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Sie beleben das neue Stück Stadt im Krienser Mattenhof

Im Krienser Mattenhof-Quartier läuft der Erstbezug der Wohnungen. Wer hat dort bereits eine Heimat gefunden? Ein Augenschein vor Ort.
Roman Hodel
(Bild: Philipp Schmidli, Kriens 27. Juli 2019)

(Bild: Philipp Schmidli, Kriens 27. Juli 2019)

Hört man sich in Kriens oder Horw um, haben viele keine schmeichelnden Worte für den Mattenhof im Süden von Luzern übrig. Zu städtisch, zu dicht, zu wuchtig sei es. Dort wohnen? Nie im Leben!

Und doch vergeht seit April praktisch kein Tag, an dem nicht vor irgendeinem Haus Zügelwagen vorfahren. Letzte Woche zum Beispiel, Mattenhof 6. Therese Bucher (78) weist die Zügelmänner gerade an, welche Möbel und Kisten in welches Zimmer gehören. Sie wohnt künftig in 3,5 Zimmern für 1915 Franken brutto im Monat. «Ich bin jetzt schon überglücklich hier», sagt die Seniorin. Dank der vielen Büros, Wohnungen, Restaurants und dem Hotel sei immer etwas los. Trotzdem. Freiwillig ist Bucher nicht umgezogen. Sie musste. Denn ihr bisheriges Wohnhaus, ein Block aus den 1980er Jahren im Zentrum von Kriens, wird totalsaniert. «Als der Vermieter uns dies mitteilte, war ich geschockt», sagt sie.

Kein Einzelfall im Mattenhof: Auch Susanne Odermatt (72) ist hier gelandet, weil sie kurzfristig ein neues Daheim benötigte: «Nach 30 Jahren in der Kuonimatt erhielt ich im Februar die Kündigung, weil das Haus abgerissen wird.» Der Mattenhof sei gut gelegen; Migros, Apotheke – alles (bald) da. Odermatt entschied sich für eine Wohnung im Haus 4A. 2,5 Zimmer für 1685 Franken. Warum? «Die Räume sind hell und die Aussicht in die Berge ist genial – zumindest so lange gegenüber kein Haus steht.» Einzige Wermutstropfen seien der Autolärm von der Ringstrasse – und die raumhohen Türen. Sie sagt:

«Die Deckenlampe im Bad schlägt man damit gleich wieder weg und mit einem Teppich am Boden lassen sie sich nicht schliessen.»

Mit den raumhohen Türen hat Stefan Agner (35) kein Problem – ihm missfällt etwas anderes: Es gibt auf dem Areal keine Entsorgungsstelle für Glas und Dosen. «Dabei will man hier explizit städtisches Wohnen ohne Auto fördern», sagt er. Es sei aber der einzige Negativpunkt. Der Software-Ingenieur ist im Juni mit seiner Freundin aus der Stadt Luzern hergezogen. Das Paar lebt im Hochhaus. 3,5 Zimmer für 2150 Franken. «Ich mag die Sicht auf die Berge, insbesondere wenn das Wetter launisch ist», so Agner. Dass viele über das neue Quartier schnöden, kann er nicht verstehen. «Der Platzbedarf pro Kopf steigt und zudem leben immer mehr Menschen in der Schweiz – also müssen wir verdichtet bauen.» Es sei auch nicht anonymer als in der Stadt. «Trotz der Grösse des Gebäudes kenne ich einige Nachbarn beim Vornamen.»

Einen sowieso – es ist ein Arbeitskollege von Agner, der im selben Haus wohnt: Luka Pivk (32). 3,5 Zimmer für 2160 Franken. Der gebürtige Slowene hatte sich die Wohnung, die er mit einem Kollegen teilt, bereits ein Jahr zuvor reserviert. «Sie ist gut geschnitten, grosszügig und sehr hell.» Dafür sorgen die vielen Fenster und der helle Eichenparkett. «Natural» heisst die Stilvariante von Pivks Wohnung. Das bedeutet ferner: Braun-graue Küche und hellgrau-warme Plättli im Bad. Insgesamt gibt’s fünf Stilvarianten – sie variieren je nach Haus. Selbstverständlich schwärmt auch Pivk von der Aussicht: «Ich sehe sogar den See.»

