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Dem Karaokeverein Rothenburg droht ein jähes Ende

Gesungen wird ab Monitor und aus vollen Kehlen: Wer sich regelmässig im Karaoke-Verein im Buzibachring trifft, pflegt Gesang und Geselligkeit. Trotz genügend Mitglieder droht dem Verein jedoch bald das Ende.
Sandra Monika Ziegler
Nadine und Susan stammen aus Berlin und singen zum ersten Mal in der Karaoke-Bar. Bild: Philipp Schmidli (Rothenburg, 28. Juli 2018)

Nadine und Susan stammen aus Berlin und singen zum ersten Mal in der Karaoke-Bar. Bild: Philipp Schmidli (Rothenburg, 28. Juli 2018)

«Es ist nicht wichtig, ob man singen kann oder nicht. Bei uns sind alle willkommen, die Freude am Karaoke-Singen haben oder Geselligkeit wünschen», sagt Roger Conti. Er ist Präsident des Karaoke-Vereins im Buzibachring in Rothenburg – dem ältesten und einzigen seiner Art. Gegründet wurde er im Mai 2004. Der Verein hat 2500 Gönnermitglieder und etwa 50 Aktive. «Es gibt aber auch solche, die wegen der Geselligkeit und der guten Musik kommen und nie ein Mikrofon in die Hand nehmen», beschreibt Roger Conti seine Gäste.

Singen sei ein bisschen wie Lachen und stecke sofort an: «Wer einmal auf der Bühne gestanden hat, der will immer wieder. Es ist einfach ‹de Plausch› und macht Spass.» Das gelte nicht nur für diejenigen, die singen, sondern auch für diejenigen, die zuhören.

Von Oldies bis zu den aktuellsten Charts

Zur Auswahl hat der Verein an die 84 000 Titel. Von verstaubten Oldies bis zu den aktuellsten Charts ist alles vorhanden. Den Songtext kann man auf der grossen Leinwand und vier Bildschirmen ablesen. Damit hat man eine 360-Grad-Rundumsicht, erzählt Conti stolz. Nebst Deutsch und Mundart sind auch Titel in Französisch, Englisch, Italienisch, Portugiesisch, Slavisch, Spanisch oder auch Vietnamesisch, Thailändisch, Mongolisch und Japanisch abrufbar. Am meisten werde aber in Deutsch und Englisch gesungen. Auch schon hätten Asiaten das Lokal betreten und seien begeistert gewesen, dass sie hier ihren Sound samt Text zu hören bekamen. «Singen macht glücklich und ist gut für die Seele», ist Conti überzeugt. Wenn dann doch Tränen fliessen, dann aus Rührung, weil das gespielte Stück Erinnerungen aufleben lässt.

Roger Conti (links) vom Karaoke Verein Rothenburg mit einem Sänger der eher forscheren Art. (Bild: Philipp Schmidli (Rothenburg, 28. Juli 2018))
Nadine und Susan aus Berlin wagen sich an «Torn» von Natalie Imbruglia. (Bild: Philipp Schmidli (Rothenburg, 28. Juli 2018))
Roger Conti vom Karaoke Verein Rothenburg stellt eine Playlist zusammen. (Bild: Philipp Schmidli (Rothenburg, 28. Juli 2018))
Eine Karaoke-Sängerin der gefühlvolleren Töne. (Bild: Philipp Schmidli (Rothenburg, 28. Juli 2018))
Auch das Publikum singt mit. (Bild: Philipp Schmidli (Rothenburg, 28. Juli 2018))
Harte Schale, weicher Kern – dem Publikum gefällt's. (Bild: Philipp Schmidli (Rothenburg, 28. Juli 2018)
Im Duett macht es doppelt soviel Spaass. (Bild: Philipp Schmidli (Rothenburg, 28. Juli 2018))
Die Mikrofone liegen bereit. (Bild: Philipp Schmidli (Rothenburg, 28. Juli 2018))
Roger Conti vom Karaoke Verein Rothenburg: «Es ist nicht wichtig, ob man singen kann oder nicht.» (Bild: Philipp Schmidli (Rothenburg, 28. Juli 2018))
Nadine klickt sich durch die Playlist. (Bild: Philipp Schmidli (Rothenburg, 28. Juli 2018))
Diese Karaoke-Sängerin zeigt viel Gefühl. (Bild: Philipp Schmidli (Rothenburg, 28. Juli 2018))
Ein potenzieller Sänger bei der Durchsicht der Playlist. (Bild: Philipp Schmidli (Rothenburg, 28. Juli 2018))
Susan und Nadine aus Berlin suchen sich einen Song aus der Playlist aus. (Bild: Philipp Schmidli (Rothenburg, 28. Juli 2018))
Es muss alles seine Ordnung haben: Auf der Wunschliste kann man sich eintragen. (Bild: Philipp Schmidli (Rothenburg, 28. Juli 2018))
14 Bilder

