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SERVICE PUBLIC: Rickenbach kämpft um seine Post

Dass in Rickenbach die Poststelle verschwinden soll, wollen der Gemeinderat und eine Interessengemeinschaft nicht akzeptieren. Sie machen mobil – und hoffen dabei auf Support aus Bundesbern.
Ernesto Piazza
Die Post in Rickenbach. (Bild: Roger Grütter (Rickenbach, 12. Mai 2016))

Die Post in Rickenbach. (Bild: Roger Grütter (Rickenbach, 12. Mai 2016))

Ernesto Piazza

ernesto.piazza@luzernerzeitung.ch

Die Poststelle Rickenbach soll geschlossen und in eine Agentur umgewandelt werden. Gegen dieses drohende Verdikt setzt sich die 3300-Seelen-Gemeinde aber vehement zur Wehr. Rund 2400 Unterschriften wurden bereits mittels Petition gesammelt und beim gelben Riesen deponiert (Ausgabe vom 13. Mai 2016). Dabei federführend war die für den Weiterbestand der postalen Grundversorgung im Dorf gegründete Interessengemeinschaft «Erhalt Poststelle Rickenbach 6221 Rickenbach LU».

Unlängst deponierte sie auch einen Brief beim Gemeinderat und appellierte an ihn, sich hier «klar zu positionieren». Mit einem weiteren Schreiben gelangte die IG diese Woche an die Behörden der Luzerner Gemeinden sowie an die hiesigen Kantons- und Bundesparlamentarier.

Grosses Unverständnis über die Pläne der Post

Christian Merz, IG-Präsident und Leiter der Kommission Ortsmarketing, sagt: «Uns liegt ein attraktives Dorf- und Gewerbeleben am Herzen. Deshalb kämpfen wir aus Überzeugung für diese Poststelle.» Für die IG genügt eine Agenturlösung aus diversen Gründen nicht. Merz erklärt: «Über 100 Gewerbebetriebe sind auf eine umfassende und unkomplizierte Abwicklung ihrer Postgeschäfte angewiesen. Wir fragen uns, warum eine gut funktionierende, kompetent geführte Poststelle in einem aufstrebenden Dorf aufgelöst beziehungsweise ohne Vorteile für den Kunden verändert werden soll.»

Zudem habe man bei der Überbauung Post, die von der Genossenschaft für sozialen Wohnungsbau Rickenbach finanziert wurde, in der Bevölkerung mehrere hunderttausend Franken beschaffen müssen, so die IG. Das sei nur möglich gewesen, «weil der Bau der neuen Post ein zentrales Thema, ein grosses Anliegen war. Eine Umnutzung wäre mit einem weiteren grossen finanziellen Aufwand verbunden.» In Rickenbach sind viele Wohnungen in der Projektierungs- oder Realisierungsphase. Daher sei die Gemeinde auf eine funktionierende Infrastruktur, wie sie heute vorliege, angewiesen, so die IG. «Dazu gehört auch eine Post», betont Merz.

Bei der angestrebten Schliessung operiert der gelbe Riese mit wirtschaftlichen Argumenten. Die IG vermutet jedoch, dass es sich um eine gesamtschweizerische Sanierungsmassnahme handle – ohne die konkreten Bedürfnisse und das finanzielle Ergebnis der jeweiligen Poststellen zu berücksichtigen. «Denn die Post prüfte nicht einmal das Angebot der Vermieterin, den Mietzins zu reduzieren», erklärt Merz. Zudem habe sich die Post bis heute geweigert, Umsatzzahlen und Renditevergleiche mit anderen Poststellen klar und deutlich aufzuzeigen. Dazu sagt Markus Werner, Kommunikation Ost bei der Post CH AG: «Bei Kennzahlen zur Wirtschaftlichkeit von einzelnen Standorten handelt es sich bei der Post – wie bei andern Unternehmen auch – um interne, vertrauliche Angaben.» Aus Sicht der Post steht weiterhin ein neues Angebot mit einer Agentur im Vordergrund. «Derzeit führen wir Gespräche mit potenziellen Partnern in Rickenbach», so Werner. Die Post rechnet damit, «dass wir in Kürze unseren Entscheid zum künftigen Postangebot für Rickenbach kommunizieren können». Merz entgegnet: «Bei einer Agenturlösung könnten Gewerbebetriebe, Vereine oder Postfachkunden ihren Dienstleistungsbedarf gar nicht abdecken.»

Der Gemeinderat seinerseits ist mit einem Antrag auf Unterstützung der Luzerner Gemeinden im Schliessungsprozess an den Verband der Luzerner Gemeinden (VLG) gelangt. «Wir erwarten von ihm ein starkes Signal», sagt Thomas Zettel, der Verantwortliche für das Ressort Bau und Infrastruktur. «Der VLG behandelt das Schreiben, gestützt auf die Beurteilung und eine Stellungnahme durch den zuständigen Bereichsleiter, heute Freitag», teilte Präsident Rolf Born mit. Dann werde das weitere Vorgehen entschieden.

Den geplanten Poststellen-Kahlschlag nimmt auch der Personalverband Transfair zum Thema. Er lädt alle Gemeindepräsidenten und Poststellenleiter unter dem Motto «Rette deine Poststelle!» am 29. September in Olten zu einer nationalen Konferenz ein. Weiter schaltet sich beim Disput um die Poststellenschliessungen nun ebenfalls der Bund ein. Das Eidgenössische Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Uvek) setze zu diesem Thema eine Arbeitsgruppe ein, heisst es in einer Meldung. Dem Gremium sollen unter anderem Vertreter des Städte- und Gemeindeverbandes, des Gewerbes und der Berggebiete angehören. IG-Präsident Merz dazu: «Dass die Resonanz mittlerweile so gross ist, lässt uns weiter hoffen.»

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