(Bild: Dominik Wunderli, Kriens 30. Juli 2019)

(Bild: Dominik Wunderli, Kriens 30. Juli 2019)

Getoppt werde dies nur noch von der Dachterrasse im 15. Stock, die allen Bewohnern offen steht. «Der fix installierte Grill dort ist super», sagt Pivk. Und dass im Hochhaus erst wenige Wohnungen vermietet sind, sieht er als Vorteil:

«Es gibt kaum Lärm von Nachbarn und du musst nie auf den Lift warten.»

Agner und Pivk gehen als typische Mattenhof-Bewohner durch: Städtisch orientiert, jung und (noch) kinderlos. Das trifft auch auf Collin Bos (23) und seine Freundin Nathalie Schwartz (20) zu. Die beiden haben im Mattenhof 6 ihre erste gemeinsame Wohnung bezogen und sind gerade am Einrichten:

(Bild: Dominik Wunderli, Kriens 31. Juli 2019)

(Bild: Dominik Wunderli, Kriens 31. Juli 2019)

Ihre Wohnung gehört zur Stilvariante «Classic». Will heissen: Weisse Küche und dunkler Eichenparkett. 3,5 Zimmer für 1845 Franken. «Das ist sehr fair» sagt Bos, der sich aus seiner Heimat Oberägeri ein anderes Preisniveau gewohnt ist. Die Wahl ihres neuen Zuhauses kommt nicht von ungefähr: Er studiert berufsbegleitend an der Hochschule Luzern in Horw, sie an derselbigen in der Stadt. «Ursprünglich wollten wir in den Schweighof, doch das war uns zu familienlastig.» Zudem biete der Mattenhof mehr mit seinen Läden, Gastroangeboten und der S-Bahn direkt vor dem Haus. Und im Gegensatz zu vielen Alteingesessenen kommt Bos auch mit der Architektur problemlos klar:

«Ich weiss eh nicht, wie es hier vorher ausgesehen hat.»

Das hingegen können Edith (83) und Ferdinand (82) Imhof nicht von sich behaupten. Das Ehepaar hat lange in der benachbarten Kuonimatt gelebt, die letzten Jahre dann in Sachseln. Im April sind sie im Mattenhof 6 eingezogen, auf Empfehlung des Sohnes. 3,5 Zimmer für 1975 Franken. «Wir wollten wieder zentraler wohnen, an einem Ort, wo man kein Auto mehr braucht», sagt sie. Die Imhofs haben die Wohnung auffallend stylish mit modernen Möbeln eingerichtet:

(Bild: Philipp Schmidli, Kriens 27. Juli 2019)

(Bild: Philipp Schmidli, Kriens 27. Juli 2019)

Sie sagt: «Früher besassen wir Stil-Möbel, doch das hätte überhaupt nicht in diese Wohnung gepasst.» Im Quartier gefällt es den beiden sowieso «wahnsinnig gut». Es sei viel Betrieb und entsprechend gebe es viel zu beobachten. Baulärm? «Jänu, gehört halt dazu.» Und der Kontakt mit den Nachbarn komme auch langsam.

Bald auch mit Therese Bucher, der Neuzuzügerin aus dem 1. Stock. Die Rentnerin hat schon am ersten Tag alles eingeräumt, ihre Freude über die «nigelnagelneue» Wohnung ist riesig. Nur mit den Küchen- und Haushaltgeräten sei sie noch nicht warm geworden. Bucher sagt schmunzelnd: «Ich musste doch tatsächlich meine Kinder fragen, wie man die Dinger bedient.»

Knapp die Hälfte vermietet

Der Bezug der 129 Mattenhof-Wohnungen hat im April begonnen. Aktuell sind 60 vermietet – das ist etwas weniger als die Hälfte. Vor allem das Hochhaus steht noch zu drei Vierteln leer. «Wir haben dafür momentan keine Erklärung und beobachten die Entwicklung einfach mal», sagt Arealmanager William White. «Die Wohnungen mit Blick auf den Pilatus sind jedenfalls bereits alle vermietet.» Laut White sei man bestrebt, die Gemeinschaft der Bewohner zu fördern: «Wir denken an einen regelmässigen Stammtisch und sicherlich gibt es Anfang 2020 wieder einen Apéro für Neuzuzügler.» In der benachbarten Matteo-Überbauung sind übrigens aktuell 53 der 146 Wohnungen vermietet. Deren Bezug beginnt aber erst im Herbst, gestaffelt bis im neuen Jahr. (hor)

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