Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

SHOPPING: Erst auf den Pilatus – dann in die Mall?

Die Mall of Switzerland will nicht nur Einheimische, sondern auch Touristen nach Ebikon locken. Eine Expertin bezweifelt allerdings, dass dieser Plan aufgehen wird.
Chiara Stäheli
Es weihnachtet in der Mall – sicher auch zur Freude ausländischer Touristen. (Bild: Nadia Schärli (Ebikon, 20. November 2017))

Es weihnachtet in der Mall – sicher auch zur Freude ausländischer Touristen. (Bild: Nadia Schärli (Ebikon, 20. November 2017))

Chiara Stäheli

chiara.staeheli@luzernerzeitung.ch

Vielleicht werden Touristen in Luzerner Reiseführern neben der Kapellbrücke, dem Pilatus oder der Rigi schon bald auch die Mall of Switzerland vorfinden. Denn geht es nach Jan Wengeler, Manager der Mall of Switzerland, so ist die Mall definitiv eine Touristenattraktion: «Wir möchten die Mall auch bei ausländischen Touristen bekannt machen und prüfen derzeit entsprechende Möglichkeiten.» Wengeler würde es sehr begrüssen, in den Touristenführern der Stadt Luzern Erwähnung zu finden.

Das zweitgrösste Shoppingcenter der Schweiz soll von ausländischen Gästen nicht nur als «Schlechtwetterprogramm» besucht werden, sondern als erlebnisreiche Attraktion ganzjährig Touristen anlocken. «Grundsätzlich ist es unser Ziel, dass die eingemieteten Firmen Kontakte mit Touristenführern und Reiseorganisationen aufnehmen. Das Management selbst wird nicht aktiv auf Reiseunternehmen zugehen», erklärt Jan Wengeler. Um vermehrt Touristen in die Mall zu bringen, wurde eigens ein Verkehrsführungskonzept für Cars erarbeitet – denn ausgewiesene Car-Parkplätze sind bei der Mall nicht vorhanden. Hingegen verfügt die Gemeinde Ebikon seit August über drei neue Car-Parkplätze im Areal Risch. Weitere Abstellplätze seien derzeit nicht geplant, erklärt Hans Peter Bienz, Gemeinderat in Ebikon und fügt an: «Sollte die Mall eine Tourismusregion werden und damit ein Bedürfnis nach zusätzlichen Car-Parkplätzen entstehen, dann würden wir die Fahrten der Cars und deren Parkierung entsprechend prüfen und handeln.»

«Amerikaner kennen andere Dimensionen»

Ob die Mall die ausländischen Gäste beeindrucken wird, bleibt laut Wengeler offen: «Besonders die asiatischen Gäste haben sicher schon grössere Einkaufscenter gesehen. Dennoch stellen wir mit dem Kino, der Surfwelle und weiteren Attraktionen einen beliebten Ausflugsort dar.»

Sibylle Gerardi von Luzern Tourismus sieht das aus einer anderen Perspektive: «Die Mall ist insbesondere für Leute aus der Region eine Attraktion. Unsere internationalen Gäste wie zum Beispiel die Amerikaner, die nach wie vor den Hauptanteil der ­Luzerner Touristen ausmachen, kennen bezüglich Einkaufscentern wohl noch grössere Dimensionen.» Eben diese Gäste würden den Einkauf in der autofreien, historischen Altstadt inmitten der See- und Berglandschaft einem Mall-Ausflug vorziehen. Denn das sei etwas, das die Touristen in ihrem Heimatland oftmals vergebens suchten. Ähnlich sieht das Roman Omlin vom Hotel Schweizerhof: «In erster Linie empfehlen wir unseren Gästen das Stadterlebnis inklusive Shopping in der Altstadt. Die Mall of Switzerland kann an Schlechtwettertagen eine Option sein.»

