Sicherheit: Verwaltungen wollen voneinander lernen

Mehrere Zentralschweizer Verwaltungen wollen punkto Sicherheit künftig zusammenarbeiten. Das Projekt wird von der Hochschule Luzern begleitet.

Roseline Troxler
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Die Hochschule für Wirtschaft Luzern wird das Projekt begleiten. (Bild: PD)

Die Hochschule für Wirtschaft Luzern wird das Projekt begleiten. (Bild: PD)

Jede öffentliche Verwaltung muss sich von Gesetzes wegen mit der betrieblichen Sicherheit beschäftigen. Dabei geht es um die Sicherheit beim Bauen wie etwa dem Feuerschutz, bei der Technik wie dem Datenschutz oder in der Organisation beispielsweise durch Sicherheitsschulungen. Die Hochschule Luzern – Wirtschaft (HSLU) hat nun zusammen mit der Fachstelle Sicherheit des Kantons Zug ein Projekt lanciert. Das Ziel ist der Austausch der Zentralschweizer Verwaltungen zum Thema betriebliche Sicherheit. Joe Willimann, Leiter der Fachstelle Sicherheit in Zug, erklärt: «Wir wollen ein Wissensnetzwerk zur Verwaltungssicherheit in der Zentralschweiz aufbauen und betreiben. Denn viele Gemeinden und Kantone versuchen heute – jeder für sich – dieselben Probleme zu lösen.»

Gemeinsame Risikoanalysen

Mit dem Netzwerk sollen Erfahrungen und Methoden ausgetauscht werden, wie die Wirkung gemessen werden kann. Es geht um die Entwicklung der besten Ansätze für die Praxis. «Umgesetzt werden sollen die gemeinsam erarbeiteten Lösungen dann dezentral in den einzelnen Verwaltungen», erklärt Willimann. Eine Zusammenarbeit der Verwaltungen sei auch bei der Risikoanalyse möglich. «Viele Risiken gelten generell für alle öffentlichen Verwaltungen. Da muss das Rad nicht jedes Mal neu erfunden werden.» Im Vordergrund stehe der Erfahrungsaustausch. Es geht nicht darum, ein ‹pfannenfertiges Konzept› zu präsentieren», so Willimann.

Das Kooperationsprojekt «Betriebliche Sicherheit in Verwaltungen, Schulen und Gerichten» dauert rund ein Jahr. Bis jetzt nehmen die Kantone Zug und Schwyz und die Stadt Luzern am Projekt teil. Laut Jonas Willisegger von der Hochschule Luzern haben weitere kantonale und städtische Verwaltungen Interesse angemeldet. Ob auch der Kanton Luzern mitmacht, ist unklar. Willisegger sagt: «Die Partnersuche ist noch nicht abgeschlossen. Bei Interesse kann man sich gerne melden.» Das Ziel sei eine möglichst breite Abstützung, um von unterschiedlichen Erfahrungen zu profitieren.

Die Kosten für das Projekt liegen bei 60'000 Franken. Dieser Betrag soll unter den Kooperationspartnern je nach finanzieller Möglichkeit aufgeteilt werden. Das Vorprojekt hat rund 20'000 Franken gekostet. Es wurde im Auftrag des Zuger Baudirektors Heinz Tännler durch die Fachstelle Sicherheit (siehe Box am Ende) initialisiert und durch den Kanton Zug finanziert.

Schutz vor schwarzen Schafen

Mit dem Projekt, welches vom Institut für Betriebs- und Regionalökonomie der HSLU wissenschaftlich begleitet wird, sollen auch Synergien zwischen den Verwaltungen genutzt und Einsparungspotenzial erkannt werden. Jonas Willisegger erklärt: «In Zukunft wollen wir voneinander profitieren und lernen. Denn Wissen ist in den Zentralschweizer Verwaltungen genug vorhanden. Nun gilt es, dieses für alle Beteiligten nutzbar zu machen.» Und Joe Willimann sieht einen weiteren Vorteil: «Durch das Projekt können Verwaltungen auch vor schwarzen Schafen in den Reihen der privaten Sicherheitsberater geschützt werden. Denn es gibt teils Anbieter, die sehr teuer sind, bezüglich Sicherheit aber nur wenig bis gar keine Effekte erzielen.»

Oft fehlt strategischer Hintergrund

Die beiden Projektleiter wollen auch die Wirtschaftlichkeit und Wirksamkeit von Sicherheitsmassnahmen aufzuzeigen. Willimann sagt: «Vor allem seitens der Politik stellt sich immer wieder die Frage nach dem Nutzen von Massnahmen.» Wenn man diesen Nutzen kenne, erhalte die Verwaltung auch eine Legitimation, gezielt in die Sicherheit zu investieren, wo die Wirksamkeit am höchsten ist.

Laut Willimann fehlt bei Verwaltungen teils ein strategischer Hintergrund bei Investitionen in die Sicherheit. «Ich kenne Verwaltungsorgane mit teils absurden Konzepten. So gibt es heute noch Schulen, die sich mit teuren baulichen und technischen Massnahmen zum Beispiel gegen Amokläufe schützen, statt zuerst in die Handlungsfähigkeit und das Wissen der Lehrpersonen zu investieren.» Bauliche und technische Massnahmen müssen laut Willimann immer in einem gesunden Verhältnis zu organisatorischen Massnahmen stehen. Der Mensch als schwächstes Glied sei regelmässig zu informieren und auszubilden.

Fachstelle nach Attentat gegründet

Die Fachstelle Sicherheit wurde als eine Folge des Zuger Attentats im Jahr 2001 gegründet. Im Auftrag des Regierungsrats ist sie verantwortlich für die Überwachung und Umsetzung der Sicherheitsmassnahmen in der Verwaltung, den Gerichten und den Schulen. Im Vordergrund steht die Prävention. Die Fachstelle betreut zirka 60 kantonale Organe mit rund 2500 Mitarbeitern. Sie setzt dabei die gesetzlichen Vorgaben bezüglich der Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz um. Auf Anfrage hin berät die Fachstelle zusätzlich rund 60 Drittorganisationen.

Reaktion auf Bedrohungen
Zu den Aufgaben der Fachstelle gehören die Unterstützung der Regierung bei der Sicherheitsstrategie, der Aufbau und die Entwicklung des Sicherheitskonzeptes, die Organisation von Sicherheitsausbildungen oder die Anordnung von Sofortmassnahmen bei der Feststellung unmittelbarer Gefahren. Laut Joe Willimann verändert sich das Verlangen nach Sicherheitsmassnahmen immer wieder. «Nach dem Attentat war das Bedürfnis nach Sicherheit verständlicherweise sehr gross. Später standen die Kosten der Sicherheitsmassnahmen wieder vermehrt im Vordergrund.» Laut Willimann kommen Bedrohungen und Beschimpfungen gegen Mitarbeiter immer wieder vor. Kommunikative und taktische Vorgehensweisen würden bei Schulungen, teils mit einem Schauspieler trainiert.