Mehr Platz, enger Zeitplan: So sehen die Pläne für das neue Luzerner Kinderspital und die Frauenklinik aus

Jetzt ist klar, wie die beiden Neubauten des Luzerner Kantonsspitals aussehen sollen. Regierung, Spitalrat und Ärzte wollen das 200-Millionen-Projekt möglichst rasch realisieren.

Niels Jost
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So sollen das neue Kinderspital und die neue Frauenklinik dereinst aussehen.

So sollen das neue Kinderspital und die neue Frauenklinik dereinst aussehen.

Visualisierung: PD

Von einem «Meilenstein» und einem «grossen Freudentag» war am Mittwoch die Rede, als das Siegerprojekt für die Neubauten des Kinderspitals und der Frauenklinik des Luzerner Kantonsspitals (Luks) vorgestellt wurden. Diese sind aufgrund der engen Platzverhältnisse und der nicht mehr zeitgerechten Infrastruktur nötig. «Mit dem Projekt erreichen wir eine Qualitätssteigerung, welche für die ganze Zentralschweiz von Bedeutung ist», sagte Spitalratspräsident Ulrich Fricker.

Zwischen 170 und 200 Millionen Franken lässt sich das Luks die Neubauten kosten - und weitere Grossprojekte wie die neuen Spitäler in Wolhusen (Baustart 2020/21) und Sursee (unklar) sowie der Ersatzbau des Hauptgebäudes in Luzern stehen (2035) an. Insgesamt investiert das Luks in den nächsten 15 Jahren rund eine Milliarde Franken.

Bauphase 1: Das Kinderspital (linkes, blaues Gebäude) und die Frauenklinik (rechts) werden bis 2025 fertiggestellt. Das alte Kinderspital sowie das Besucher-Parkhaus (weiss) werden abgerissen.
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Bauphase 2: Neubau für besucherintensive Angebote wie den Ambulatorien. Hier wird sich künftig der Haupteingang befinden, nicht mehr wie heute im Hochhaus. Das neue Gebäude liegt direkt an der Spitalstrasse und damit in nächster Nähe zum ÖV.
Bauphase 3: Das Spitalzentrum im Hochhaus aus dem Jahr 1982 (weiss) wird rückgebaut. Nebenan entsteht ein Neubaukomplex. Im Ergeschoss und im Obergeschoss sind alle Baufelder zusammengebaut, womit eine zentrale Einheit für OPs, Diagnostik und weiteres entsteht.
Endzustand: So soll das Areal des Luks 2035 aussehen. Das Baufeld, wo heute noch das Hochhaus steht, soll für die nächsten Generationen für Ersatzbauten zur Verfügung stehen.

Bauphase 1: Das Kinderspital (linkes, blaues Gebäude) und die Frauenklinik (rechts) werden bis 2025 fertiggestellt. Das alte Kinderspital sowie das Besucher-Parkhaus (weiss) werden abgerissen.

Visualisierung: PD

Spenden: Gespräche mit Stiftung laufen

Die Investitionen muss das Spital selber finanzieren. Dies war eine Vorgabe vom Kanton als Eigentümer. Daran hat sich nichts geändert: «Für das Kinderspital und die Frauenklinik sind keine Investitionsbeiträge seitens des Kantons Luzern nötig», stellte Luks-CEO Benno Fuchs klar. Auch der zuständige CVP-Regierungsrat Guido Graf sagte: «Für das Projekt stellen wir keine zusätzlichen Steuergelder zur Verfügung.»

Die Finanzierung sei gesichert, so Fuchs. Nach wie vor offen ist das Luks für allfällige ergänzende Spendeneinnahmen. Entsprechende Abklärungen mit der Luzerner Spitalstiftung Paul und Gertrud Fischbacher-Labhardt laufen, sagte der CEO. Die Stiftung hat bereits einige Sanierungen am bestehenden Kinderspital finanziert. Nicht ausschliessen möchte Fuchs zudem, dass Privatpersonen die Initiative für eine Spendenaktion starten. Das Luks werde als öffentlich-rechtliche Anstalt in dieser Hinsicht jedoch nicht selber aktiv.

