SHOW: Töffli-Liebhaber drehen auf

Die kultige Nidwaldner «Teffli-Rally» hat sich gestern an der Luga präsentiert – und dabei in der Arena gewaltig aufs Gaspedal gedrückt.

Rapahel Zemp
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«Hells Angel» mal anders: Stefan Gut (31) aus Stans durchpflügt auf seinem aufgemotzten Töffli die Luga-Arena. (Bild Dominik Wunderli)

«Hells Angel» mal anders: Stefan Gut (31) aus Stans durchpflügt auf seinem aufgemotzten Töffli die Luga-Arena. (Bild Dominik Wunderli)

Für einmal keine Ländlermusik. Vielmehr wummern rockige Töne aus den Lautsprechern – bis hereinfahrende Mofas mit ihrem Motorengeheul alles und jeden übertönen. In der Luga-Arena, wo sonst Kühe zur Schau gestellt werden oder Pferde elegant umhertraben, dreht nun eine Handvoll wilder «Töffli-Buebe» auf frisierten Untersätzen seine Runden. Es knattert, rattert und röhrt ohrenbetäubend laut. Für eingefleischte Töffli-Fans ist das «Balsam für die Ohren», wie der Moderator verkündet. Einige der Zuschauer allerdings halten sich diese vorsichtshalber zu.

Ein strenger Geruch nach verbranntem Zweitakt-Benzin liegt in der Luft, bläulicher Dunst hat sich unter dem Zeltdach angesammelt. «Kannst du noch atmen?», «Wo sind die Gasmasken?», scherzen Zuschauer. Völlig unberührt und unbeeindruckt von diesem lärmigen Spektakel scheint nur ein Baby im Kinderwagen zu sein: Seelenruhig schlummert es vor sich hin, ohne auch nur ein einziges Mal aufzuschrecken.

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«Jung und Alt begeistert»

«Wenn die Motoren brummen, ist die Neugierde der Leute sofort geweckt», weiss Walter Gut (35) aus Ennetmoos. Gut – zwar ehemaliger Töfflifahrer, aber kein aktiver Rennpilot – ist OK-Präsident der «Teffli-Rally», die am 23. und 24. August in Ennetmoos stattfindet. In zwei Sonderschauen stellte Gut mit seinen Mitorganisatoren gestern den ungewöhnlichen Rennanlass dem Luga-Publikum vor – und stiess auf reges Interesse. «Jung und Alt begeistert sich für Töffli.» Die Resonanz sei auch am Stand von Infoklick, der Kinder- und Jugendförderung Schweiz, unter dessen Patronat der Anlass stattfand, riesig gewesen (Halle 2). Dort sind einige der mit Liebe zum Detail gestalteten Töffli ausgestellt.

Dass sich Mofa-Fahren einer grossen Beliebtheit erfreut, weiss Gut nicht erst seit den positiven Reaktionen an der Luga. Auch die Anmeldungen zur diesjährigen achten Ausgabe der Teffli-Rally deuten darauf hin, dass es ein weiterer Vollerfolg wird. «Alle 160 Startplätze waren in weniger als einem halben Tag ausverkauft», sagt Mitorganisator Stefan Gut (31) aus Stans, der dem Luga-Publikum als Rocker verkleidet höchstpersönlich einheizte.

Woher rührt diese Begeisterung fürs Töffli? «Für viele war es das erste motorisierte Verkehrsmittel. Da entwickeln sich schon gewisse nostalgische Gefühle», bekennt Gut offen. Gefühle, die so stark sind, dass viele auch tief in die Taschen greifen. In sein Töffli habe er wohl schon über 3000 Franken investiert. «Aber es geht auch viel billiger –und so teuer wie Motocrossfahren ist der Töffli-Spass noch lange nicht.»

Eine Männerdomäne

Solche Investitionen sind aber letztlich nicht nur fürs Gemüt, sondern steigern auch die Leistungen der motorisierten Zweiräder – und dies erheblich. «In der Rennkategorie gehen Töffli mit Motorenleistungen von 15 bis 18 Pferdestärken an den Start», so Gut. Zum Vergleich: Gemeinhin liegt diese bei maximal 1 PS. Auch wenn sich die Töffli-Begeisterung über Alters-, Kantons- und gar Landesgrenzen hinwegsetzt: Es sind vor allem Männer, die sich für die aufgemotzten Mopeds erwärmen. Stefan Gut: «Frauen zeigen sich zwar oft sehr interessiert an der Technik, aber geht es ums Fahren, so sind sie in der absoluten Minderheit.»

HINWEIS

Mehr Infos: www.teffli-rally.ch