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Sie kümmern sich um leidgeprüfte Kinder

Junge Menschen aus schwierigen Verhältnissen erhalten Geborgenheit und familiäre Strukturen vornehmlich auf Bauernhöfen in der Region. Für dieses Engagement verleihen die Freunde der Biosphäre Entlebuch ihren diesjährigen Preis.
Stephan Santschi
Klassenlehrerin Mirjam Graf beim Englischunterricht im Schulhaus Lehn in Escholzmatt mit Schülern, die vom Jugendhilfe-Netzwerk Integration betreut werden. (Bild: Pius Amrein (Escholzmatt, 29. Mai 2018))

Klassenlehrerin Mirjam Graf beim Englischunterricht im Schulhaus Lehn in Escholzmatt mit Schülern, die vom Jugendhilfe-Netzwerk Integration betreut werden. (Bild: Pius Amrein (Escholzmatt, 29. Mai 2018))

Carolina Rüegg gerät ins Schwärmen, wenn sie davon erzählt. «Als ich mir selber ein Bild gemacht habe, war ich unglaublich beeindruckt. Ich kriege gerade wieder eine Gänsehaut.» Die ­Direktorin von Sörenberg Flühli Tourismus ist auch Präsidentin der Freunde der Biosphäre Entlebuch. In dieser Funktion übergab sie am Mittwoch in Escholzmatt wieder den traditionellen Preis an ein Unternehmen, das sich durch nachhaltige Arbeit in der Region profiliert. Seit 2005 wird diese mit 5000 Franken dotierte Auszeichnung verliehen.

Diesmal fiel die Wahl auf das Jugendhilfe-Netzwerk Integration. «Noch nie haben wir eine soziale Einrichtung geehrt, für mich ist das ein Highlight», sagt Rüegg. Doch was war es nun, das ihr so nachhaltig in Erinnerung geblieben ist? «Ein Besuch auf einem Bauernhof in Marbach», erklärt sie. «Bei einer Familie, die ein Pflegekind aufgenommen und es komplett bei sich integriert hat. Wunderbar, was da geleistet wird.»

«Gereizt, delinquent, depressiv»

Das Jugendhilfe-Netzwerk Integration ist eine gemeinnützige AG, die für leidgeprüfte Kinder ein neues Zuhause sucht. «Kinder mit einer ganz hohen psychosozialen Belastung», wie Marc Baumeler erklärt. Er ist der Gesamtleiter der Organisation, die ennet der Kantonsgrenze im bernischen Eggiwil den Hauptsitz hat. Dreissig Kinder hat die Organisation vornehmlich auf Bauernhöfen untergebracht, zehn davon im Entlebuch. Während man im Emmental seit 20 Jahren tätig ist, wurde die Luzerner Filiale 2014 mit dem Bezug des Schulhauses Lehn in Escholzmatt eröffnet. Dort und in Eggiwil gehen die Kinder in einer internen Tagesschule zum Unterricht – zumindest die meisten von ihnen.

«Nur sieben unserer dreissig Kinder und Jugendlichen besuchen die öffentliche Schule», so Baumeler. Das liege daran, dass sie wegen der hohen Belastungen Verhaltensauffälligkeiten entwickelten und daher individuelle Betreuung benötigen. «Sie sind gereizt, manchmal delinquent, halten sich nicht an Regeln. Oder sie ziehen sich nach innen zurück, haben kein Selbstvertrauen, werden depressiv und entwickeln beispielsweise Essstörungen.»

«Wir gehen mit ihnen durch die Krisen

In der Regel sind die Kinder und Jugendlichen vorher bereits in Heimen oder einer Kinder- und Jugendpsychiatrie gewesen. «Überall sind sie gescheitert, weil sie kaum in einer Gruppe haltbar sind. Wir gehen mit ihnen aber durch die Krisen, wir sind trag­fähig. Das Schlimmste für sie ist der wiederkehrende Abbruch.» Die Schicksale dieser jungen Menschen sind nämlich hart. «Die Eltern sind gestorben, drogenabhängig oder im Gefängnis. In anderen Fällen ist der Vater nicht bekannt und die Mutter psychisch krank», berichtet Baumeler. «Die Kinder müssen sehr früh sehr viel Verantwortung für die ganze Familie übernehmen. Sie entwickeln Überlebensstrategien und haben für altersgerechte Dinge gar keine Zeit.»

Sorgfältige Auswahl der Pflegefamilien

In ihrer Organisation würden die Kinder in familiäre Strukturen integriert, «die Bezugspersonen sind immer die gleichen, immer dieselben bringen die Kinder ins Bett», so Baumeler. Die Zusammenarbeit mit den Pflegefamilien, den zuständigen Behörden und – sofern möglich – mit den leiblichen Eltern sei sehr eng und das Auswahlverfahren der Pflegefamilien äusserst streng. Überprüft werden unter anderem der Leumund, die finanzielle Situation sowie das Vorstrafen- und Betreibungsregister. «Wir müssen überzeugt davon sein, dass das Kind in die neue Umgebung passt.» Schliesslich sollen sie dort bis zum Abschluss der Schule, oft bis zum Ende der Erstausbildung bleiben und sich wohlfühlen.

Die Bilanz, die Baumeler nach 20 Jahren mit rund 100 Kindern zieht, ist sehr positiv. «Es gibt immer Fälle, wo wir den Lauf der Dinge nicht ändern können. Der Grossteil unserer Jugendlichen schafft aber den Sprung in die Selbstständigkeit.»

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