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SIEDLUNGSPROJEKT: Quartier in Dorfgrösse: Familien beleben Feldbreite in Emmen

In der Feldbreite ist in wenigen Jahren ein Quartier von der Grösse eines kleinen Dorfs entstanden. Wie lebt es sich an einem Ort, der nur aus Neuzuzügern besteht? Ein Augenschein.
Manuel Burkhard
Aktion zur Belebung des Quartiers: Bewohner verzieren den Pavillon in der Feldbreite mit Kreidemalereien. (Bild: Roger Grütter (Emmen, 5. Mai 2018))

Aktion zur Belebung des Quartiers: Bewohner verzieren den Pavillon in der Feldbreite mit Kreidemalereien. (Bild: Roger Grütter (Emmen, 5. Mai 2018))

Manuel Burkhard

region@luzernerzeitung.ch

Neuzuzüger, die nicht am gesellschaftlichen Leben teilhaben wollen, zunehmende Anonymität, Verlust der dörflichen Identität – das Schlafdorf ist das Schreckgespenst der Gemeinderäte. Inzwischen hat sich das Problem sogar um eine Ebene verschoben. Um der wachsenden Bevölkerung Wohnraum zu bieten, werden Quartiere hochgezogen, die von der Einwohnerzahl her kleinen Dörfern nahekommen. Beispiel: Die Feldbreite in Emmen, wo in den vergangenen zweieinhalb Jahren 1400 Menschen eingezogen sind. Wie lebt es sich an einem Ort, der so viele Leute neu zusammenbringt?

Die Feldbreite sollte ein lebendiges, familiäres Quartier werden. Das Projekt hatte jedoch Anlaufschwierigkeiten. Anfänglich zogen die Wohnungen vor allem Singles und junge Paare an. Die grosszügigen Grün- und Freiflächen waren meist leer und still. Inzwischen hat sich das geändert, wie ein Augenschein am vergangenen Samstag zeigte. Die Bänke auf den Grünflächen waren von Jugendlichen in Beschlag genommen, um den Pavillon auf dem zentralen Platz spielten Kinder. Wobei es ein besonderer Tag war. Nachdem die Grundeigentümer im vergangenen Herbst bereits ein Quartierfest initiiert hatten, stand nun der Pavillon im Fokus. Bernard Illi vom Alfred-Schindler-Fonds: «Der Pavillon soll ein Begegnungsort sein.» Zu diesem Zweck wurden einige Wände mit Wandtafellack überzogen – das Bauwerk als Spielzeug.

Im Schnitt 2,3 Personen pro Wohnung

Der Workshop am Feldbreite-Pavillon wurde von der Hochschule Luzern - Design&Kunst initiiert. Die Hochschule setzte sich während zwei Semestern intensiv mit dem Thema Kunst am Bau in der Feldbreite auseinander. Alle Bewohner des Quartiers waren eingeladen, die Pavillonwände im Rahmen eines Kreideworkshops erstmals zu verzieren. Gekommen sind aber vor allem die Kinder und ihre Eltern. Das ist symptomatisch. Der Radius von Kindern ist eingeschränkt, ihr Freundeskreis muss in der Nähe sein. Leute ohne Kinder pflegen ein Sozialleben, das sich ausserhalb des Quartiers abspielt. Kinderlose Haushalte sind noch immer die Regel in der Feldbreite. Bernard Illi schätzt die durchschnittliche Wohnungsbelegung auf 2,3 Personen.

Doch für dort lebende Familien macht das keinen Unterschied. Lucia Mosimann, die mit ihrem Mann und zwei kleinen Kindern seit einem Jahr in der Feldbreite wohnt, sagt: «Das Quartier bietet viel freie Fläche zum Spielen. Und man lernt schnell andere Leute kennen – vor allem solche, die auch Kinder haben.» Ihre Nachbarn Eva und Ivan Roth, die mit ihren zwei jugendlichen Kindern in der Feldbreite wohnen, bestätigen diese Einschätzung: «Anfänglich hatte ich etwas Respekt davor, in ein so grosses Quartier zu ziehen», erzählte Eva Roth. Doch der Ruf der Anonymität, der grossen Überbauungen anhaftet, bestätigte sich nicht. «Man muss den Kontakt halt wollen», sagt Ivan Roth, «dann findet man ihn auch».

Den Kindern gefällt es im Quartier

Mit ihrer Aussage sprechen sie einen zentralen Aspekt des Zusammenlebens an. Man kann einem Quartier nicht ein Sozialleben aufzwingen. Es spielt sich zwischen denen ab, die das wünschen. Einer, der das Quartier und seine Bewohner besonders gut kennt, ist Hauswart Claudio Arnold. Er bestätigt: «Das Quartier lebt.» Das von den Eigentümern initiierte Quartierfest etwa wird dieses Jahr von den Bewohnern weitergeführt. Und Arnold trägt seinen Teil dazu bei; an diesem warmen Samstagnachmittag zum Beispiel, indem er aus einer grossen Tasche Glace verteilt.

Soweit die Einschätzungen der Erwachsenen. Doch das abschliessende Urteil überlässt man am besten den Direktbetroffenen: den Kindern. Sarah Aouichaoui (10) hat die Wand des Pavillons mit einem grossen Regenbogen verziert. Sie wohnt mit ihren Eltern und fünf Geschwistern seit bald einem Jahr in der Feldbreite. Wie gefällt es ihr hier? «Es hat viele Kinder hier, und ich habe viele neue Freundinnen gefunden.» Wie freundschaftlich das Zusammenleben ist, demonstriert sie gleich selbst: Obwohl Anhängerin von Real Madrid, hilft sie, den Pavillon um ein Wappen des FC Barcelona zu erweitern.

Im Quartier ist noch Raum für mehr Familien. Doch der Augenschein vor Ort zeigt: Nach zweieinhalb Jahren ist aus dem Wohn- ein Lebensraum geworden.

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