Sexarbeiterin bringt Geschäftsführer der Surseer Rössli Nightbar in Bedrängnis

Dem Besitzer der Rössli Nightbar in Sursee wird vorgeworfen, er habe eine Ausländerin ohne Bewilligung beschäftigt. Beim Prozess am Luzerner Kantonsgericht bestreitet er die Anschuldigungen vehement.

Evelyne Fischer
Drucken
Teilen
Ist seit 1972 aus der Surseer Altstadt nicht mehr wegzudenken: die Rössli Nightbar.

Ist seit 1972 aus der Surseer Altstadt nicht mehr wegzudenken: die Rössli Nightbar.

Bild: Boris Bürgisser (12. April 2018)

Was genau hat sich im Januar 2017 im Hotelzimmer 103 abgespielt? Dies soll ein Strafverfahren gegen den Besitzer und Geschäftsführer der Rössli Nightbar in Sursee klären. Dem Beschuldigten wird vorgeworfen, eine albanische Sexarbeiterin – wir nennen sie hier Angelina – damals ohne Bewilligung beschäftigt zu haben.

Das Bezirksgericht Willisau hatte den 54-Jährigen zu einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen à 160 Franken verurteilt, bedingt vollziehbar bei einer Probezeit von drei Jahren. Dagegen hatte der Beschuldigte Berufung erhoben und erschien deshalb am Dienstag vor den Kantonsrichtern. Die Staatsanwaltschaft war nicht vertreten, das Urteil steht noch aus.

«Das ‹Rössli› ist kein Puff, sondern eine normale Bar»

Im Zentrum des Prozesses stand die Frage: Wusste der «Rössli»-Chef, dass seine Hotelgäste – darunter Angelina – sexuelle Dienstleistungen anbieten? Trotz mehrmaligen Nachhakens seitens der Richterin: Eine klare Antwort blieb der Mann schuldig. Ganz genau wisse er nicht, was sich in den Zimmern abspiele. Es sei ja bekannt, wozu eine Kontaktbar diene. «Ich gehe nicht schauen, was die Frauen mit den Gästen machen.» Mehrmals betonte er aber: Das «Rössli» sei eine ganz normale Bar, «kein Puff».

Gesichert ist: Angelina arbeitete als Prostituierte und logierte ab 2015 schweizweit in zig Etablissements. Im Januar 2017 checkte sie als Touristin auch im «Rössli» ein. Gesichert ist weiter: Der Beschuldigte vermietet seine Zimmer, die er einmal wöchentlich reinigen lässt, nur an Frauen und für 100 Franken pro Nacht. Die Bettwäsche wird täglich gewechselt.

Verteidiger verlangt vollumfänglichen Freispruch

Angelina sagte aus, der «Rössli»-Besitzer soll sie angehalten haben, für ihren Service einen bestimmten Preis zu verlangen. Und je mehr Getränke sie mit ihren Kunden konsumiert hätte, desto höher sei auch die Getränkekommission gewesen.

Der Beschuldigte bestreitet sämtliche Vorwürfe vehement. «Die Frauen können kommen und gehen wie sie wollen. Ich mache keine Vorschriften.» Sein Verteidiger verlangt einen vollumfänglichen Freispruch. «Die Miete eines Hotelzimmers ist kein Arbeitsvertrag.» Angelina wolle mit ihren Behauptungen bloss eine Strafmilderung erreichen. Weil sie sich zur Ausübung einer Erwerbstätigkeit illegal in der Schweiz aufgehalten hat, läuft gegen sie ein Strafverfahren.