Karaoke-Abend in Rothenburg

Das Karaoke-Lokal ist jeweils von Donnerstag bis Sonntag von 20 bis 0.30 Uhr geöffnet, samstags bis morgens um vier Uhr. Aktivmitglieder zahlen einen Jahresbeitrag von 150 Franken. Wer Gönnermitglied ist, zahlt pro Besuch fünf Franken. Doch was sind das für Menschen, die da mitmachen? Conti lacht: «Das sind Leute jeglichen Alters, vom Teenager bis zum Rentner und aus jeder sozialen Bevölkerungsschicht. Sie reisen aus der ganzen Schweiz und aus dem benachbarten Ausland an.» Laut Conti hat es Mitglieder, die seit dem Start im Jahr 2004 dabei sind. Die meisten bleiben für immer oder zumindest über mehrere Jahre.

«Aus einem simplen Bäckerei-Lagerraum mit kargen Wänden und Decken haben wir in unzähligen Stunden unser schönes Vereinslokal erschaffen.»

Der Verein würde aber nicht nur Sänger vereinen, viele würden auch wegen der Geselligkeit kommen. Denn: Im Lokal wird auch gespielt. «Wir haben E-Dart, Töggelikasten, einen Billardtisch und diverse Brettspiele. Selbst Jassen, Eile mit Weile spielen und Jokern kann man hier. Ich betrachte den Verein auch als ein soziales Angebot. Ganz viele Menschen haben hier ein zweites Zuhause gefunden». Für Conti und seine Mitstreiter ist der Karaoke-Verein eine Herzenssache. Sie haben viel ins Lokal investiert: «Aus einem simplen Bäckerei-Lagerraum mit kargen Wänden und Decken haben wir in unzähligen Stunden unser schönes Vereinslokal erschaffen. Hergestellt für die Ewigkeit. Ein Eldorado für Karaoke-Begeisterte.»

Lokal sucht eine neue Bleibe

Umso niedergeschmetterter war Conti, als er die Kündigung für das Lokal sowie seine darüber liegende Wohnung entgegen nehmen musste. Nicht etwa wegen Lärm oder sonstigen Reklamationen, sondern, weil der aktuelle Besitzer Eigenbedarf angemeldet hat. Das Gebäude gehört der Remimag AG, die in unmittelbarer Nachbarschaft ihre Büros hat. Conti ist überzeugt, nichts falsch gemacht zu haben, um eine Kündigung auch nur ansatzweise zu rechtfertigen. Einziger Fehler: Der Verein hätte nie auf einen mehrjährigen Mietvertrag bestanden. «Das ist schon barbarisch, nach bald 15 Jahren gehen zu müssen und das auch noch mit fadenscheiniger Begründung.» Es sei ein «Schlag ins Gesicht» gewesen, denn anfänglich habe es mehrmals geheissen, der Verein könne bleiben. Doch an diese Zugeständnisse will sich der Vermieter laut Conti heute nicht mehr erinnern.

Conti hat für sich und seine Familie schon eine neue Bleibe in Aussicht. Doch für den Verein sehe es düster aus: «Wenn wir in absehbarer Zeit kein neues Lokal finden, wird mein Lebenswerk zerstört und der Verein müsste aufgelöst werden.»

Hinweis: Mehr Informationen gibt es unter www.karaokeverein.ch.

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