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Nidwaldner Humor in Emmen

Die Tanzlehrerin Esther Bünter hat die schrägen Erzählungen ihres Grossvaters aus Büren NW in ein Tanztheater verpackt. Die Frechdachse Chropflitreyni und Ribirätsch sollen Nidwaldner Humor ins Emmer Le Théâtre bringen.
Simon Mathis
Die Tanzlehrerin Esther Bünter bei einer Probe für «Chropflitreyni & Ribirätsch». (Bild: Dominik Wunderli, Luzern, 16. Mai 2019)

Die Tanzlehrerin Esther Bünter bei einer Probe für «Chropflitreyni & Ribirätsch». (Bild: Dominik Wunderli, Luzern, 16. Mai 2019)

14 Mädchen in blauen Kleidern trippeln ihr nach, springen in die Luft und recken ihre Arme nach oben. Danach stellt sie sich an die Wand und beobachtet ihre Schützlinge genau. Jede Bewegung muss sitzen, das ist in diesem Fall doppelt wichtig. Denn die Tanzstunde, die Esther Bünter leitet, ist gleichzeitig Probe für einen grossen Auftritt. Bald wird im Emmer Le Théâtre ein Tanztheater aus ihrer eigenen Feder aufgeführt: «Chropflitreyni & Ribirätsch».

Die beiden titelgebenden Figuren sind zwei Frechdachse aus Stans, die Bünters Grossvater Josef Bünter-Odermatt erdacht hat. Sie stellen in Nidwalden allerlei Unsinn an, stehlen zum Beispiel ein Dampfschiff und verstecken es auf dem Buochserhorn. In Schriftform sind Bünter-Odermatts absurden Erzählungen nicht erhalten geblieben, aber in der Erinnerung der acht Enkelkinder leben sie weiter.

Wie der Grossvater, so die Enkelin

«Mein Grossvater hat mir viele bunte Erzählungen mitgegeben», sagt Bünter. Aus diesen Fragmenten hat sie jetzt ein zusammenhängendes Ganzes gemacht. Das Geschichtenerzählen liegt in der Familie: Auch Esther Bünter lässt ihrer Fantasie gerne freien Lauf. «Das Rohgerüst der Geschichte habe ich in nur drei Stunden in meinen Computer gehackt», erzählt Bünter. «Nachdem ich angefangen habe, ist die Handlung nur so aus mir herausgeplumpst. Wie viele Nächte ich für die Detailarbeit opferte, erzähle ich jetzt aber lieber nicht», fügt sie hinzu und lacht.

Der Unternehmer und Schreiner Josef Bünter-Odermatt (1890-1978)

Der Unternehmer und Schreiner Josef Bünter-Odermatt (1890-1978)

Ihren Grossvater habe sie als «Schelm» in Erinnerung, der schwer zu lesen war. Der Unternehmer und Schreiner Josef Bünter-Odermatt wurde 1890 geboren und gründete 1923 die Fensterfabrik Bünter. Aufgrund der Weltwirtschaftskrise in den 20er- und 30er-Jahren hatte das Unternehmen einen beschwerlichen Start. Heute wird die Bünter AG in der dritten Generation von Josef Bünter junior geführt. Bünter-Odermatt starb 1978, als Esther Bünter elf Jahre alt war.

Esther Bünter selbst blieb in Nidwalden, bis sie 26 war. 2004 gründete sie in Luzern die Tanzschule «Tanzerei». Ähnlich wie ihr Grossvater stellte sie erfolgreich ein eigenes Unternehmen auf die Beine: Mittlerweile beschäftigt sie sechs Tanzlehrerinnen und -lehrer. Anlass für das Tanztheater ist denn auch das 15-jährige Bestehen der Tanzschule.

170 Schüler tanzen mit

Die Vorfreude auf den Auftritt im Le Théâtre ist Esther Bünter anzusehen: «Besonders freue ich mich für unsere Schülerinnen und Schüler. Sie haben auf der Bühne richtig viel Platz, um ihr Können zu zeigen.» Und Schüler hat Bünter nicht wenig: 250 insgesamt, davon tanzen 170 mit. Sie sind 5 bis 28 Jahre alt.

«Beim Schreiben des Tanztheaters merkte ich einmal mehr, dass meine Wurzeln in Nidwalden liegen», sagt Bünter. Sie hoffe, mit dem humorvollen Tanztheater typischen Nidwaldner Humor nach Emmen zu bringen. Dieser ist laut Bünter etwas schräg und absurd. «Er gefällt eventuell nicht allen, aber das muss er auch nicht», sagt sie mit einem Schmunzeln.

Im Vordergrund stehen ohnehin die 20 Choreografien, die Bünter und ihre Mitarbeiter aus eigenen Ideen zum Thema dazu geschaffen haben. Das Theaterspiel selbst nimmt einen Viertel der Aufführung ein. Einer der Schauspieler, der den Grossvater spielt, ist übrigens ebenfalls ein direkter Nachkomme Josef Bünter-Odermatts: Lukas Schmid, das erste Kind aus der vierten Generation.

Hinweis: Tanztheater «Chropflitreyni & Ribirätsch», am 1. Juni um 14 und 18 Uhr, am 2. Juni um 14 Uhr im Le Théâtre. Tickets ab 30 Franken, weitere Infos online unter: www.le-theatre.ch.

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