Sibylle Gerardi kann noch nicht abschätzen, ob die Reiseleiter die Mall für geplante Gruppenreisen in ihr Programm aufnehmen werden: «Die Mall wird aber allenfalls von Individualgästen besucht werden.» Das Einkaufscenter sei fraglos eine Ergänzung zu den bestehenden Angeboten, werde aber betreffend Logiernächten keine grossen Veränderungen verursachen: «Vermutlich steigt aber die Zahl der Tagesausflügler, die unter anderem für einen Mall-Besuch in die Region Luzern reisen.» Auf der Webseite von Luzern Tourismus wird die Mall in der Rubrik Shopping demnächst ergänzt: «Wir überarbeiten derzeit unsere Website und werden auch die Mall berücksichtigen. Wir planen aber keine spezielle Aufmachung», so Gerardi.

Das Einkaufszentrum mit 88 Shops und 16 Restaurants hat noch einige freie Verkaufsflächen. Dass diese explizit für touristisch ausgerichtete Läden reserviert würden, verneint Jan Wengeler: «Wir gehen nicht speziell auf die Suche nach Läden, die besonders bei Touristen ­beliebt sind und sich auf deren Bedürfnisse ausrichten. Entsprechende Angebote – Schmuck, Uhren, Souvenirs – sind auch bereits in der Mall vertreten.» Nebst einigen Schmuckgeschäften – darunter Orovivo und Swarovski – betreibt beispielsweise auch der Chocolatier Läderach in der Mall einen Laden.

Derweil bemüht sich das Management der Mall bereits an anderen Orten um aktive Werbefläche. «Wir arbeiten mit dem Verkehrshaus Luzern zusammen. Dieses betreibt in der Mall einen Info-Point – wir werden demnächst im Verkehrshaus mit einer Infofläche auf die Mall aufmerksam machen», so Wengeler.

Will die Mall ihre Öffnungszeiten erweitern?

Kritiker vermuten in der Vermarktung der Mall als Touristenattraktion eine ausgeklügelte Strategie, um die rigiden Luzerner Öffnungszeiten zu umgehen. Denn das kantonale Ladenschlussgesetz erlaubt Sonderregelungen für speziell auf den Tourismus ausgerichtete Verkaufsgeschäfte. Dort ist erwähnt, dass es jenen Geschäften «in Zeiten erheblichen Fremdenverkehrs» gestattet ist, bis 20 Uhr geöffnet zu haben. Bereits jetzt kann man einige Teile der Mall länger und auch sonntags besuchen: Dazu gehören das Kino, die Surfwelle, das Fitnesscenter, der Wellnessbereich und die Kinderbetreuung. Auch die dazugehörigen Gastronomiebetriebe in diesem Teil der Mall profitieren von längeren Öffnungszeiten. Dies, weil die Erlebnisbereiche vom kantonalen Ladenschlussgesetz ausgenommen sind.

Mall-Manager Wengeler meint dazu: «Natürlich wäre es schön, wenn sich dank einer Ausrichtung als Erlebniscenter für Touristen längere Öffnungszeiten ergäben. Aber derzeit sind keine Gesuche von unserer Seite hängig oder konkret in Vorbereitung.» Ob das Vorhaben dereinst gelingen wird, liegt letztlich in politischer Hand. Dies bestätigt auch der Ebikoner Gemeinderat Hans Peter Bienz: «Eine Anpassung der Ladenöffnungszeiten unterliegt der kantonalen Gesetzgebung. Demnach können nur Tourismusregionen längere Öffnungszeiten beantragen – dazu gehört Ebikon bekanntlich nicht.»

Dennoch sei auch die Gemeinde an einer gut funktionierenden Mall interessiert, da diese eine überregionale Ausstrahlung habe, betont Hans Peter Bienz: «Damit das Konzept der Mall funktioniert, muss die Kundenfrequenz stimmen. Also müssen sich die Detaillisten auf die Kundenbedürfnisse ausrichten, um erfolgreich zu sein.» Der Einbezug der Touristen sei eine solche Ausrichtungsmöglichkeit.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.