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SERVICE PUBLIC: Auf Nimmerwiederhören: Im neuen Jahr verschwinden öffentliche Telefone

Mit dem Jahr 2017 endet auch die Pflicht für die Swisscom, öffentliche Telefone zu betreiben. Welches Gerät wird zuerst verschwinden? Und wer bedauert das? Wir haben dazu ein paar Anrufe getätigt.
Urs-Ueli Schorno
Dieser Apparat in Egolzwil wird kantonsweit am seltensten benutzt. (Bild: Corinne Glanzmann (18. Dezember 2017))

Dieser Apparat in Egolzwil wird kantonsweit am seltensten benutzt. (Bild: Corinne Glanzmann (18. Dezember 2017))

Urs-Ueli Schorno

ursueli.schorno@luzernerzeitung.ch

Passanten schreiten mal hastig, mal gemütlich über den Dorfplatz von Egolzwil. Einige bleiben stehen, drücken, wischen oder telefonieren auf ihren Smart­phones. Stunden, manchmal Tage vergehen, ohne dass auch nur jemand den roten Hörer eines Blickes würdigte. Er gehört zu einem öffentlichen Telefonapparat, Modell Stella Kombi Light, laut Beschreibung auf der Swisscom-Webseite vandalensicher, robust, mit Münz und Kreditkarte bedienbar. Obwohl das Publifon – wie es im Jargon heisst – an bester Lage beim Gemeindehaus steht, wird es kaum wahrgenommen. Geschweige denn: benutzt. Das besagte Gerät ist laut Angaben der Swisscom das am seltensten benutzte öffentliche Telefon im ganzen Kanton Luzern.

Man braucht keinen Statistiker, um zu bemerken, dass öffentliche Telefone ein Relikt aus der Ära des Schnurtelefons sind. Oder: Wann haben Sie zum letzten Mal eine Telefonkabine benutzt? Eben. Waren es um 1995 bis zu 58 000 Geräte in der Schweiz, betreibt die Swisscom heute noch deren 3000. Davon stehen 95 im Kanton Luzern. Alleine die Stadt beherbergt deren 32. Sprich: Nicht einmal in jeder der 83 Luzerner Gemeinden ist noch ein öffentliches Telefon zu finden – obwohl es der Grundversorgungsauftrag einst forderte. Allein zwischen 2004 und 2016 sei die Anzahl Gespräche um 95 Prozent zurückgegangen, rechnet die Swisscom vor, welche den Auftrag für das Publifon von den PTT erbte. Der Grund für sein Verschwinden liegt auf der Hand: das Mobiltelefon. Auf 100 Luzerner kommen heute 130 Handyverträge, aber weniger als 0,1 Publifone. Ab dem neuen Jahr ist die Swisscom denn auch von ihrem Auftrag entbunden, mindestens 4100 Publifone in der Schweiz zu betreiben. Fast alles spricht also dafür, dass im Jahr 2018 das Ende der seit 1882 angebotenen Dienstleistung definitiv besiegelt wird.

Aufschrei bleibt aus

Wie geht man in Egolzwil mit dem drohenden Verlust um? Schliesslich sind laut Angaben der Swisscom solch wenig rentable Geräte die ersten, die ab nächstem Jahr verschwinden werden. Gemeindepräsident Urs Hodel (CVP) bedauert zwar den Wegfall eines «Stücks Geschichte und auch Sicherheit» (siehe «Nachgefragt») – Protest gegen eine allfällige Aufhebung der Sprechstelle meldet er aber nicht an.

Der grosse Aufschrei scheint also auszubleiben, nicht nur in Egolzwil: Anders etwa als bei der Schliessung von Poststellen kämpfen kaum Gemeinden für den Erhalt «ihrer» Telefonkabinen. Politische Vorstösse zum Thema: keine. Auch bei der Swisscom sind keine Vorgänge bekannt, bei denen um den Erhalt des Publifons gekämpft würde.

Bleibt noch die Frage, welches dereinst das letzte seiner Art sein könnte: Der meistgenutzte Apparat im Kanton steht, wenig überraschend, in der Stadt Luzern. Hinter Gittern gut gesichert in der Bahnhofunterführung. Es ist dies einer der wenigen Apparate, die sich noch über täglichen Besuch freuen dürfen und rentieren. Wie viele Anrufe über ihn getätigt werden, darüber gibt die Swisscom keine Auskunft. Aber man teilt mit: Das letzte Publifon der Schweiz werde wohl an einem vielfrequentierten Bahnhof oder Flughafen stehen, so Pierre-Antoine Favez, Leiter Publifon. Der Manager muss übrigens nicht um seinen Job fürchten: Er beschäftigt sich nun noch intensiver mit dem Aufbau öffentlicher WLAN-Spots.

Einen letzten Rückzugsort für öffentliche Telefone gibt es allerdings noch. Für geschlossene Einrichtungen, etwa in Gefängnissen, wird Swisscom eine Branchenlösung anbieten. Sicher ist deshalb: Das letzte öffentliche Telefon im Kanton Luzern wird eines hinter Gittern sein.

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