Sieben politische Urgesteine verlassen den Luzerner Kantonsrat

Zwölf der 120 Luzerner Volksvertreter sind nach Ende der Legislatur 16 Jahre oder länger im Amt. Nun ziehen sieben dieser Urgesteine einen Strich unter ihre Politkarriere. Die fünf erneut Kandidierenden machen vorab aus einem Grund weiter.

Lukas Nussbaumer
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Kantonsräte der CVP, SVP, FDP, SP und Grünen bei der Budgetdebatte vom Montag. (Bild: Nadia Schärli, Luzern, 22. Oktober 2018)

Kantonsräte der CVP, SVP, FDP, SP und Grünen bei der Budgetdebatte vom Montag. (Bild: Nadia Schärli, Luzern, 22. Oktober 2018)

Nach 24 Jahren ist Schluss: Der Stadtluzerner FDP-Kantonsrat Herbert Widmer wird 2019 nicht für eine siebte Legislatur kandidieren. Der amtsälteste Volksvertreter sagt der Politik aber nicht ganz Adieu. So bleibt er «auf Wunsch des jungen Teams» Mitglied der Geschäftsleitung der städtischen FDP.

Und auch als Gesundheitspolitiker wird der weit über die eigene Partei hinaus geschätzte Mediziner nicht in Vergessenheit geraten: Der frühere Präsident der Ärztegesellschaft des Kantons Luzern zeichnet weiterhin verantwortlich für das Magazin «Der Luzerner Arzt». Eine Tätigkeit, die der ehemalige Kantonal- und Stadtparteipräsident seit 1990 ausübt.

12 Politiker – 210 Jahre Erfahrung

Ausdauer zeichnet elf weitere Kantonsräte aus. Sie alle sind Mitte 2019, am Ende der Legislatur, 16 oder mehr Jahre im Amt. Sechs treten nicht mehr an, fünf wollen ihre Politkarriere fortsetzen, wobei sich Markus Gehrig (CVP, Luzern) noch nicht definitiv entschieden hat. Die inklusive Herbert Widmer zwölf Urgesteine der Kantonspolitik verteilen sich wie folgt auf die Parteien: CVP 5, SVP 4, FDP 2, SP 1. Zusammen verfügen sie über 210 Jahre Parlamentserfahrung, 127 gehen durch die sieben Rücktritte verloren.

Sitzleder beweist auch SVP-Parlamentarier Räto Camenisch, das älteste Ratsmitglied. Der Krienser feiert im kommenden Jahr zwar bereits seinen 74. Geburtstag. Doch das hält ihn nicht von einer weiteren Amtszeit ab. «Es wird aber sicher die letzte sein», sagt Camenisch, der seit 2011 im Kantonsrat sitzt – wieder, denn der fast in jeder Session als sehr engagierter Redner auftretende Arzt gehörte dem Rat schon zwischen 1995 und 2004 an. Ob er 2020 auch wieder für den Einwohnerrat Kriens kandidiert, lässt Camenisch offen.

Pensioniert – doch keine Spur von Politmüdigkeit

Genauso motiviert wie Räto Camenisch wollen seine Parteikollegen Guido Müller, Urs Dickerhof und Pius Müller ihre nächste Legislatur in Angriff nehmen. Er fühle sich trotz seiner 66 Jahre und trotz 16 Jahren politischer Tätigkeit nicht als Urgestein, sagt etwa Pius Müller. Erstens sei es «nie langweilig gewesen», zweitens habe es «immer wieder Herausforderungen gegeben», und drittens habe er «gelernt, Andersdenkenden zuzuhören und ihre Meinung zu akzeptieren».

Ebenfalls im Pensionsalter befindet sich Urs Dickerhof, der im August abgetretene Finanzvorsteher von Emmen. Doch auch bei ihm keine Spur von Politmüdigkeit. Er trete gerne wieder an – «und jetzt nur noch mit meiner persönlichen Meinung und ohne den Hintergrund als Gemeindevertreter», sagt der interimistische Fraktionschef der SVP. Die «Freude an der Politik» hat auch Guido Müller, den früheren SVP-Fraktionschef, zum Weitermachen bewogen.

Macht eine Amts- oder Altersguillotine Sinn?

16, 20 oder gar 24 Jahre im gleichen politischen Betrieb, weit über das Pensionsalter hinaus: Nützt das nicht ab? Geht da nicht irgendwann die Energie aus? Könnten Amtszeit- und Altersbeschränkungen der Politik mehr Dynamik verleihen? Nicht unbedingt, glaubt FDP-Präsident Markus Zenklusen. «Heutzutage sind 65-Jährige besser zwäg als vor zwei, drei Generationen», sagt der frühere Manager, der die Parteileitung als 62-Jähriger übernommen hat und jetzt 65 ist.

Ausserdem sei es wichtig, dass die steigende Zahl von Rentnern in den politischen Gremien gut vertreten sei. Diese Aussagen stünden nicht im Widerspruch zu den Statuten der FDP, wo eine vage formulierte Amtszeitbeschränkung verankert ist: «Die Amtszeit von Regierungsräten und eidgenössischen Parlamentariern ist pro Amt in der Regel auf vier Legislaturperioden beschränkt.» Ein fast gleich lautender Passus findet sich in den Statuten der CVP.

Laut Zenklusen muss jede Person individuell betrachtet werden. So sei es nicht sinnvoll, einer verdienstvollen Politikerin eine Kandidatur zu verbieten. Genauso wichtig für eine Partei sei jedoch ein ständiger Erneuerungsprozess. Das letzte Wort über Kandidaturen von Regierungs-, Stände- und Nationalräte hat sowohl bei der FDP als auch bei der CVP die Basis, also die Delegiertenversammlung. Bei Kantonsräten nominieren die Wahlkreisparteien – und diese kennen in ihren Statuten keine Amts- oder Altersguillotinen.