Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Überraschende Trendwende: In Sursee gibt es so viele Ministranten wie seit Jahren nicht mehr

Die Zahl der Ministranten hat sich in der Pfarrei Sursee in den letzten vier Jahren mehr als verdoppelt – es mussten sogar für 45000 Franken neue Gewänder angeschafft werden. Woher kommt dieses neu aufkeimende Interesse an der Liturgie?
Lena Berger
Elena Erni hilft bei der Anprobe – die neuen Gewänder braucht es, weil in Sursee so viele Kinder ministrieren wollen. (Bild: Pius Amrein (20.10.2018))

Elena Erni hilft bei der Anprobe – die neuen Gewänder braucht es, weil in Sursee so viele Kinder ministrieren wollen. (Bild: Pius Amrein (20.10.2018))

Während sich über die letzten Jahre schweizweit die Kirchenbänke leerten, stellt man in Sursee eine gegenteilige Tendenz fest – die Zahl der Ministranten hat in den letzten Jahren markant zugenommen. Die Schar war vor vier Jahren noch 50-köpfig – heute umfasst sie 124 Ministranten, also mehr als doppelt so viele.

«Zusammen etwas auf die Beine zu stellen, das schweisst zusammen.»

Was reizt in Sursee so viele Kinder und Jugendliche ausgerechnet am Ministrieren? «Am Anfang ist es einfach etwas Besonderes, als Kind in der Kirche vorne stehen zu dürfen», meint Scharleiterin Elena Erni (18). «Man hat eine wichtige Aufgabe, trägt das weisse Gewand, und alle Augen sind auf einen gerichtet – das ist ein spezielles Gefühl.»

Wenn die «Minis» 16 Jahre alt werden und das frühe Aufstehen an Sonntagen seinen Reiz verliert, ändert ihre Aufgabe: Sie ministrieren nicht mehr selber, sondern werden Leiterinnen und Leiter und sind für die Organisation verantwortlich. «Zusammen etwas auf die Beine zu stellen, das schweisst zusammen. Zudem bleibt man so in Kontakt mit den Freunden von früher, die man sonst vielleicht aus den Augen verlieren würde», sagt Erni.

Die Pfarrei lässt sich den Ministranten-Boom etwas kosten

Der Zeitaufwand ist aber nicht so gross wie etwa bei der Pfadi, wo wöchentlich Gruppenstunden stattfinden. Bei den Ministranten wird im Frühling ein Zeltlager organisiert, im Sommer ein Ausflug, im Herbst ist das einwöchige Lager, und im Winter werden gemeinsam Adventskränze hergestellt, und es wird Waldweihnacht gefeiert. «Das Herbstlager ist ein Highlight, deswegen bin ich bei den Ministranten geblieben – und vielen anderen geht es wohl genauso», vermutet Erni.

Der Erfolg gibt Erni Recht. Wegen des grossen Zulaufs mussten nun sogar neue Ministrantengewänder gekauft werden. «Die bestehenden Gewänder haben hinten und vorne nicht mehr gereicht», sagt Pfarreileiter Claudio Tomassini schmunzelnd. Stolze 45000 Franken werden in die 106 neuen Kleider investiert. Diese wurden handgefertigt von den Benediktinerinnen der Klosters Fahr im Kanton Zürich – einem der letzten Schweizer Klöster, die solche Gewänder herstellen. «Das ist eine sehr aktive Gemeinschaft, die sich für die Weiterentwicklung der katholischen Kirche einsetzt, etwa für die Frauenmitbestimmung, die auch uns ein grosses Anliegen ist», sagt Tomassini.

«Die Minis sind keine Zinnsoldaten, sondern können mitgestalten. Das ist, was für mich die Kirche ausmacht.»

Die neuen Kleider werden nächsten Sonntag eingeweiht, gleichzeitig werden 15 neue «Minis» aufgenommen. «Diese freuen sich wahnsinnig auf den Anlass, es ist richtig ansteckend», sagt Tomassini. Er erklärt sich die Freude damit, dass die Kinder als Ministranten sich in den Gottesdienst einbringen können. «Sie können mithelfen. Es wird nicht einfach von der Kanzel hinab gepredigt, die Minis sind keine Zinnsoldaten, sondern können mitgestalten. Das ist, was für mich die Kirche ausmacht.» Alle seien willkommen. Vom Engagement der Leiterinnen und Leiter der Schar könnte sich noch manch ein Erwachsener eine Scheibe abschneiden. «Er ist beeindruckend, was sie in den Lagern alles auf die Beine stellen. Und die Einsatzplanung für die Gottesdienste gleicht in ihrer Genauigkeit einem SBB-Fahrplan.»

Die Ruhe im Gottesdienst ist ein wohltuender Ausgleich

Tomassini ist sich sicher, dass das tolle Gemeinschaftsgefühl unter den Ministrantinnen und Ministranten stark dazu beigetragen hat, dass heute so viele Kinder und Jugendliche mitmachen. Neben der guten Stimmung sei aber auch die Liturgie ein wichtiger Punkt. «Kürzlich hat mir eine Mutter an einem Elternabend erzählt, dass ihre älteren Kinder lieber an den gewöhnlichen Gottesdiensten ministrieren als an den speziellen Familiengottesdiensten. Diese seien viel ruhiger. Das fand ich spannend. Die klaren Abläufe vermitteln wohl in einem gewissen Sinne ein Heimatgefühl – etwas, das die Menschen in der hektischen Zeit offenbar vermissen. Die Ruhe im Gottesdienst wirkt wohltuend.»

«Viele, die länger dabei bleiben, entwickeln eine Faszination für die Liturgie.»

In der Zentralschweiz gibt es 6000 Ministrantinnen und Ministranten, gesamtschweizerisch sind es 24 000. Das zeigen die aktuellsten vorliegenden Zahlen aus dem Jahr 2014, welche die Deutschschweizerische Arbeitsgruppe für MinistrantInnenpastoral erhoben hat. Stellenleiter Felix Pfister stellt fest, dass die Kinder über die Familie, den Freundeskreis oder die Religionslehrperson mit dem Ministrieren in Berührung kommen. «Das Gemeinschaftsgefühl ist für die meisten sehr wichtig. Viele, die länger dabei bleiben, entwickeln darüber hinaus eine Faszination für die Liturgie sowie eine Affinität für Rituale und die ruhige Stimmung in den Kirchen.»

Gottesdienst

Die Einweihung der Gewänder und Aufnahme der Ministranten finden am Sonntag, 28. Oktober, 10.30 Uhr in der Pfarrkirche Sursee statt.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.