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Wenn sich Cassis und Katz zu einem diplomatischen Spitzentreffen im KKL treffen

Bundesrat Ignazio Cassis lauschte am Montagabend gemeinsam mit dem israelischen Aussenminister Israel Katz dem Israel Philharmonic Orchestra im KKL. Trotz kurzer Wartezeiten – nicht alle Konzertbesucher waren glücklich mit den Sicherheitschecks beim Einlass.
Simon Mathis
Vor dem KKL mussten Besucher wie in Flughäfen Sicherheitsschleusen passieren. (Bild: Boris Bürgisser, Luzern, 2. September 2019)

Vor dem KKL mussten Besucher wie in Flughäfen Sicherheitsschleusen passieren. (Bild: Boris Bürgisser, Luzern, 2. September 2019)

Kurz vor 18 Uhr war es soweit: Ein Konvoi von sechs Autos näherte sich vom Bahnhof her dem KKL. Ein Van blockierte kurz die Inseliquai-Strasse, um den Autos die Einfahrt in den Hintereingang des KKL zu ermöglichen. Das konnte nur eines heissen: Bundesrat Ignazio Cassis und der israelische Aussenminister Israel Katz sind da.

Am Montagabend trafen sich die beiden Chefdiplomaten, um im Rahmen des Lucerne Festival den Klängen des Israel Philharmonic Orchestra (IPO) zu lauschen. Anlass für das Treffen ist das 70-Jahr-Jubiläum der diplomatischen Beziehung zwischen der Schweiz und Israel. Ausserdem befindet sich der bekannte Dirigent Zubin Mehta auf seiner Abschiedstour: Ende Jahr gibt der 83-Jährige sein Amt als IPO-Chefdirigent ab.

Speditive und schnelle Kontrollen

Hohe Kunst und hohe Politik trafen am Montagabend also aufeinander. Das zog rigorose Sicherheitsmassnahmen nach sich. Das Gerücht, der Europaplatz werde gesperrt, bewahrheitete sich zwar nicht. Doch die hohe Präsenz der Polizei rund ums KKL war klar ersichtlich. Mehrere Zweiergruppen patrouillierten um das Gebäude. Auch die Sicherheitsschleusen standen tatsächlich vor dem KKL. Am Vormittag sind sie in einem weissen Zelt vor dem Haupteingang installiert worden.

Vor diesem Zelt sass bereits um 17 Uhr eine Handvoll Klassikfreunde. Das Lucerne Festival hatte empfohlen, zwei Stunden vor dem Konzert zu erscheinen, das um 19.30 Uhr begann. Ganz glücklich über die Sicherheitsvorkehrungen waren die Wartenden nicht. «In den letzten Jahren reiste ich für das Lucerne Festival jeden Abend von der Ostschweiz nach Luzern», erzählt eine langjährige Besucherin des Festivals. «Dafür musste ich mir jeweils den ganzen Nachmittag freinehmen.» Die Reise nach Luzern dauerte jeweils zweieinhalb Stunden. Heuer habe sie sich allerdings dazu entschlossen, während der Festivalwoche in Luzern zu übernachten. «Hätte ich das nicht getan, wäre es mir wohl unmöglich gewesen, dieses Konzert zu besuchen.»

