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Sie schuften in der prallen Sonne – Firmen lehnen Baustopp wegen Hitze ab

Die Gewerkschaft Unia fordert, dass Bauunternehmen wegen der Hitze die Arbeiten im Extremfall einstellen. Den Firmen ist diese Forderung zu forsch. Sie setzen auf Duschen oder Schattenplätze.
Julian Spörri
Strassenarbeiter auf der Autobahn A2 bei Dagmersellen. (Bild: Dominik Wunderli, 24. Juni 2019))

Strassenarbeiter auf der Autobahn A2 bei Dagmersellen. (Bild: Dominik Wunderli, 24. Juni 2019))

Die Sonne brennt unermüdlich auf die orange-gekleideten Bauarbeiter. Am ganzen Körper läuft ihnen der Schweiss herunter. Der frisch geteerte Belag der Autobahn A2 bei Dagmersellen heizt den Arbeitsplatz zusätzlich auf. Kurz gesagt: Die heissen Temperaturen fordern die Bauarbeiter körperlich heraus.

Die Gewerkschaft Unia warnt vor den gefährlichen Folgen der Hitze für die Beschäftigten auf dem Bau. Sie fordert, dass Baustellen mit direkter Sonneneinstrahlung, zum Beispiel auf Autobahnen, und Baustellen mit starker Rückstrahlung (Teerflächen) bei Temperaturen über 35 Grad geschlossen werden. Steigt das Thermometer über 30 Grad, sollten nur noch Arbeiten am Schatten ausgeführt werden.

Baufirmen finden, dies sei der falsche Weg. Sie bevorzugen eine Beurteilung im Einzelfall. René Schurtenberger, Abteilungsleiter Tiefbau der Schmid Bauunternehmung mit Sitz in Ebikon, nimmt Stellung: «Egal ob Sommer oder Winter – das Wetter stellt uns ständig vor Herausforderungen. Wichtig ist, dass wir uns mit geeigneten Massnahmen dem Wetter anpassen und unsere Mitarbeiter davor schützen.» Schurtenberger führt aus: «Wenn man bei Hitze tagsüber nicht arbeiten dürfte, müssten die Arbeiten auf kühlere Tageszeiten verlegt werden, wie dies in südlichen Ländern in Europa bereits praktiziert wird. Ich gehe davon aus, dass die Akzeptanz für solche Arbeitszeiten bei unseren Mitarbeitern und Kunden – Stand heute – nicht gegeben ist.»

Bauarbeiter schützen sich mit Sonnencreme vor der Hitze. (Bild: Dominik Wunderli, Luzern, 24. Juni 2019)

Bauarbeiter schützen sich mit Sonnencreme vor der Hitze. (Bild: Dominik Wunderli, Luzern, 24. Juni 2019)

Die Unia hat für diese Argumentation kein Verständnis. Giuseppe Reo, Regioleiter der Unia Zentralschweiz, stellt klar: «Die Gesundheit der Arbeitnehmenden leidet bei hohen Temperaturen massiv, darum müssen wir handeln.» Mit dem heutigen Arbeitsmodell bleibe nichts anderes übrig, als Baustellen zu schliessen, wenn es zu heiss werde.

Kühlkappen und Duschen sorgen für Abkühlung

Die Bauunternehmen gehen mit der Hitze unterschiedlich um, wie eine Umfrage unserer Zeitung zeigt. Die drei angefragten Firmen – Schmid, Anliker und Marti Bauunternehmung – geben ihren Mitarbeitern gratis Mineralwasser und Sonnenschutz ab. Zudem werden Abkühlungsmöglichkeiten zur Verfügung gestellt: Bei Schmid in Form von Duschen auf der Baustelle, bei Anliker mit Kappen, die durch Nassmachen Kühlung verleihen.

René Schurtenberger von der Schmid Gruppe verweist auf Erfahrungen mit vergangenen Hitzewellen: «Wir haben jeweils am Morgen eher im südlichen Teil der Baustelle gearbeitet, am Nachmittag im schattigen Nordteil. Als es einmal besonders heiss wurde, haben wir bereits um 13 Uhr Schluss gemacht.»

Stahlbauer Mathias Gafner gönnt sich einen grossen Schluck Wasser. (Bild: Dominik Wunderli, Luzern, 24. Juni 2019)

Stahlbauer Mathias Gafner gönnt sich einen grossen Schluck Wasser. (Bild: Dominik Wunderli, Luzern, 24. Juni 2019)

Arbeitszeiten zu verschieben, das ist auch bei der Anliker AG in Emmenbrücke ein Thema. Roland Dubach, CEO Bau, sagt: «Wenn möglich werden die Arbeitszeiten angepasst, aber leider erlaubt die Lärmverordnung keine Arbeiten vor 7 Uhr.» Je nach Lage der Baustelle, etwa in einem Industriegebiet, sei aber eine Anpassung möglich.

Die Marti Bauunternehmung aus Luzern appelliert an die Bauführer und Poliere, dass sie die Hitze in der Planung berücksichtigen. Dazu gehöre auch, dass sie einen früheren Arbeitsstart mit den Bewohnern auszuhandeln versuchen, sagt Heinz Zwyssig, Leiter Arbeitssicherheit. «Und Mitarbeiter müssen Eigenverantwortung übernehmen und sich mit den zur Verfügung gestellten Materialien schützen.»

Nicht nur das Baugewerbe ist von den heissen Temperaturen betroffen – Landschaftsgärtner verrichten ihre Arbeit ebenfalls im Freien. Gemäss Raphael Achermann, Geschäftsführer der Horwer Burri&Achermann AG, können die Mitarbeiter mit extremen Hitzephasen umgehen. Was heisst das konkret? «Am Morgen kann man schon früher mit Arbeiten beginnen und dafür am Mittag eine längere Siesta einlegen.» Die Aufruhr rund um die aktuelle Hitzewelle findet Achermann etwas übertrieben: «Arbeits- und Gesundheitsschutz ist bei uns zwölf Monate im Jahr ein Thema, nicht nur jetzt, wenn alle über die Hitze reden.»

Schulunterricht im Wald oder ein Ausflug in die Badi

Über angepasste Unterrichtszeiten – sprich: hitzefrei – würden sich wohl einige Schüler freuen. Doch Charles Vincent, Leiter der Dienststelle Volksschulbildung, winkt ab: «Es gibt in Luzern kein generelles Hitzefrei. Die Unterschiede zwischen den Schulen sind zudem gross. Alte Gebäude wie das St. Karli Schulhaus erwärmen sich langsam, in den modernen Schulhäusern gibt es oft Kühlsysteme.» Sollte es trotzdem unerträglich heiss werden, hätten die Lehrer genügend Spielraum: Gerade in den letzten Wochen des Schuljahres seien Exkursionen, Unterricht im Wald oder ein Ausflug in die Badi möglich.

Nachrichtenbeitrag von Tele1 vom 25. Juni 2019:

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