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Interview

Der Kirchenchor Rothenburg erfindet sich neu – und heisst jetzt anders

Das Singen in einem Chor mit regelmässigen Proben ist vielen zu aufwendig. Auch der Kirchenchor Rothenburg spürt den Mitgliederschwund. Mit neuen Ideen geht es jetzt wieder aufwärts. Dirigent Walter von Ah erklärt die Hintergründe.
Roman Kühne
Der Chor Cantus Rothenburg bei einer Probe. (Bild: Dominik Wunderli, 28. November 2018)

Der Chor Cantus Rothenburg bei einer Probe. (Bild: Dominik Wunderli, 28. November 2018)

Walter von Ah, den Kirchenchor Rothenburg gibt es nicht mehr. Er hat einen neuen Namen.

Dirigent Walter von Ah. (Bild:PD)

Dirigent Walter von Ah. (Bild:PD)

Wir heissen jetzt Cantus Rothenburg. Die Sänger und Sängerinnen konnten Vorschläge einreichen. Dies ist der Name, der mit Abstand die grösste Zustimmung erhielt. Die Namensänderung ist für unser Image wichtig. Viele Leute haben uns als reinen Kirchenchor betrachtet. Das ist heute eher hinderlich, wenn man neue Mitglieder gewinnen möchte. Das Singen in der Kirche hat für viele ein verstaubtes Image. Auch der zeitliche Aufwand schreckt die Leute ab, die Präsenzzeit durch die vielen Gottesdienstgestaltungen.

«Messebegleitungen sind nur ein Teil von dem, was wir machen.»

Aber Sie singen ja trotzdem weiterhin in der Kirche?

Aktuell sind es fünfzehn Auftritte im Jahr. Diese Zahl wollen wir aber reduzieren. So singen wir zum Beispiel an Weihnachten nur noch ein Mal. Wir suchen auch andere, frischere Formen der Gestaltung. Eine Idee ist, dass nicht immer der ganze Chor präsent ist, sondern teilweise nur die Frauen gehen. Oder wir stellen eine Vorsängergruppe, die mit den Gottesdienstbesuchern neue Lieder erarbeitet. Dies könnte, vor allem an Familienfeiern, hervorragend funktionieren. Aber Messebegleitungen sind nur ein Teil von dem, was wir machen.

Wo ist der Chor sonst aktiv?

Wir geben regelmässig Konzerte. Vor einem Jahr hatten wir eine interessante Zusammenarbeit mit der Feldmusik. Wir sangen eine Messe von Jacob de Haan und Filmmusik. Auch veranstalten wir alle drei Jahre ein grösseres Konzert. Aktuell ist dies «Jubilate Deo» von Dan Forrest, eine Schweizer Erstaufführung. Wir haben das Glück, dass wir mit dem Sinfonieorchester Rothenburg ein gutes Ensemble vor Ort haben. Dadurch können wir solche grossen Projekte überhaupt finanziell stemmen.

«Das Werk ist wie eine grosse Filmmusik.»

«Jubilate Deo», ein modernes, aber sehr hörbares Werk.

Absolut. Es ist eine Vertonung des 100. Psalms. Dieser diente schon oft als Vorlage. Bei der Version des momentan sehr populären Amerikaners ist speziell, dass der Gesang in sieben Sprachen erklingt. Es ist eine kleine Weltreise in Latein, Hebräisch, Mandarin, Arabisch, Afrikaans und Spanisch. Diese Sprachen werden musikalisch umgesetzt. Dies ergibt eine abwechslungsreiche Mischung, von tänzerisch-rhythmisch bis hin zu nachdenklich-orientalisch. Das Werk ist wie eine grosse Filmmusik. Es gibt alles, von intim und leise bis wuchtig und monumental. Dies ist einerseits sehr attraktiv zum Singen, aber auch spannend zum Hören.

Und dies reicht, um jüngere Sängerinnen und Sänger langfristig zu begeistern?

Bei solchen Konzerten machen immer auch Gastsänger mit. Aktuell sind es dreissig Männer und Frauen, die unseren Chor ergänzen. Aber ein toller Auftritt alle paar Jahre reicht natürlich nicht. Wir haben vor einem Jahr eine Strategiegruppe ins Leben gerufen. Wir sind zwar immer noch ein relativ grosser Chor, haben seit langem zwischen 55 und 65 Mitgliedern. Aber auch bei uns steigt das Durchschnittsalter stetig an. Gerade bei den Männern wird es immer schwieriger, die Abgänge zu ersetzen. Aktuell haben wir nur noch fünf Tenöre – das ist knapp.

«Wir werden vermehrt auf spezielle Projekte setzen.»

Und diese Strategiegruppe hat neuen Wind in den Chor gebracht?

Wir haben zuerst die Mitglieder befragt, versuchten herauszufinden, warum die Leute singen, warum sie im Chor mitmachen. Eine wichtige Erkenntnis ist, dass wir vermehrt auf spezielle Projekte setzen werden. So machen wir beispielsweise immer an Pfingsten etwas Aussergewöhnliches wie «Jesus Christ Superstar» oder die «Misa Criolla». Letztes Jahr haben wir uns mit keltischer Musik beschäftigt. Solche reizvolle Programme bringen uns neue Mitglieder. Dieses Standbein möchten wir ausbauen.

Die «Projektitis» bringt aber auch Gefahren mit sich: sie könnte die regelmässigen Probengänger verärgern.

Es ist natürlich eine Gratwanderung. Eine Gefahr ist, dass mit zu vielen Projekten der Stammchor so klein wird, dass wir unseren kirchlichen Auftrag nicht mehr wahrnehmen können oder irgendwann kein Vorstand mehr existiert. Davon sind wir momentan zum Glück weit entfernt. Aber wir spüren natürlich die Nähe und Konkurrenz von Luzern. Es kann jedoch nicht sein, dass wir nur noch Mega-Projekte durchführen, um möglichst viele Sänger zu gewinnen. Wir sind zuversichtlich, dass wir viel zu bieten haben. Dies müssen wir den interessierten Musikern aber zeigen, sie «gluschtig» machen. Und dies gelingt am besten mit solchen speziellen Projekten.

«Man will sich nicht mehr verpflichten! Dies ist in vielen Vereinen zu beobachten.»

Warum ist es heute schwieriger geworden, Mitglieder zu finden?

Man will sich nicht mehr verpflichten! Dies ist in vielen Vereinen zu beobachten. Ich bin dabei, ich gehe jeden Mittwoch in die Probe – viele sagen, dass liege einfach nicht drin. Da müssen wir einen Mittelweg finden zwischen der wöchentlichen Probe und den speziellen Projekten. Die Pfingstgottesdienste sind hier natürlich perfekt. Mit nur fünf Mal üben hat man ein tolles Gesangserlebnis. Es ist der Projektgruppe und mir aber schon auch wichtig, das Niveau zu halten. Dieses ermöglicht uns, attraktiv zu bleiben und spannende Konzerte zu geben. Und dieses Niveau erreicht man halt nur mit einer konstanten Probearbeit. Womit wir wieder beim Spagat wären.

Hinweis
«Jubilate Deo» mit dem Cantus Rothenburg und dem Sinfonieorchester Rothenburg: Samstag, 8. Dezember, 20 Uhr, und Sonntag, 9. Dezember, 17 Uhr, Pfarrkirche Rothenburg. Weitere Infos: www.cantus-rothenburg.ch

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