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Diese Luzernerinnen tauschen Schreibtisch gegen Bauhelm und Arbeitshose

Zwei Mitarbeiterinnen der Hochschule Luzern verlassen für einen Tag ihr gewohntes Arbeitsumfeld, schmeissen sich in Arbeitskleider und packen auf einer Baustelle mit an. Kann das gut gehen? Ein Besuch vor Ort.
Ines Häfliger
Petra Spichtig (hinten) und Sarah Zumerle schleifen Schalungsplatten ab. (Bild: Pius Amrein (Adligenswil, 27. Juni 2018))

Petra Spichtig (hinten) und Sarah Zumerle schleifen Schalungsplatten ab. (Bild: Pius Amrein (Adligenswil, 27. Juni 2018))

Kommandos werden einander zugerufen, Hammerschläge und das Geräusch von kreischenden Bohrmaschinen erfüllen die Luft, ab und zu kracht es gewaltig. Auf der Baustelle an der Udligenswilerstrasse 66 in Adligenswil herrscht Hochbetrieb. Aber nicht Normalbetrieb: Die Bauarbeiter haben zwei «Bürogummis» zur Verstärkung erhalten. Petra Spichtig und Sarah Zumerle heissen die beiden Frauen, die für einen Tag Schreibtisch und Bürokleidung gegen Schaufel und Bauhelm getauscht haben.

Petra Spichtig und Sarah Zumerle nehmen an der siebten Impulswoche teil, die vom Netzwerk «Unternehmen Verantwortung» organisiert wird (siehe Kasten). Die beiden Sachbearbeiterinnen, die bei der Hochschule Luzern in der Abteilung Weiterbildung arbeiten, sind vor allem aus Neugier nach Adligenswil gefahren. Die Arbeit auf der Baustelle sei ein Kontrast zum Büroalltag, so die 37-jährige Sarah Zumerle. «Mich interessiert, was auf einer Baustelle so abläuft. Und natürlich will ich auch selbst anpacken», sagt Petra Spichtig.

«Mein Umfeld war ziemlich überrascht»

Dieser Wunsch wird sogleich erfüllt. Um 6.30 Uhr wartet die erste Aufgabe auf die beiden: Schalungsplatten müssen abgeschliffen werden. Sofort machen sich die an die Arbeit. Mit konzentrierten Mienen gleichen sie unebene Stellen aus, danach heben sie die schweren Platten auf eine Holzpalette. Nicht unbedingt eine Arbeit für zierliche Frauen. «Mein Umfeld war überrascht, dass ich mich auf den Jobtausch einlasse. Schliesslich bin ich nicht gerade ein Muskelprotz», erzählt Petra Spichtig schmunzelnd. Um dennoch für die körperliche Arbeit gewappnet zu sein, hat sie vorgesorgt: Pausensandwich und Teigwarensalat sollen der 47-jährigen Rothenburgerin die nötige Energie liefern.

Es ist 9 Uhr. Zeit für eine Znünipause in der Baracke. Petra Spichtig packt ihr Sandwich aus, ihre Bürokollegin begnügt sich mit einem Kaffee. Die anderen Bauarbeiter nicken den beiden Frauen zu. Es sei schade, dass es kaum Frauen auf dem Bau gebe, meint einer von ihnen. Umso mehr freut man sich über die zwei neuen Gesichter. Der 27-jährige Juan aus Argentinien sieht den Jobtausch als Chance, Vorurteile aus dem Weg zu räumen. Viele Leute würden Bauarbeiter mit einem groben Umgangston und schlechten Manieren in Verbindung bringen. Das sei schade. Sarah Zumerles erster Eindruck fällt in der Tat positiv aus: «Die Atmosphäre hier auf der Baustelle ist angenehm. Die Arbeiter scheinen super miteinander auszukommen.» Nicht nur Bauarbeiter, auch Bürolisten seien mit Klischees konfrontiert, sagt sie weiter: «Viele meinen, wir würden ständig Kaffeepausen machen und unproduktiv arbeiten.» Zu Unrecht, wie sie findet. Ihre Bürokollegin Petra Spichtig ergänzt: «Auf der Baustelle braucht es Muskelkraft, im Büro ist die Arbeit kopflastig.»

Sarah Zumerle fände es «cool», wenn nächstes Jahr ein Bauarbeiter Büroluft schnuppern käme. Doch zuallererst müssen die beiden ihre Aufgaben auf der Baustelle zu Ende bringen. Die Znünipause ist vorbei. Ein Arbeiter ruft ihnen zu: «Hopp, an die Arbeit – die Schalungsplatten warten!»

Für mehr soziales Engagement

Interessierte sollen neue Berufswelten können, das ist das Ziel der Impulswoche. Sie findet alljährlich im Juni statt. 34 privatwirtschaftliche Firmen und Non-Profit-Organisationen haben dieses Jahr am Projekt teilgenommen. Es stand eine breite Palette an sozialen und wirtschaftlichen Projekten zur Auswahl. Die Organisatoren erhoffen sich vom Projekt einen besseren Austausch zwischen wirtschaftlichen und gemeinnützigen Unternehmen. Zudem soll die Freiwilligenarbeit gefördert und der individuelle Horizont der Teilnehmenden erweitert werden.

Durchgeführt wird die Impulswoche vom Netzwerk «Unternehmen Verantwortung». Dieses wurde von der Eidgenössischen Kommission für Technologie und Innovation dem Institut für Soziale Arbeit der Hochschule Luzern sowie einigen Zentralschweizer Unternehmen gegründet. Ziel des Netzwerkes ist die Stärkung des gesellschaftlichen Verantwortungsbewusstseins von lokalen Unternehmen.

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