Siro Burkard baut Brücken zwischen der Luzerner Polizei und der ausländischen Bevölkerung

Die Luzerner Polizei hat vor einem Monat die neue Stelle des Brückenbauers geschaffen. Und den Verantwortlichen heute vorgestellt: Siro Burkard will der ausländisch stämmigen Bevölkerung einen einfachen Zugang zur Polizei bieten.

Alexander von Däniken
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Vermittelt für die Luzerner Polizei zwischen Behörden und Kulturen: Siro Burkard.

Vermittelt für die Luzerner Polizei zwischen Behörden und Kulturen: Siro Burkard.

Nadia Schärli (Emmenbrücke, 1. Dezember 2020)

Als Elektroniker hat er Sensoren mit Dioden verbunden, aber Siro Burkards Leidenschaft sind menschliche Kontakte. Der heute 29-Jährige absolvierte darum die Polizeischule und wurde 2014 Uniformpolizist in Luzern. Später patrouillierte er auf dem Velo bei der Bike-Police, kam mit noch mehr Menschen in Kontakt. Das reichte ihm nicht. Also bildete sich der in Auw im Freiamt aufgewachsene Mann weiter, absolvierte unter anderem Lehrgänge in transkultureller Kommunikation und Mediation.

Gleichzeitig hat sich die Luzerner Polizeiführung in den «Nationalen Aktionsplan zur Verhinderung und Bekämpfung von Radikalisierung und gewalttätigem Extremismus» vertieft. Mit dem Plan haben Vertreter von Bund, Kantonen und Gemeinden 2017 unter anderem festgelegt, dass die Polizeikorps bis 2022 die Beziehungen zu ausländischen Gemeinschaften vertiefen sollen. Als mögliches Modell ist explizit ein sogenannter Brückenbauer erwähnt. Die Luzerner Polizei hat die Stelle intern ausgeschrieben – und ist auf Siro Burkard gestossen.

Dem Präventionsdienst angeschlossen

Seit dem 1. November arbeitet Burkard nun als Brückenbauer. Seine Funktion ist dem Präventionsdienst unter der Führung von Erwin Gräni angeschlossen. Der Brückenbauer hat keine nachrichtendienstliche Funktion, sondern soll vorausschauend und integrierend wirken. Gräni sagte am Dienstag an einer Medienkonferenz: «Im Kanton Luzern wohnt eine grosse Anzahl an Menschen unterschiedlicher Herkunft, Religionen und Ethnien. Es gibt also einen Bedarf an einem interkulturellen Austausch.»

Mit diesem Austausch hat Burkard noch nicht begonnen: Zuerst will er sein Aufgabenprofil schärfen, zudem sei der Kontaktaufbau wegen der Pandemie nur eingeschränkt möglich.

«Ich werde aber sicher auf die Verantwortlichen von Kulturvereinen, Moscheevereinen und anderen ausländischen Gruppierungen zugehen.»

Wenn zum Beispiel eine Gruppierung das Gefühl hat, ihre Mitglieder werden von Polizisten besonders häufig kontrolliert, kann Burkard aufzeigen, dass sich die Polizisten an allerlei Regeln halten müssen; etwa das Polizeigesetz.

Siro Burkard wird auch kostenlose Referate anbieten, um Migrantinnen und Migranten über die Aufgaben der Polizei, Gesetze, Rechte und Pflichten aufzuklären. Umgekehrt kann er auch dem Korps Ratschläge geben, wie mit bestimmten Gruppen umzugehen ist. Auch kann er Ermittlern Kontakte zu Imamen oder Vereinspräsidenten vermitteln. Hier gibt es indes klare Grenzen: Burkard wird nie selber ermitteln oder seine Kontakte «verraten». Das Vertrauensverhältnis ausbauen und erhalten habe oberste Priorität.

Mehrheitlich wird Deutsch gesprochen

Verständigen wird sich Burkard meist in deutscher Sprache – selbst wenn er auch Englisch und Französisch spricht. Er geht davon aus, dass sich die Vereins- und Gruppenverantwortlichen in der Amtssprache ausdrücken können. Falls es doch einmal die Dienste eines Dolmetschers braucht, verfügt die Polizei über entsprechende Kontakte. Dem mit seiner langjährigen Partnerin in Luzern lebenden Brückenbauer ist bewusst, dass er durch seine Arbeit nicht alle ausländischen Personen, die im Kanton Luzern wohnen, erreichen kann. So ist zum Beispiel längst nicht jeder praktizierende Muslim Mitglied eines Moscheevereins. Trotzdem erhofft sich Burkard über die Vereine einen guten Draht zu möglichst vielen Ausländern.

Laut Erwin Gräni setzen grosse städtische Kantone wie Zürich, Bern oder Basel-Stadt bereits länger auf einen Brückenbauer; Solothurn hat die Funktion kürzlich ebenfalls eingeführt. Wenn sich die Stelle in Luzern bewährt, «würde in einem zweiten Schritt ein allfälliger Ausbau diskutiert». Aber zuerst gilt es für Burkard, den zwischenmenschlichen Lötkolben in möglichst vielen Kulturvereinen einzusetzen.