Sie will für die SVP in Horw den zweiten linken Gemeinderat aus dem Rat drängen

Juristin, weiblich, politisch erfahren: Mit Astrid David Müller präsentiert die SVP die nahezu ideale Kandidatin für den Horwer Gemeinderat. Vor einem Jahr hätte sie gute Wahlchancen gehabt – aber jetzt?

Roman Hodel
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Rechtsanwältin Astrid David Müller vor dem Gemeindehaus, in das sie als Gemeinderätin für die SVP gerne einziehen würde.

Rechtsanwältin Astrid David Müller vor dem Gemeindehaus, in das sie als Gemeinderätin für die SVP gerne einziehen würde. 

Jakob Ineichen,
Horw, 12. Februar 2020

Die Sitzverteilung nach Parteien im Horwer Gemeinderat geht aktuell so: Zwei Mal CVP, einmal FDP und zwei Mal L20. Vor allem Letzteres ist so gar nicht nach dem Geschmack der SVP. Jene Partei, die seit Oktober nicht mehr in der Exekutive vertreten ist. Dies, nachdem ihr Kandidat Oliver Imfeld den Sitz von Robert Odermatt im Juni nicht verteidigen konnte und dieser an die L20 ging. Doch am 29. März will die SVP die Konkordanz wiederherstellen – mit Verweis auf ihren Wähleranteil, 20 Prozent bei den eidgenössischen Wahlen im vergangenen Herbst. 

Richten soll es Astrid David Müller. Die einzige Herausforderin der bisherigen Gemeinderäte bringt vieles mit, was einer Kandidatin gut ansteht: So war die verheiratete Mutter von zwei Kindern zunächst in mehreren gemeinderätlichen Kommissionen sowie in der Schulpflege tätig. Später politisierte die 54-Jährige im Einwohnerrat, stand dort der SVP-Fraktion vor. Zudem betreibt die Juristin eine eigene Anwaltskanzlei, hat beruflich oft mit Ämtern und Gerichten zu tun und kennt somit die Behörden. Schliesslich ist sie eine Frau, wovon es in den Exekutiven ohnehin nicht zu viele gibt, schon gar nicht aus den Reihen der SVP.

Soweit so gut. Wäre David vor einem Jahr bei der Ersatzwahl als Kandidatin vorgeschlagen worden, hätte sie wohl gute Chancen gehabt, Gemeinderätin zu werden. Doch die Partei setzte auf Imfeld. David wurde lediglich als wilde Kandidatin ins Spiel gebracht – von der CVP. Nun sind ihre Wahlchancen wesentlich geringer, denn sie müsste einen Bisherigen aus dem Amt jagen. Trotzdem stellt sich David zur Verfügung. Sie sagt:

«Ich bin nicht der Typ, der auf beleidigt macht.»

Schliesslich gehe es um etwas Grösseres. «Ich möchte dafür sorgen, dass wieder alle politischen Kräfte in der Exekutive eingebunden sind.» Im Visier hat sie wenig überraschend den Sitz von Jörg Stalder (L20), der das Immobilien- und Sicherheitsdepartement von der SVP übernommen hat. David sagt über ihn:

«Ich kenne ihn gut und schätze ihn sehr, auch wenn wir in verschiedenen Belangen unterschiedliche Auffassungen haben.»

Aber er habe von der Zersplitterung der bürgerlichen Stimmen profitiert. Wobei sie im selben Atemzug selbstkritisch nachschiebt, dass sich die SVP die gute Ausgangslage letztlich «selber vermasselt hat».

Thematisch verspricht sie als künftige Gemeinderätin typische SVP-Anliegen: Zum Beispiel genügend Gratis-Kurzzeitparkplätze im Dorfzentrum und den Erhalt des Gewerbes. Zudem möchte sie, dass Horw moderater wächst, denn da stelle sie bei der Bevölkerung aufgrund der «übertriebenen Bautätigkeit» zunehmend Besorgnis fest. Ferner stört sich David daran, dass jede Grünfläche mit Steuergeldern durchgeplant werden soll. Es müsse auch «echte Freiräume für die Bevölkerung» geben – nicht Flächen, die aus Naturschutzgründen nicht mehr betreten werden dürfen. Sie sagt:

«Mir hat jemand von der Pfadi erzählt, sie dürften nicht einmal mehr einen Nagel einschlagen im Wald.»

Unterstützung erhält David offiziell zwar weder von der CVP noch von der FDP. Es existiert jedoch ein bürgerliches Komitee namens «Fachkompetenz und Konkordanz». Das Gründungsteam besteht aus Vertretern aller bürgerlichen Parteien und empfiehlt alle bürgerlichen Kandidaten zur (Wieder-)wahl. Auffallend ist: Unter den CVPlern und FDPlern sind keine Vorstandsmitglieder oder Parlamentarier. Das passt irgendwie zu den Reaktionen, die David auf der Strasse erlebt: «Die Leute sagen mir zwar, sie fänden es gut, dass ich kandidiere, aber viele wollen sich aufgrund der speziellen Ausgangslage nicht öffentlich positionieren.»

Bei einer Wahl würde sie ihre Anwaltskanzlei trotz 60-Prozent-Pensum als Gemeinderätin weiterführen. «Die Anwaltsmandate könnte ich gut einteilen, zumal das Gemeinderatsamt für mich klar im Vordergrund stände.» Interessenkonflikte? «Die gäbe es nicht», betont sie. «Ich führe  als Anwältin keine Mandate, welche die Gemeinde Horw betreffen.»

Hinweis: Bereits erschienen sind die Porträts aller fünf bisherigen Horwer Gemeinderäte, die zur Wiederwahl antreten und zwar am 14. und am 29. Februar.

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