Shop Local Day
Ohne Online-Shop in Zeiten von Corona? Das geht – zwei Beispiele aus Luzern

Sie behaupten sich trotz Strukturwandel: 40 kleine Läden machen beim Luzerner Shop Local Day am kommenden Samstag mit – darunter das Dessousgeschäft Schärer-Linder und der Concept Store Gabriela W.

Roman Hodel
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Schärer-Linder – «Es braucht Beratung, damit ein BH wirklich sitzt»

Büstenhalter, Dessous und Bademode gibt es an der Zentralstrasse 12 in Luzern seit 95 Jahren zu kaufen. Schärer-Linder heisst das Traditionsgeschäft, das sich nach wie vor in Familienbesitz befindet. Es hat bereits beim ersten Shop Local Day vor einem Jahr mitgemacht – und ist nun wieder dabei. «Der Ansturm war wegen des schönen Wetters nicht riesig», sagt Inhaber Patrick Kuster. «Aber wir hoffen, dass sich der Tag mit jeder Austragung etwas mehr etablieren wird.»

Zwar verfügt Schärer-Linder laut Kuster über eine treue Stammkundschaft: «Doch von ihr allein können wir nicht leben, deshalb braucht es Aktivitäten, um neue Kundinnen und Kunden zu gewinnen.» Ja, auch Männer sind gemeint. Denn mit dem Um- und Ausbau 2016 erweiterte Schärer-Linder das Angebot für den Mann. Kernkompetenz bleiben aber die Lingerie und der Büstenhalter im Speziellen.

Inhaber Patrick Kuster und die stellvertretende Geschäftsleiterin Andrea Muff im Verkaufsgeschäft von Schärer-Linder.

Inhaber Patrick Kuster und die stellvertretende Geschäftsleiterin Andrea Muff im Verkaufsgeschäft von Schärer-Linder.

Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 8. September 2021)

Trotz regelmässiger interner Diskussionen ist ein Online-Shop aktuell kein Thema. «Die Kundin ist generell gehemmt, solche Produkte online zu bestellen», weiss Andrea Muff, stellvertretende Geschäftsleiterin. «Es braucht die Beratung im Geschäft, damit ein Büstenhalter wirklich sitzt.» Trotzdem sind im Zuge der Pandemie neue Services dazu gekommen: Wer etwas kaufen möchte, kann sich neu telefonisch beraten lassen und die Ware im Geschäft abholen. «Vor allem im Lockdown wurde dies rege genutzt», sagt Muff und ergänzt:

«Wir haben teils Kleidungsstücke selbst anprobiert, der Kundin per Whatsapp die Fotos verschickt – es war eine spannende Erfahrung.»

Dieses «aktive Kümmern» um die Kundschaft zahlt sich laut Patrick Kuster aus: «Wir haben die Pandemie bislang ganz okay gemeistert.» Dennoch bereitet ihm der Strukturwandel, die vielen leeren Ladenlokale in der Stadt und Schliessungen wie jene von Kofler Sorgen: «Mit dem Wegbruch jedes etablierten Geschäfts ist eine Unsicherheit verbunden.»

Plakate weisen überall in der Innenstadt auf den Shop Local Day hin – so wie hier beim Vögeligärtli.

Plakate weisen überall in der Innenstadt auf den Shop Local Day hin – so wie hier beim Vögeligärtli.

Bild: hor

Gabriela W. Concept Store – «Beim Online-Einkaufen fehlt mir die Haptik»

Auf der Rückseite des Basler-Hauses an der Töpferstrasse Luzern liegt der Concept Store Gabriela W. Dieser nimmt ebenfalls zum zweiten Mal am Shop Local Day teil. «Die erste Ausgabe 2020 hat die Bekanntheit unseres Stores sicher gesteigert», sagt Innenarchitekt und Designer Felice Dittli, der das Geschäft betreibt, und ergänzt:

«Denn noch immer haben manche Leute Hemmungen, reinzukommen, weil sie nicht wissen, was wir sind.»

Gabriela W. bietet eine wechselnde Auswahl an Objekten, Produkten und Kunstwerken. So sind momentan Skulpturen der Künstlerin Fabienne Lalaus ausgestellt. Und im Sortiment gibt es etwa schmale, kleine Vasen aus Porzellan oder eloxiertem Aluminium. Diese werden nach einem Entwurf von Dittli in Lenzburg hergestellt. «Wir verkaufen nur Produkte, die uns gefallen, gestalterisch sowie qualitativ überzeugen und die, wenn immer möglich, in der Schweiz gefertigt werden», sagt Dittli.

Felice Dittli mit den von ihm entworfenen Vasen im Concept Store Gabriela W. an der Töpferstrasse.

Felice Dittli mit den von ihm entworfenen Vasen im Concept Store Gabriela W. an der Töpferstrasse.

Bild: Jakob Ineichen (Luzern, 8. September 2021)

Selbstverständlich gehört zum Store ein Internetauftritt, doch online bestellen kann man nicht. Daran hat die Pandemie nichts geändert. «Uns ist die Haptik wichtig – wie fühlt sich ein Produkt an, wie schwer ist es?», sagt Dittli. «Dies kann ein Foto im Internet nur bedingt vermitteln.» Ihnen sei überhaupt der persönliche Austausch mit den Leuten wichtig. Hinzu kommen gelegentliche Kurse und Künstlertalks. Dies kam allerdings wegen Corona zeitweise zu kurz. «Aber unsere Schaufenster haben wir selbst im Lockdown stets gestaltet und hierfür Lob bekommen», so Dittli.

Wenn er «wir» oder «uns» sagt, schliesst er immer seine Ehefrau und Geschäftsgründerin Gabriela Walther mit ein. Sie ist im Januar durch einen tragischen Unfall aus dem Leben gerissen worden. Es sei ein bewusster Entscheid gewesen, ihr Geschäft weiterzuführen und mit dem eigenen – Dittli Design – einzuziehen. Felice Dittli sagt: «Ich denke, es wäre in ihrem Sinn.»

Mit dem Booklet geht's auf Erkundungstour

In Luzern findet am Samstag, 18. September, der Shop Local Day statt; zum zweiten Mal nach 2020. 40 kleine, inhabergeführte Läden in der Innenstadt – vornehmlich in der Neustadt und im Hirschmattquartier – machen mit. Wer Lust auf eine Entdeckungstour hat, findet das Booklet digital hier – oder an jenem Samstag ausgedruckt in den teilnehmenden Läden. Der Shop Local Day wird finanziell unterstützt vom ALI-Fonds der Stadt Luzern. (hor)

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