Schwer bewaffnete Polizisten sichern die Zufahrt der beiden Politiker. (Bild: Boris Bürgisser, 2. September 2019)Schwer bewaffnete Polizisten sichern die Zufahrt der beiden Politiker. (Bild: Boris Bürgisser, 2. September 2019)
Die Konzertbesucher passieren beim Eingang Sicherheitsschleusen. (Bild: Boris Bürgisser, 2. September 2019)Die Konzertbesucher passieren beim Eingang Sicherheitsschleusen. (Bild: Boris Bürgisser, 2. September 2019)
Die Schlange vor dem Eingang war nicht sehr lang. (Bild: Boris Bürgisser, 2. September 2019)Die Schlange vor dem Eingang war nicht sehr lang. (Bild: Boris Bürgisser, 2. September 2019)
Das Zelt mit den Sicherheitsschleusen vor dem KKL-Eingang. (Bild: Boris Bürgisser, Luzern, 2. September 2019)Das Zelt mit den Sicherheitsschleusen vor dem KKL-Eingang. (Bild: Boris Bürgisser, Luzern, 2. September 2019)
Rund ums KKL standen viele Polizisten im Einsatz. (Bild: Boris Bürgisser, Luzern, 2. September 2019)Rund ums KKL standen viele Polizisten im Einsatz. (Bild: Boris Bürgisser, Luzern, 2. September 2019)
5 Bilder

Bilder von den Sicherheitsmassnahmen zum KKL-Konzertbesuch des israelischen Aussenministers

Über die Sicherheitsmassnahmen sei sie erst vergangene Woche informiert worden. Die Besucherin sagt:

«Es ist traurig, dass man auch in Zusammenhang mit Kultur schon solche Vorkehrungen braucht.»

Und weiter: «Ich frage mich manchmal, ob das wirklich nötig ist.» Jedenfalls hoffe sie sehr, dass diese intensiven Kontrollen ein Einzelfall blieben. Ein anderer Besucher nimmt die Sache eher mit Ironie. «Luzern will sich profilieren wie Schanghai. Aber so weit ist die Stadt noch nicht ganz», sagt der Mann, der mit seiner Frau aus Zürich angereist ist.

«Erwarte das Unerwartete»

Wer sich auf lange Wartezeiten einstellte, wurde indes überrascht: Das Zelt öffnete bereits um 17.15 Uhr. Die Kontrolle, die sich über vier Schleusen erstreckte, war speditiv: Elektronische Geräte und Handgepäck in eine Plastikbox legen, durch den Metalldetektor schreiten, fertig. Mehr als zwanzig Personen mussten an jenem Abend nicht zugleich auf den Einlass warten. Das Eidgenössische Departement für Auswärtige Angelegenheiten (EDA) verlieh unserer Zeitung keine journalistische Akkreditierung. Die Ansprachen von Cassis und Katz waren nicht öffentlich – nur ein Fotograf der Bildagentur Keystone war zugelassen. Wir haben ein Ticket gekauft, um die Atmosphäre auch im Inneren des KKL einzufangen. Um 18.15 Uhr gab es überhaupt keine Schlange mehr, die Kontrolle dauerte nicht länger als fünf Minuten.

Der Kontrast zum kargen, improvisiert wirkenden Flughafeneingang zum warmen, edlen KKL-Foyer hätte schroffer nicht sein können. Hier war die Stimmung nicht anders als an anderen KKL-Abenden – und die Polizei agierte offenbar im Hintergrund. Ihre Präsenz war nur noch gegen Aussen zu sehen. Zwei Frauen betrachten vom ersten Stock aus die Polizisten. «Ich war durchaus aufgebracht, als ich erfuhr, dass ich vielleicht zwei Stunden vor dem KKL warten muss», sagt die eine. «Ich hätte das gerne früher und klarer erfahren.» Ihre Begleiterin relativiert:

«Letztlich sind wir ja schnell reingekommen. Ich sage immer: Erwarte das Unerwartete!»

Sie fährt weiter: «Und jetzt sind wir hier, im ersten Stock des KKL. Das ist toll! Ich geniesse es, unabhängig von allem Drum und Dran.» Sie ist das erste Mal im KKL. Wahrlich eine denkwürdige Premiere. Obwohl: Die beiden Spitzenpolitiker hat man nicht zu Gesicht bekommen. Die geschlossene Diplomatengesellschaft befand sich im dritten Stock des Foyers – abgetrennt durch ein Sperrband und beschützt von Bodyquards in Anzügen.

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