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Abwasser gelangt in Sempachersee - Taucher untersuchen Ausmass

Bei starken Regenfällen gerät Abwasser in den Sempachersee und in die Sure. Noch bevor der Grad der Verschmutzung untersucht wird, sind massive Gegenmassnahmen eingeleitet worden.
Stephan Santschi
Taucherin Martina Küng und die Gewässerökologen Sandro Wicki (links) und Ernst Roth bei der Arbeit. (Bild: Roger Grütter, Nottwil 12. Juli 2018))

Taucherin Martina Küng und die Gewässerökologen Sandro Wicki (links) und Ernst Roth bei der Arbeit. (Bild: Roger Grütter, Nottwil 12. Juli 2018))

Martina Küng taucht ab in den Sempachersee, in ihren Händen hält sie ein Klemmbrett und einen Stift, um sich unter Wasser Notizen machen zu können. Fein säuberlich prüft sie den Grund am Ufer des Sempachersees bei Nottwil und hält Ausschau nach Verschmutzungen. «Wir nehmen keine Wasserproben, sondern erfassen die Unterwasser-Vegetation und den äusseren Aspekt an den Untersuchungsstandorten. Dabei werden unter anderen Abfall, Schlammablagerungen und Feststoffe aus der Siedlungsentwässerung dokumentiert», erklärt Ernst Roth, Gewässerökologe bei der Aqua Plus AG aus Zug. Gemeinsam mit Sandro Wicki begleitet er die Taucherin in einem kleinen Boot.

Auftraggeberin ist die Gemeinde Nottwil, die im Rahmen der generellen Entwässerungsplanung herausfinden will, welchen Effekt das Abwasser auf die Wasserqualität im Sempachersee hat. Hintergrund sind die Speicherbecken und Regenüberläufe im Kanalisationsnetz, die bei grossen Regenereignissen einen Teil des Abwassers in den Sempachersee entlassen. «Dieses Mischsystem ist in der Schweiz weit verbreitet und ist dank grossen Subventionen des Bundes in den Siebzigerjahren entstanden», erklärt Umweltingenieur Gabriel Fricker, der sich als Projektleiter der Surseer Kost + Partner AG am Einsatz beteiligt.

Mischwasser fliesst bei starkem Regen in See

Im Mischsystem werden Regen- und Abwasser in denselben Leitungen abtransportiert. Bei intensivem Regenfall reicht die Kapazität dieser Leitungen nicht aus, weshalb ein Teil des Mischwassers in den See abgeleitet wird. Die Folgen für den Sempachersee sind bisher nicht untersucht worden.

Grundsätzlich lässt sich festhalten, dass die Phosphorkonzentration im nährstoffreichen und daher trüben Sempachersee trotz künstlicher Belüftung in den vergangenen Jahren wieder deutlich gestiegen ist. Zum Einzugsgebiet des Gemeindeverbands ARA-Surental gehören insgesamt zwölf Gemeinden mit rund 40'000 Einwohnern. Das Hauptsammelkanalnetz erstreckt sich über 45 Kilometer und leitet die Abwässer aus Haushalt, Industrie, Strassen und Gewerbe zur Kläranlage in Triengen (ARA Surental).

Nottwil: Abwasserleitung in den See

Direkte Abwasserleitungen in den See gibt es dabei nur in Nottwil. Eine findet sich an der Mündung des Eybachs unterhalb des Schweizerischen Paraplegiker-Zentrums, eine im Hafen nahe dem Bahnhof und eine dritte beim Seeblick neben der Mündung des Dorfbachs. Auf diese Bereiche konzentrierte sich denn auch das Team von Aqua Plus bei ihren Tauchgängen. «Wir stiessen teilweise auf Feststoffe wie Toilettenpapier und Feuchttüchlein, die aus der Siedlungsentwässerung stammen», berichtet Roth. Eine konkrete Auswertung stehe aber noch aus.

Analoge Untersuchungen machte man an den Abwasser-Einleitstellen in der Sure, in die das Wasser des Sempachersees abfliesst. Zwischen Oberkirch und Triengen gibt es zirka 25 davon. Dort gilt das Vorfinden von Wasserwirbellosen wie etwa Insekten als Vergleichswert für die Verschmutzung. «Am schlimmsten ist die Situation unmittelbar bei der ARA Surental in Triengen», erzählt Fricker.

Parallel dazu ermittelt Kost + Partner am Computer, an welchen Stellen am meisten Mischwasser in den Sempachersee läuft. «Im Jahr verzeichnen wir 120 bis 130 Regenereignisse. Wir errechnen, wie oft es zu einem Schub mit Schmutzstoffen kommt», erklärt Fricker.

«Situation muss verbessert werden»

In Nottwil steche die Einleitstelle bei der Mündung des Eybachs heraus, «gemäss der hydraulischen Simulation fliessen hier an 14 Regenereignissen insgesamt 8000 Kubikmeter Mischwasser pro Jahr in den Sempachersee». Umgerechnet sind das acht Millionen Liter, was ungefähr dem Fassungsvermögen von 53 000 Badewannen entspricht. Beim Seeblick seien es 1000 Kubikmeter, im Hafen noch etwa 350. Für Fricker steht schon jetzt fest: «Die Situation muss im gesamten Surental verbessert werden. Schliesslich sollte das Naherholungsgebiet geschützt und aufgewertet werden.»

Die Alternative zum Mischsystem ist das Trennwassersystem. Hierbei werden Regen- und Abwasser voneinander getrennt abgeführt. «Die Altstadt in Sursee und zahlreiche Neubaugebiete haben dies bereits eingeführt. Die langfristige Lösung ist eine grossflächige Umstellung», sagt Gabriel Fricker.

Da dieses Unterfangen an grosse finanzielle Aufwendungen geknüpft sei, dürfte das Endziel nicht vor dem Jahr 2060 erreicht werden. «Bis dahin gilt es, in kleinen Schritten vorwärts zu gehen. Fest steht: Zum Gelingen muss der politische Wille vorhanden sein.»

Gemeinden sollen Abwasser deutlich reduzieren

Dem Gemeindeverband ARA-Surental sei der Fahrplan an der Delegiertenversammlung im letzten März vorgeschlagen worden – mit positivem Feedback. «Die Delegierten haben die Umstellung auf ein Trennwassersystem als richtigen Weg deklariert», sagt Fricker.

Zudem wurde eine signifikante Reduktion des Mischabwasserkontingents über alle Verbandsgemeinden von aktuell 1600 auf zukünftig 500 Liter pro Sekunde als Ziel beschlossen. «Das ist für alle Verbandsgemeinden mit sehr grossen Anstrengungen verbunden.»

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