Silvester
Private Feuerwerke: Noch immer knallt es vereinzelt – zum Leidwesen der Tiere

Kritiker bemängeln die aus ihrer Sicht viel zu lauten und zu lange dauernden privaten Silvesterfeuerwerke. Könnten atmosphärische Illuminationen wie zurzeit am Lichtfestival in Luzern ein Ersatz sein?

Hugo Bischof Jetzt kommentieren
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Feuerwerk am Luzernerfest 2018. Feuerwerke im privaten Kreis sind kleiner, aber oft ebenso laut.

Feuerwerk am Luzernerfest 2018. Feuerwerke im privaten Kreis sind kleiner, aber oft ebenso laut.

Bild: Philipp Schmidli (Luzern, 30. Juni 2018)

Einige Privatpersonen zündeten Feuerwerke zum jüngsten Jahreswechsel schon ab dem 27. Dezember. Und noch bis vor wenigen Tagen explodierten vereinzelt Raketen über Wohn- und Spaziergebieten. In Leserbriefen wurde deshalb viel Kritik geäussert. Von «Terror» war darin die Rede. Auch besorgte Hundehalterinnen und Hundehalter meldeten sich zu Wort. Mit sensiblen Hunden habe man während Tagen nicht mehr spazieren gehen können, sagt etwa Markus Schärli.

«Trauma und Verängstigungen sehen wir häufig nach solch einer Knallerei», bestätigt Reto Barmettler von der Tierklinik Obergrund AG. «Viele Hunde kriegen präventiv Medikamente verschrieben, um diese Stunden zu überstehen.» Die Traumatisierungsgefahr sei hoch und weit verbreitet, «nicht nur bei Hunden, wohl auch bei den meisten anderen Tieren».

Nicht das Licht ist das Problem

Markus Schärli reichte 2021 beim Luzerner Stadtrat eine von 311 Personen unterschriebene Petition mit der Forderung nach einem Feuerwerksverbot auf dem ganzen Stadtgebiet ein. Der Stadtrat räumte in seiner Antwort ein, dass das Abbrennen von Feuerwerk «negative Auswirkungen auf Mensch, Tier und Umwelt hat». Da Feuerwerke auf Silvester und 1. August beschränkt seien, stufe er die Auswirkungen aber als nicht so stark ein, um Feuerwerke total zu verbieten. Er würde es aber begrüssen, wenn Veranstalter als Ersatz «vermehrt auf Licht- und Lasershows ausweichen».

Beleuchteter Kapellturm beim Lilu-Lichtfestival in Luzern.

Beleuchteter Kapellturm beim Lilu-Lichtfestival in Luzern.

Bild: Patrick Hürlimann (Luzern, 5. Januar 2022)

Dabei zieht die Stadtregierung einen Vergleich zum Lichtfestival Luzern (Lilu), das auch zurzeit wieder zu bestaunen ist. Atmosphärische Lichtinstallationen mit geringer Intensität, wie sie hier teilweise zum Einsatz kommen, seien aus Umweltschutzsicht am unproblematischsten, so der Stadtrat. Auch für Tiere seien nicht die Lichter, sondern die Knallerei das Problem, sagt Reto Barmettler von der Tierklinik Obergrund.

Vögel sind ebenfalls betroffen

Gemäss Markus Schärli braucht es «kreative Lösungen, da könnten Lichtinstallationen eine Möglichkeit sein». Allerdings: «Der Einzelne kann ja nicht gut ein Lilu organisieren. Würde nur schon die Knallerei verboten, aber leises Feuerwerk gestattet, wäre ein erster Schritt getan.» Auch Hundehalter hätten Verständnis, dass Kinder Freude an Feuerwerken haben.

«Aus Sicht der Vögel wäre insbesondere ein Verzicht auf diejenigen Feuerwerkskörper sinnvoll, die mit Knallgeräuschen und/oder Lichteffekten am Himmel einhergehen», sagt Martina Schybli von der Schweizerischen Vogelwarte in Sempach. «Vulkane oder bengalische Zündhölzer stören die Vögel vermutlich weit weniger.» Auch Lichtinstallationen, die lediglich Gebäude beleuchten, seien für Vögel vermutlich weniger problematisch, vor allem da die Geräuschexposition fehle. «Strahlt Licht jedoch in den Himmel, so kann dies für Vögel ebenfalls zum Problem werden», so Schybli.

Hersteller appelliert an Toleranz auf beiden Seiten

«Wir sind uns der Sensibilität dieses Themas bewusst», sagt Daniel Bussmann von der Bugano AG in Neudorf, einem der führenden Anbieter von Feuerwerk in der Region Luzern. «Wir appellieren an die Toleranz auf beiden Seiten, an die Feuerwerker, dass sie sich an die Zeiten zum Abbrennen von Feuerwerk halten, aber auch an die Tierhalter, dass sie auch den Feuerwerkern für einen kurzen Zeitraum im Jahr Platz lassen.» Dass in den beiden letzten Jahren die grossen Feuerwerke coronabedingt ausfielen, habe man in der Branche stark gespürt, sagt Bussmann: «Dafür kauften Private mehr Feuerwerksmaterial.»

Vulkane sind leiser und weniger belastend für die Tierwelt.

Vulkane sind leiser und weniger belastend für die Tierwelt.

Bild: Keystone

Was die Lautstärke betrifft, gehe der Trend in Richtung leiseres Feuerwerk: «Vor allem Vulkane sind sehr begehrt. Aber auch Töpfe sind bei den Kunden sehr gut angekommen.» Ein Verbot von lauten Raketen lehnt Bussmann aber ab: «Das wäre Salamitaktik, am Schluss würde alles verboten.»

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