SERIE: Wo früher Bösewichte am Pranger standen

Das Rathaus Sursee wurde in den 70er-Jahren originalgetreu restauriert. Auch zwei bei einem Brand zerstörte Vordächer wurden wiederhergestellt.

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Das Surseer Rathaus wurde in den 70er-Jahren aufwendig restauriert. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Das Surseer Rathaus wurde in den 70er-Jahren aufwendig restauriert. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Das Surseer Rathaus wurde in den 70er-Jahren aufwendig restauriert. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Das Surseer Rathaus wurde in den 70er-Jahren aufwendig restauriert. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Es gibt viele Gebäude in Sursee, die auffallen. Das markanteste ist und bleibt aber das spätgotische Rathaus, der grosse Stolz der Surseer. Viele Rathäuser, auch jenes von Sursee, dienten nicht nur zum Abhalten von Ratsversammlungen, sondern es wurde Gericht gehalten, man wog, lagerte und verkaufte Waren und sperrte Verbrecher ein. Sursee kam im Spätmittelalter eine wichtige Funktion als Etappen- und Marktort an der alten Gotthardroute zu.

Erbaut wurde das Surseer Markt- und Rathaus in den Jahren 1539 bis 1546, zu einem Zeitpunkt, als das Städtchen 800 Einwohner zählte. Am 5. August 1542 wurde Aufrichte gefeiert, dann ging es an die Feinarbeiten, bis 1546 die Bauarbeiten abgeschlossen waren. Im 18. Jahrhundert erlebte das Luzerner Textilgewerbe einen beachtlichen Aufschwung. Im Rathaus erinnert die Tuchlaube noch heute an ihre ursprüngliche Funktion als Markthalle für den textilen Handel. 1837 erfuhr das Rathaus eine Zweckentfremdung und wurde für das Militär geräumt. Die Tuchlaube diente als Spital und die Ankenwaage als Wachlokal. Etwas Besonderes ist auch der Pranger, an den bis ins 18. Jahrhundert Bösewichte gestellt und dem Spott der Mitbürger preisgegeben wurden. Dieser Pranger ist übrigens der einzige Pranger in der Schweiz, der noch erhalten ist. «Das Rathaus ist einer der bedeutendsten spätgotischen Profanbauten in der Schweiz», sagt Emil W. Scherer, ehemaliger Stadtschreiber und Mitautor des Kapitels «Das Rat- und Markthaus von Sursee» in der «Chronik der Stadt Sursee», der auch Stadt- und Rathausführungen begleitet. Im Verlaufe der Jahrhunderte nagte der Zahn der Zeit am Rathaus, nicht zuletzt auch wegen des Verkehrs, der sich damals durch das Städtchen schlängelte. Bis Ende 1969 führte der gesamte Verkehr auf der Gotthardroute durch die Surseer Altstadt. Die Schäden sind auf dem Bild, das Ende 1940, Anfang 1950 aufgenommen wurde, gut zu sehen. Damals tätigte zudem die Luzerner Kantonalbank ihre Geschäfte noch im Rathaus. Sie blieb bis 1957 im Gebäude. Die Anschrift an der alten Fassade zwischen Erdgeschoss und erstem Stock ist schwach zu erkennen.

Kostspielige Restauration

Mit grossem Aufwand erfolgte in den Jahren 1971 bis 1975 die Totalrestaurierung des Rathauses. Der gesamte Bau musste stabilisiert werden. Das Innere erfuhr zum Teil eine den modernen Bedürfnissen entsprechende behutsame Anpassung. Kostenpunkt: um die 8 Millionen Franken. Und auch äusserlich wurde einiges verändert. So wurden zwei Vordächer wiederhergestellt, die während eines Stadtbrandes im 17. Jahrhundert zerstört worden waren, wie Scherer weiss. Auf dem historischen Bild sind bloss die Löcher zu sehen, in denen die Balken des oberen Vorgängerdaches staken. Verschwunden ist hingegen die Statue unterhalb der Sonnenuhr. Sie war zu stark beschädigt, als dass sie noch hätte restauriert werden können. Um die Arbeiten zu unterstützen, fand 1973 das erste Altstadtfest statt. Auch die Umgebung des Rathauses veränderte sich in den rund 60 Jahren, die zwischen den beiden Aufnahmen liegen. In den Jahren 1996/97 wurden die Strassen der Altstadt neu gestaltet und gepflastert. Eine Aussenrestaurierung des Rathauses wurde dann erneut 2004–2005 getätigt. Stadtrat tagt noch immer hier Heute zählt Sursee knapp 9100 Einwohner, Politik wird immer noch im Rathaus mit den Gemeindeversammlungen (Tuchlaube) gemacht. Auch der Stadtrat tagt noch dort. Es finden aber auch kleinere Konzerte, Ausstellungen und Tagungen statt, der historische Bürgersaal, früher die grosse Ratsstube, eignet sich für Vorträge oder Kammerkonzerte, und die Sust erfreut sich grosser Beliebtheit für kleinere Anlässe. Zudem verfügt das Rathaus über ein Trauzimmer und beherbergt das Stadtarchiv und einen Kulturgüterschutzraum.

Quelle: «Chronik der Stadt Sursee».

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Auf dem historischen Bild fehlen etwa die beiden Vordächer. (Bild: Hans Marti)

Auf dem historischen Bild fehlen etwa die beiden Vordächer. (Bild: Hans Marti)