Internationale Büros haben sich beworben

Das nun vorgestellte Siegerprojekt mit dem Namen «Schmetterling» stammt vom Generalplanerteam Burkard/Meyer aus Baden und Bollhalder/Eberle aus St. Gallen. Total 19 Büros hatten sich beworben, fünf kamen in die engere Auswahl, führte alt FDP-Nationalrat Peter Schilliger aus. Der Udligenswiler ist Vize-Präsident des Spitalrats und stand dem Entscheidungsgremium vor. «Auch internationale Teams haben sich beworben.» Die Sieger hätten bereits Erfahrung mit ähnlichen Projekten, so Schilliger. Der Entscheid für den «Schmetterling» sei einstimmig gefallen.

Hell und verspielt: So soll sich der Aufenthalts- und Spielraum des neuen Kinderspitals präsentieren.

Hell und verspielt: So soll sich der Aufenthalts- und Spielraum des neuen Kinderspitals präsentieren.

Visualisierung: PD

Schilliger hob die Komplexität des Grossprojektes hervor. Alleine 80 Kriterien galt es für die Funktionalität zu erfüllen, etwa hinsichtlich betrieblicher Abläufe, der modularen Infrastruktur oder des Erschliessungskonzepts. Auch die städtebauliche Verträglichkeit sei umfassend geprüft worden. So sass etwa der Luzerner Stadtarchitekt Jürg Rehsteiner in der Jury.

Heikle Transporte fallen weg

Durch das Bauvorhaben werden das Kinderspital und die Frauenklinik unter einem Dach vereint. «Das vereinfacht die Abläufe enorm», sagte Thomas Neuhaus. Der Departementsleiter Kinderspital nannte ein Beispiel: Heute müssten extrem Frühgeborene und schwerstkranke Babys von der Frauenklinik in die neonatologische Intensivstation ins andere Gebäude ins Kinderspitals gebracht werden. «Diese Transporte stellen ein Risiko für die Neugeborenen dar», so Neuhaus. Das werde sich ändern. «Die Wege werden kürzer, die hochspezialisierte Medizin ist künftig Tür an Tür.»

Insgesamt wird das Kinderspital seine Kapazität von heute 97 Betten auf 120 erhöhen, die Frauenklinik von rund 45 auf 65 Betten. Neu gibt es lediglich Einzelzimmer, was dem heutigen Bedürfnis der Patienten entspräche.

«Einsprachen können wir uns nicht leisten»

Eng ist dafür der Zeitplan: Bis Ende 2025 sollen die beiden Neubauten stehen. «Das ist extrem ambitioniert», sagte Luks-CEO Benno Fuchs. «Wir sind aber guter Dinge, dass es klappt. Einsprachen können wir uns jedoch nicht leisten.» Fuchs betonte auf Anfrage, dass man mit den Nachbarn einen guten Dialog pflege und sie laufend informiere. Aufgrund der ausführlichen städtebaulichen Abklärungen und dem Einsitz von Stadtarchitekt Jürg Rehsteiner rechnet Fuchs nicht mit Einsprachen seitens Verbänden.

Um den Zeitplan einhalten zu können, haben die ersten Vorarbeiten bereits begonnen. Ende Jahr soll mit dem Aushub gestartet werden, der rund 14 bis 17 Monate dauern wird. «Pro Tag werden rund 50 Lastwagen insgesamt 180'000 Kubikmeter Erde abführen», sagte Fuchs. Dies werde über die Friedentalstrasse geschehen.

Der Spitalbetrieb wird während den Bauarbeiten aufrecht gehalten. Das 20-jährigen Gebäude, wo heute die Frauenklinik einquartiert ist, wird saniert. Die Infrastruktur wie die Ambulatorien oder die Bettenstationen können danach weitergenutzt werden.

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