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Sie nahm den Frauenfussball unter die Lupe

Auf und neben dem Fussballfeld talentiert: Claudia Rodrigues. Hier bei der Swisspor-Arena des FCL. (Bild: Nadia Schärli (Luzern, 14. Juni 2017))

Auf und neben dem Fussballfeld talentiert: Claudia Rodrigues. Hier bei der Swisspor-Arena des FCL. (Bild: Nadia Schärli (Luzern, 14. Juni 2017))

Alpenquai Am vorletzten Freitag absolvierte sie die letzte Prüfung, am Mittwoch kehrte sie von der Maturareise aus Barcelona zurück, gestern stand die Abschlussfeier mit der Übergabe der Zeugnisse auf dem Programm. «Und nun», sagt Claudia Rodrigues, «nun ist definitiv Schluss.» Fünf Jahre absolvierte sie in der Sportklasse der Kantonsschule Alpenquai, «eine megacoole Zeit, während der ich viele Freunde gefunden habe. Aber ich bin auch froh, dass es vorbei ist. Ich bin erleichtert und stolz.» Wie es weitergeht, weiss die 19-jährige Emmerin noch nicht. Sie wird ein Zwischenjahr einschalten, zieht ein Biologie- oder Medizinstudium in Betracht. «Die Abläufe in der Natur und die Genetik des Menschen faszinieren mich.» Weniger Spass hatte ihr der Deutschunterricht bereitet, erzählt sie schmunzelnd, «dafür habe ich irgendwie kein Talent und auch kein Interesse».

Claudia Rodrigues ist in Luzern geboren und in Emmen aufgewachsen, ihre Eltern aber stammen aus Portugal. Auch diesen Sommer wird sie wieder Verwandte in der Nähe von Porto besuchen. «Die portugiesische Kultur wird bei uns zu Hause weiterhin gepflegt. Dazu zählen grosse Familienfeiern, an denen es viel Fleisch und Kartoffeln zu essen gibt.» Und dann ist da der Fussball, dem sie seit Kindesbeinen frönt und den sie in den letzten beiden Jahren beim FC Luzern auf höchster nationaler Stufe ausgeübt hat. Die Position der 1,60 Meter grossen Athletin ist das zentrale Mittelfeld, wo sie ihre Übersicht und die Passgenauigkeit ausspielen kann. Die eben abgelaufene NLA-Saison beendete der FCL auf dem vierten Platz.

Die grosse Lohnschere im Fussball

Fussball war auch das Thema ihrer Maturarbeit. «Wie wird der Frauenfussball in der Schweiz wahrgenommen?» Dieser Frage ging Claudia Rodrigues auf den Grund, und sie kam zum Schluss: «Wir sind auf gutem Weg zu mehr Anerkennung. Der Unterschied zu den Männern aber ist riesig. Uns fehlt es an Medienpräsenz, Zuschauerzahlen und Interesse.» Auch die Verdienstmöglichkeiten nahm sie unter die Lupe und stiess im internationalen Vergleich auf zwei verschiedene Welten. Während die mehrfache Weltfussballerin Marta aus Brasilien im Monat umgerechnet rund 3500 Franken erhalte, beliefen sich die Einkünfte von Argentiniens Superstar Lionel Messi im gleichen Zeitraum auf mehrere Millionen. Und wie einträglich ist das Leben als Fussballerin beim FC Luzern? «Es gibt keinen Lohn, und auch die Ausrüstung kaufen wir uns selber. Immerhin zahlen wir keinen Mitgliederbeitrag.»

Am (fehlenden) Geld liegt es nicht, dass sie fussballerisch nun etwas kürzer treten und den FC Luzern verlassen wird. «Ich habe während fünf Jahren sechsmal pro Woche trainiert. Für mich kommt nun die Zeit, um etwas Neues auszuprobieren», erklärt sie. Beach­soccer und Futsal (Hallenfussball) würden sie reizen, der Spass solle im Vordergrund stehen. Bleibt nur noch eine Frage an die schweizerisch-portugiesische Doppelbürgerin: Welches Land wird sie im womöglich entscheidenden WM-Qualifikationsspiel der Männer im nächsten Oktober unterstützen? Portugal oder die Schweiz? «Heikel», antwortet Claudia Rodrigues mit einem Lächeln, «hier ziehe ich den Joker.» Es sei ihr vergönnt, schliesslich hat sie in den letzten Wochen genug Prüfungen absolvieren müssen.

Stephan Santschi

stephan.santschi@luzernerzeitung.ch

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