SICHERHEIT: Frauen könnten bald aufgeboten werden

Die Militärdirektoren der Kantone sind sich einig: Frauen sind über die Schweizer Armee zu schlecht informiert. Darum könnte der Armee-Infotag bald auch für sie zur Pflicht werden. Luzerner Politiker befürworten diese Idee.

Kilian Küttel
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Für Frauen könnte der Informationstag frühestens ab 2020 obligatorisch werden. (Symbolbild: Dominic Steinmann/Keystone)

Für Frauen könnte der Informationstag frühestens ab 2020 obligatorisch werden. (Symbolbild: Dominic Steinmann/Keystone)

Kilian Küttel

kilian.kuettel@luzernerzeitung.ch

Für viele junge Schweizer ist es der erste Berührungspunkt mit der Armee: der obligatorische Orientierungstag, den sie vor der Rekrutierung und der Rekrutenschule besuchen müssen. Dort werden die potenziellen Rekruten über das Militär, den Zivilschutz und den Zivildienst orientiert. Für Frauen sind solche ­Anlässe – gleich wie der Dienst – freiwillig.

Doch das könnte sich in Zukunft ändern: Kürzlich haben die Sicherheitsdirektoren der Kantone beschlossen, ein entsprechendes Projekt zu lancieren. Dieses umfasst verschiedene Varianten. Eine sieht vor, den Orientierungstag für Frauen zur Pflicht zu erklären. Der Grund: Die Frauen wissen zu wenig über die Sicherheitspolitik der Schweiz. «Zwar publiziert der Bundesrat regelmässig hochstehende Berichte zur Sicherheitspolitik, aber es ist wenig wahrscheinlich, dass wesentliche Teile der jugendlichen Schweizerinnen diese auch konsultieren», sagt Alexander Kreth­low, der Generalsekretär der ­Regierungskonferenz für Militär, Zivilschutz und Feuerwehr.

Luzern: Pro Jahr höchstens 23 Frauen an Infotag

Klar ist auch: Nebst dem Wissenstransfer sollen gleichzeitig mehr Frauen fürs Militär angeworben werden. Krethlow: «Ohne von der Freiwilligkeit des Militärdienstes abzurücken, soll mit der allfälligen Einführung des Obligatoriums zur Orientierung das Potenzial der jungen Schweizerinnen zu Gunsten der Sicherheit besser genutzt werden.»

Eine gute Idee, finden Luzerner Politiker. Zum Beispiel Sicherheitsdirektor Paul Winiker (SVP): «Es ist wichtig, die Informationen zu Sicherheitsthemen und zu den Instrumenten der Sicherheitspolitik direkt zu vermitteln.» Vor wenigen Tagen war Winiker selber an einem Informationsanlass zu Besuch. Dort habe er sehr motivierte junge Männer angetroffen, die viele kritische Fragen gestellt hätten. «Zu meinem Bedauern waren aber keine jungen Frauen dabei. Wohl, weil sie bis jetzt nicht direkt angesprochen werden», so der Luzerner Sicherheitsdirektor. Ein Blick in die Statistiken zeigt: Es war kein Zufall, dass am Infotag, den Winiker besucht hatte, keine Frauen anwesend waren. Von 2012 bis 2016 haben im Kanton Luzern pro Jahr niemals mehr als 23 Frauen einen Informationsanlass besucht, wie das Kreiskommando Luzern auf Anfrage unserer Zeitung mitteilt.

Gleicher Meinung wie Paul Winiker ist CVP-Nationalrätin Ida Glanzmann-Hunkeler (Altishofen). Sie war am gleichen Infoanlass wie der Luzerner Sicherheitsdirektor: «Ich finde es schade, dass Frauen sehr selten an diesen Anlässen teilnehmen.» Die Einführung eines Obligatoriums begrüsse sie deshalb. «Wenn Frauen auch an den Infoanlässen teilnehmen müssten, wären sie besser informiert, und die Chancen, dass mehr Frauen einrücken, würden steigen», so Glanzmann. Auch beim Militär sei eine gute Durchmischung der Geschlechter wichtig, findet sie.

Gut möglich, dass sich Glanzmann künftig genauer mit dem Projekt der Sicherheitsdirektoren befassen muss. Die 58-Jährige ist die einzige Luzerner Bundesparlamentarierin, die in der Sicherheitspolitischen Kommission des Nationalrates Einsitz hat. Zwar sind die Orientierungstage Sache der Kantone, wenn das Obligatorium für Frauen eingeführt wird, könnte sich der Bund aber möglicherweise an der Finanzierung beteiligen. Je nachdem, wie gross dieser Beitrag wäre, müsste sich Glanzmanns Kommission mit dem Geschäft befassen. Doch ob die Luzernerinnen je zum Infotag antreten müssen, ist fraglich. Das Projekt der Sicherheitsdirektoren sieht nebst dem Obligatorium unter anderem die Beibehaltung des Status quo vor. Eine andere Möglichkeit ist es, dass in Zukunft alle Kantone ihre Bürgerinnen an den Informationstag einladen. Denn heute verzichten zum Beispiel die Kantone Jura und Appenzell Ausserrhoden darauf, auch die Frauen einzuladen.

Fällt der Entscheid dennoch für das Obligatorium, würde es aber noch fast drei Jahre dauern, ehe der erste Pflichttag für Frauen stattfinden könnte. Denn gemäss Generalsekretär Alexander Krethlow wird nun eine Arbeitsgruppe das Projekt bis Mai 2018 erarbeiten. «Die Umsetzung kann frühestens am 1. Januar 2020 beginnen.»