicht?

Schuppan: Was für Erwartungen? Ich war Einzelsportlerin in einer Sportart, die nicht gross in den Medien war. Die Erwartungen und die Ziele habe ich mir zusammen mit meinem Trainer Sepp Vogel selber gestellt. Mit den Erfolgen kam auch die Aufmerksamkeit der Medien. Ich erinnere mich an meinen ersten Schweizer-Meister-Titel von 1989 über 100 Meter in Langenthal. Damals war ich beim «Luzerner Tagblatt», wo ich arbeitete, auf der Frontseite. Ich weiss nicht, ob es heute die Schweizer Meisterin im 100-Meter-Lauf auf die erste Seite schafft.

Wenn Sie die Bildauswahl haben, vielleicht schon. Wie hat sich eigentlich der Bildanteil in der Zeitung verändert?

Schuppan: In dieser Hinsicht erleben wir andauernd neue Trends. Es sind stetige Wellenbewegungen. Zu einer Zeit hat man Wert auf wenige und dafür grosse Bilder gelegt, dann waren es eher kleinere mit halbspaltigen Köpfen in der Nachrichtenzeile. Das ändert sich immer wieder.

Welche Momente waren für Sie als Fotografin die eindrücklichsten?

Schuppan: Das war 1989, als der FC Luzern auf der Allmend Schweizer Meister wurde. Wir waren mit drei Fotografen aus unserer Redaktion vor Ort. Bilder einer FCL-Meisterfeier gibt es nicht sehr oft. Die Stimmung im Stadion war super!

Die Luzerner wurden exakt eine Woche nach Ihnen Schweizer Meister. Da waren Sie wohl in bester Festlaune.

Schuppan: Vielleicht hat sich meine Siegerstimmung ja auf die FCL-Spieler übertragen? So hätte ich einen kleinen Beitrag zum einzigen FCL-Meistertitel geleistet.

Eine Frage, die unseren Fotografen auch heute im Digitalfotozeitalter noch gestellt wird, muss ich Ihnen jetzt auch noch stellen: Haben Sie als Fotografin je vergessen, einen Film in den Apparat einzulegen?

Schuppan: Nein. Das werden die Fotografen zwar häufig gefragt, aber so etwas kam bei Berufsfotografen nicht oft vor.

Interview Roger Rüegger

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.