Sicherheit
Die Stadt Luzern will die präventive Intervention im öffentlichen Raum ausbauen

Seit 15 Jahren sorgt das Team von Sicherheit, Intervention, Prävention (SIP) in Luzern niederschwellig für Ruhe und Ordnung. In Zukunft soll es sein Aktionsgebiet ausweiten – und braucht dafür mehr Personal.

Beatrice Vogel
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Unauffällig und durch ihre blauen Jacken dennoch eindeutig erkennbar sind sie an belebten Orten in der Stadt Luzern regelmässig anzutreffen: die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der SIP (Sicherheit, Intervention, Prävention). Wie die Polizei sind sie immer zu zweit unterwegs und sorgen für Ordnung im öffentlichen Raum – allerdings ohne Repression oder Restriktion. Vielmehr setzt die SIP auf Dialog und Information, auf niederschwellige Vermittlung und Unterstützung. Und das bei allen möglichen Themen.

Die beiden SIP-Mitarbeiter Salah Galal (links) und Mohammed El Maghari informieren junge Frauen über die Regeln im öffentlichen Raum.

Die beiden SIP-Mitarbeiter Salah Galal (links) und Mohammed El Maghari informieren junge Frauen über die Regeln im öffentlichen Raum.

Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 26. April 2021)

Man kann von einer Erfolgsgeschichte sprechen: Seit 15 Jahren trägt die SIP «massgeblich zur Sicherheit und der hohen Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum» bei, heisst es im Bericht und Antrag des Stadtrats. Sei es Littering, Ruhestörung, Bettelei oder Alkohol- und Drogenmissbrauch – in all diesen Konfliktfeldern habe sich die Situation in dieser Zeit entweder verbessert oder sei stabil geblieben.

Nun will die Stadt Luzern im SIP-Team eine weitere Stelle für eine Sozialpädagogin oder einen Sozialpädagogen schaffen. Für zusätzliche 100 Stellenprozente beantragt der Stadtrat beim Parlament einen Sonderkredit von 1,15 Millionen Franken für die nächsten zehn Jahre. «Die Summe von 115'000 Franken pro Jahr entspricht den Vollkosten für diese Stelle und ist als Kostendach zu sehen», sagt Sozial- und Sicherheitsdirektor Martin Merki (FDP). Der Stadtrat begründet die Stellenaufstockung mit dem steigenden Nutzungsdruck im öffentlichen Raum, insbesondere auch in entlegeneren Quartieren.

Immer mehr Einsätze auf Schularealen

Durch das Bevölkerungswachstum in der Stadt, das Nachtleben im Freien, aber auch durch Events wie der Swiss City Marathon oder neue Freizeitaktivitäten wie das Reussschwimmen nimmt das Konfliktpotenzial an immer mehr Orten im öffentlichen Raum zu. War die SIP früher fast ausschliesslich in der Innenstadt unterwegs, dehnt sich ihr Einsatzgebiet immer weiter aus – auf Schulareale aber auch in entlegenere Quartiere wie Littau Dorf oder Würzenbach.

Derzeit ist in der Regel täglich ein Zweierteam – je nach Wetter, Wochentag und Saison auch zwei – von 11 bis 24 Uhr auf Patrouille. Mit den zusätzlichen Personalressourcen wird die SIP systematisch zwei Teams auf Patrouille schicken können. Brennpunkte können dadurch besser abgedeckt, auf Meldungen der Polizei oder der Bevölkerung flexibler reagiert werden. Auch die dezentralen Quartiere können dadurch häufiger besucht werden.

Aktuell verfügt die SIP über 530 Stellenprozente, aufgeteilt auf acht Mitarbeitende, plus eine Ausbildungsstelle und zwei Zivildienstleistende. Sie war aber schon einmal besser aufgestellt: 2009 waren es noch 800 Stellenprozente. Über die Jahre wurde das Budget aus Spargründen zusammengestrichen. Dass die Präventionsarbeit auch mit weniger Ressourcen funktionierte, hängt mit verschiedenen Faktoren zusammen. «Eine optimale Wirkung kann die SIP nur entfalten im Verbund mit andern Akteuren bei der Präventionsarbeit», sagt Martin Merki. Zudem war die SIP anfangs auch nach Mitternacht unterwegs, heute nicht mehr – «weil um diese Uhrzeit kaum mehr zielführende Gespräche möglich sind». Und die SIP wurde entlastet: In den Sommermonaten wird für die Ufschötti seit einigen Jahren der LU Sicherheitsdienst eingesetzt.

Emmen und Kriens zeigen Interesse

Mit der nun beantragten Stellenaufstockung kann die SIP laut Merki systematischer präsent sein und wie erwähnt ihr Wirkungsfeld ausdehnen. Ein weiterer Ausbau in einigen Jahren wäre bei einem stark steigenden Nutzungsdruck im öffentlichen Raum nötig. Ausserdem, so Merki: «Die Akzeptanz der SIP ist nicht nur in der Stadt Luzern gestiegen, ihre Arbeit wird in den umliegenden Gemeinden positiv und interessiert wahrgenommen.» Die Stadt stehe insbesondere mit Emmen und Kriens im Erfahrungsaustausch.

Die vier Hauptaufgaben der SIP

  • Botschafterin der Stadt: SIP-Mitarbeitende machen auf Regeln und Gesetze im öffentlichen Raum aufmerksam – beispielsweise bei Littering, Vandalismus und Ruhestörung – aber auch auf das korrekte Verhalten auf der Hundewiese, auf Naturschutz, Coronamassnahmen oder Verkehrsregeln für Velos und Fussgänger. Zudem führen sie Präventionsgespräche über Alkohol- und Drogenkonsum oder Gewalt.
  • Vermittlerin bei Konflikten: Bei Streit oder Nutzungskonflikten wirkt die SIP deeskalierend und fördert den Dialog zwischen den Akteuren. So agiert sie etwa als Mediatorin für die Anwohnerschaft der Ufschötti. 
  • Helferin in schwierigen Lagen: Die SIP-Mitarbeitenden sind Ansprechpartner für Randständige und Suchtbetroffene, leisten aber auch erste Hilfe in Notfällen.
  • Beobachterin der Stadt: Die SIP kennt den öffentlichen Raum, seine Hotspots und viele Akteure der Strasse. Sie meldet den Behörden und den Partnerorganisationen Handlungsbedarf und Anliegen aus der Bevölkerung.

Die Erfolgsgeschichte der SIP und die höhere Sicherheit im öffentlichen Raum haben laut Martin Merki mit einem «Mentalitätswandel bei allen Akteuren und auch in der Politik» zu tun: «Präventionsarbeit wird heute allgemein anerkannt und ist ein zentraler Aspekt des gemeinsamen Handelns.» Eine Folge davon sei der stärkere Austausch und die Zusammenarbeit auf der operativen Ebene zwischen Polizei, SIP, Sicherheitsmanager und Strasseninspektorat.

«Sowohl Polizei wie SIP arbeiten dynamisch an der Bearbeitung von Brennpunkten und koordinieren ihre Arbeit.» Die Präventionsarbeit umfasst darüber hinaus Angebote und Massnahmen anderer Akteure wie etwa die Kirchliche Gassenarbeit oder die Bar & Club Kommission.