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Skandar Khan (21) will in den Luzerner Stadtrat: «Ich bin die Vertretung des linken, jungen Stadtlebens»

Der Stadtrat müsse mehr anpacken statt ewig abzuklären, findet der Juso-Kandidat Skandar Khan. Sein Credo ist der Kampf für Gerechtigkeit. Gerade deshalb zeigt er auch Herz für Autofahrer vom Land.

Simon Mathis
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Skandar Khan vor dem Eingang zum Neubad.

Skandar Khan vor dem Eingang zum Neubad.

Bild: Corinne Glanzmann, 5. Februar 2020

«Ich sehe mich als Vertretung des linken, jungen Stadtlebens», sagt Skandar Khan. In den Stadtrat wolle er nicht, um sich selbst zu inszenieren, sondern um eine Vision zu vertreten. Heruntergebrochen bestehe diese Vision darin, dass die Stadt Luzern nicht nur für Wirtschaft und Tourismus da sein soll, sondern in erster Linie für die Einwohner, das gemeinsame Miteinander.

Khan liegen grundsätzliche Fragen nach Gerechtigkeit am Herzen. Er spricht lieber über Inhalte als über sich selbst. Sein politisches Engagement ist allerdings eng mit seiner Biografie verknüpft: Khan stammt zur Hälfte aus Pakistan. Sein Vater ist früh gestorben, seine Mutter hat ihn und seine Schwester alleinerziehend grossgezogen. «Wir waren stark betroffen vom Prämienverbilligungs-Skandal», erzählt er.

«Ich konnte nicht verstehen, warum Superreiche Steuergeschenke bekamen, während wir finanziell litten, obwohl wir genauso hart arbeiten.»

Die Zustände in Pakistan zeigten mir, wie stark die globale Ungleichheit ist.» Das brachte ihn mit 18 Jahren in die Juso. Heute ist Khan 21 Jahre alt, Berufsmaturand, gelernter Zeichner – und will die Baudirektion der Stadt Luzern übernehmen: «Die Entwicklung des urbanen Wohnraumes ist spannend, ich würde sie gerne mitgestalten und -tragen.» Dabei sei ihm vor allem wichtig, das Wohnungsangebot zahlbar und mit hoher Lebensqualität zu gestalten. «Luzern soll sich nachhaltig Entwickeln. Wir müssen stärker gegen steigende Mieten und kurzsichtige Bauprojekte vorgehen.» Das Stadtleben werde zurzeit durch die Gentrifizierung verteuert.

«Als Junger ohne Geld ist es schwer, hier in Luzern etwas zu machen.»

In diesem Punkt wünscht sich Khan vom Stadtrat mehr Willenskraft, Projekte anzugehen: «Ich will mich für öffentliche Räume ohne Konsumzwang und eine frei zugängliche Jugendkultur einsetzen – auch unter Einbezug der alternativen Szene.» Skandar Khan ärgert sich zuweilen über die Bürokratisierung und Verlangsamung der Politik. «Oft diskutiert und analysiert der Stadtrat lang und breit, viele Projekte ziehen sich zäh dahin», findet Khan. Dabei denkt er an das Inseli und die Bahnhofstrasse. Mit Mut und «jugendlicher Naivität» will er da Abhilfe schaffen:

«Hin und wieder muss man einfach etwas anpacken und versuchen, statt ewig zu überlegen und abzuklären.»

Wer länger in der Maschinerie der Verwaltung arbeite, laufe Gefahr, das politische Feuer zu verlieren. Gefragt, ob ihm das selbst passieren könne, lacht er: «Ich hoffe nicht. Ich will jedenfalls kein ‹Politiker› im klassischen Sinne werden.»

In Sachen Verkehr stehe die Reduktion des Autoverkehrs im Vordergrund, findet Khan. Er spricht sich indes gegen Road Pricing aus. «In der Stadt Luzern denkt man manchmal zu egoistisch», sagt er.  «Road Pricing verdrängt den Verkehr in die Agglo.» Die Leute auf dem Land, die von einem Auto abhängig sind, sollen nicht bestraft werden. «Viel wichtiger ist es, die Busverbindungen in die Agglo zielstrebig und konsequent zu verbessern.»

Auf die Frage, wie sich die Juso von den Jungen Grünen abgrenzt, sagt Skandar Khan: «Die Jungen Grünen setzen ihren Fokus stärker aufs Klima. Er sieht dies auch als Chance; es gebe der Juso Gelegenheit, sich in anderen Feldern zu beweisen. Für Khan steht die linke Gesellschaftskritik im Zentrum. «Ich sehe Politik als ständigen Kampf der Schwachen gegen die Macht des Stärkeren. «Egal, was man von meiner Meinung in Einzelfragen hält, eines kann ich allen versichern: Kämpfen werde ich immer auf der Seite der Schwachen.» 

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