SITTEN/LUZERN: Nun sind drei Wölfe zum Abschuss freigegeben

Nach dem Entscheid in Luzern werden nun auch im Wallis zwei Wölfe zu Freiwild erklärt. WWF Schweiz reagiert «entsetzt» – und kritisiert auch das Vorgehen in der Zentralschweiz.

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Ein Wolf im Tierpark Goldau. (Bild Adrian Stähli/Neue LZ)

Ein Wolf im Tierpark Goldau. (Bild Adrian Stähli/Neue LZ)

Geschossen werden soll ein Wolf im Val d' Illiez im Chablais sowie ein zweiter Wolf im Val des Dix. Die zuständige Kommission, bestehend aus dem eidgenössischen Jagdinspektor Reinhard Schnidrig und dem Chef der Walliser Jagd-Dienststelle Peter Scheibler, war am vergangenen Dienstag zum Schluss gekommen, dass für die beiden Regionen die Kriterien für den Abschuss erfüllt sind. Mindestens 55 Schafe sind gerissen worden.

Zwei Wölfe – egal welche
Die Abschussbewilligungen sind 60 Tage gültig. Die Jagd beginnt voraussichtlich am morgigen Freitag. Als Jäger betätigen sich die Berufswildhüter der beiden Gebiete sowie deren Hilfswildhüter. Eine Garantie, dass die richtigen Wölfe geschossen würden, gibt es gemäss Scheibler nicht. Die Bewilligung bedeute nur, dass je ein Wolf geschossen werden dürfe, der den Jägern nahe der Schadensorte ins Visier komme.

Die Aktion erntet von der Umweltorganisation WWF harsche Kritik: «Die Schweiz ist sowieso schon Europameister, wenn es um die Abschussrate von Wölfen geht», sagt Kurt Eichenberger, Projektleiter Biodiversität. «Und das bei einem streng geschützten Tier und einem wirksamen Herdenschutz, der sogar im Ausland gerühmt wird!» Mit den derzeitigen Bestimmungen des Wolfskonzeptes und der heutigen Schafhaltung sei es nicht möglich, dem gesetzlichen Schutz des Wolfes nachzukommen.

Rekurse des WWF möglich
«Werden die Kantone im Herdenschutz nicht aktiv, bevor der Wolf anwesend ist, versagt das ansonsten gute Wolfskonzept, wie diese Woche in Luzern», so Eichenberger weiter. Der WWF prüfe in der kommenden Zeit die Fakten und wird daraufhin über allfällige Rekurse entscheiden. Ebenfalls suche er das Gespräch mit den betroffenen Bundesstellen, um die Mängel in Konzepten und Schafhaltung zu besprechen. Der WWF fordert ausserdem, dass Risse von ungeschützten Schafen in Präventionszonen des Bundes nicht mehr abgegolten werden. «Keiner darf dafür belohnt werden, dass er seine Schafe wissentlich über Jahre hinweg ungeschützt in Wolfsgebieten belässt», sagt Eichenberger.

ap/scd