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Situation auf dem Futtermarkt für die Luzerner Bauern spitzt sich zu

Die Luzerner Bauern leiden unter der Hitze und Trockenheit wie seit Jahren nicht mehr. Besonders beim Tierfutter kommt es zu Engpässen. Das wirkt sich erstens auf die Nährstoffbilanz aus – und dürfte die Futterpreise rasant steigen lassen.
Kilian Küttel
Landwirt Joe Schnider giesst einen trockenen Apfelbaum auf einem dürren Feld seines Hofs in Ballwil. (Bild: Philipp Schmidli, 29. Juli 2018)

Landwirt Joe Schnider giesst einen trockenen Apfelbaum auf einem dürren Feld seines Hofs in Ballwil. (Bild: Philipp Schmidli, 29. Juli 2018)

Hätten die Landwirte im Kanton Luzern einen Wunsch frei, sie würden sich wohl alle das gleiche wünschen: Regen. «Ich habe in 25 Jahren Landwirtschaft noch nie so etwas erlebt wie jetzt», sagt Joe Schnider, Vize-Präsident des Luzerner Bäuerinnen- und Bauernverbandes und Ballwiler SVP-Kantonsrat. Grund für Schniders Aussage ist wenig überraschend die seit Wochen anhaltende Trockenheit und Hitze. «Im Sommer 2003 war es auch schon schlimm und gefühlt noch heisser. Aber damals gab es wenigstens regelmässig Gewitter – heuer nicht», so Schnider, der in Ballwil 12 Hektaren Land bewirtschaftet und 40 Rinder, 20 Schafe sowie 3 Pferde im heimischen Stall stehen hat.

Die Hitze lässt nicht nur Schnider und sein Vieh schwitzen, sie erschwert den Bauern auch sonst das Leben. Denn aufgrund der Trockenheit wachsen die Gräser weniger als normalerweise oder sind bereits vertrocknet. Was bedeutet: Das Futter wird knapp.

Keine Einbussen – dank «höherer Gewalt»

Wegen des schlechten Wachstums wird Schnider auf Alternativen ausweichen müssen – nicht zuletzt auf die Vorräte, die er im letzten Jahr angehäuft hat. Wenn das nicht reicht, bleibt nur eine andere Variante: «Unter Umständen könnten einige Landwirte gar gezwungen sein, Futter zuzukaufen», sagt Franz Stadelmann von der kantonalen Dienststelle Landwirtschaft und Wald (Lawa). Das geht natürlich ins Geld. Doch es gibt noch ein anderes Problem: die Nährstoffbilanz nämlich. Diese muss ausgeglichen sein, wenn die Direktzahlungen fliessen sollen. Was hat es damit auf sich?

Kurz erklärt: Eine Weidepflanze liefert eine gewisse Anzahl Nährstoffe, ein Rind verbraucht diese beim Fressen, das Verhältnis hält sich also die Waage. Wenn ein Bauer nun aber Futter zukaufen muss, gehen durch die Gülle mehr Nährstoffe in die Umwelt zurück als die Pflanzen an sich benötigen würden. Zeigt sich bei einer Kontrolle, dass die Nährstoffbilanz nicht stimmt, werden den Bauern die Direktzahlungen gekürzt. Normalerweise. denn im aktuellen Fall verhält sich die Sache anders: Wie der Kanton mitteilt, müssen sich die Bauern nicht auf Kürzungen gefasst machen. Und zwar, wenn sie bei den kantonalen Behörden anmelden, dass die Bilanz wegen der aussergewöhnlichen Trockenheit nicht aufgeht. «Höhere Gewalt» lautet das Schlüsselwort. «Die Landwirte haben dadurch also keine finanziellen Einbussen zu befürchten», so Franz Stadelmann vom Lawa.

Gebiete im Norden des Kantons Luzern stärker betroffen

Auch Stadelmann bewertet die Situation im Kanton Luzern als angespannt – wenn auch nicht so prekär, wie es zum Beispiel in der Ostschweiz der Fall sei. In unserer Region seien aber die Gebiete im Norden stärker von den negativen Einflüssen der warmen Temperaturen betroffen als andere. Beispiele dafür seien das Seetal oder das Gebiet um St. Urban. Für Thomas Grüter ist deshalb das Bauern dieser Tage kein leichtes Unterfangen. Er ist der Betriebsleiter des Sonnhaldenhofs – mit 92 Kühen, 45 Rindern und über 500 Mastschweinen einer der grössten Höfe des Kantons: «Auch bei uns wird es langsam prekär. Die Weiden und Obstanlagen auf der Sonnenseite werden langsam rot bis braun», sagt der CVP-Kantonsrat und Gemeindepräsident von Pfaffnau.

Mit der Futterversorgung hat Grüter vorderhand keine Probleme, da er einerseits auf die Reserven des Vorjahres zurückgreifen kann. Andererseits benutzt Grüter eine besondere Kleegras-Sorte. Diese verfügt über lange Wurzeln und holt sich das Wasser daher von weiter unten. Heisst: Der Klee wächst auch dann noch, wenn es heiss und trocken ist. Nichtsdestotrotz hofft auch Grüter auf baldigen Regen: «Das würde ich mir wirklich sehr fest wünschen.» Einerseits tut er das natürlich aus Eigeninteresse, andererseits denkt er auch an die anderen Bauern und die Situation auf dem Futtermarkt: «Wir selber kaufen kein Futter zu, aber andere Landwirte könnten Probleme bekommen, wenn sie auf Einkäufe angewiesen sind.» Denn das Tierfutter, das Futterhändler verkaufen, werde meist importiert.

Erfahrungen aus dem Hitzesommer 2003 helfen

Da aber nicht nur die Schweiz, sondern der ganze Kontinent unter der Hitzewelle leide, dürfte die Nachfrage enorm steigen: «Und das könnte sich schnell auf den Preis auswirken.» Gleicher Meinung ist Joe Schnider: «Die Heupreise sind schon am Steigen. Schlimm wäre noch, wenn in dieser prekären Situation das gesömmerte Vieh wegen Wasser- oder Grasmangel zu früh von den Alpen abgezogen wird.»

Wie man in der Krise reagiert, beweist Thomas Grüter. Seine besondere Kleesorte benutzt er seit dem Hitzesommer 2003. Er nutzt also die Erfahrungen, die er vor 15 Jahren gemacht hat: «Eine gute Vorbereitung ist das A und O. Besonders dann, wenn die Bedingungen so schwierig sind wie jetzt.»

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