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Darum sind die Horwer in Sachen Skifahren seit 100 Jahren vorne mit dabei

Obwohl es in Horw weder eine Langlaufloipe noch einen Skilift hat, ist der örtliche Skiclub mit über 700 Mitgliedern einer der grössten Vereine der Zentralschweiz – und hat schon Olympiasieger hervorgebracht. Wie machen die das?
Roman Hodel

32 überdimensionierte, gut vier Meter Skier aus Holz, akkurat im Kreis angeordnet, und umgeben von weissen Stiefmütterchen. So präsentiert sich der Strassenkreisel Wegscheide im Horwer Dorfzentrum seit November. Es ist der unübersehbare Hinweis auf das Jubiläum eines grossen und traditionellen Horwer Vereins: Der Skiclub feiert nächstes Jahr sein 100-jähriges Bestehen.

Einige Tourenskifahrer hatten den Skiclub am 11. November 1919 im Hotel Rössli gegründet. Ihr Wirkungsgebiet lag damals noch quasi vor der Haustüre: Von der Fräkmüntegg kurvten die Männer über die Buholzerschwändi bis zur Eintracht hinunter. Ab den 1960er Jahren baute der damalige Vorstand dann eine nordische Abteilung auf, alsbald folgte die alpine. Um den Sportlern ein Ganzjahrestraining zu bieten, setzte der Verein ausserdem auf Leichtathletik. Das führte mitunter zu kuriosen Situationen: An einer Leichtathletik-Meisterschaft in Zug holte der Skiclub Horw mehrere Medaillen. «Der Speaker machte sich darüber lustig, dass ausgerechnet ein Skiclub dermassen abräumte», sagt Theo Niederberger.

In Kanada Indianer getroffen

Der heute 75-Jährige kennt die Vereinsgeschichte wie kein Zweiter – zusammen mit Werner Isenschmid rollt er diese nun für ein Buch auf. Darin erzählen Skiclübler von ihren Erlebnissen im Verein, sprechen «über Gott und die Welt», wie Niederberger es sagt. Nachzulesen sein wird auch, wie der Skiclub als «Schulsport Horw» von 1975 bis 2010 die Schweiz offiziell an den internationalen Meisterschaften der Schulen vertrat – und mehrfach Medaillen holte. Dabei kamen die Teilnehmer ziemlich herum. «In bester Erinnerung bleiben die Treffen etwa mit den Indianern in Kanada», so Niederberger. Zu Wort kommen im Buch zudem alle neun Olympiateilnehmer, die der Skiclub hervorgebracht hat. Darunter Hippolyt Kempf, Olympiasieger von 1988, und Nadine Fähndrich, Olympiateilnehmerin von 2018.

«Ich bin stolz für den Skiclub Horw starten zu dürfen und bin ihm sehr dankbar für alles, was er macht», sagt Nadine Fähndrich. Der Verein habe ihr durch Trainings, Lager und Wettkämpfe die Freude und Leidenschaft für den Langlauf vermittelt. Der 23-Jährigen wurde der Skiclub quasi in die Wiege gelegt durch ihre Eltern, ebenfalls langjährige Mitglieder. Gute Erinnerungen hat die professionelle Langläuferin nicht zuletzt an die Lager etwa über Weihnachten/Neujahr. «Diese waren immer ein Highlight», sagt sie. Für die Nachwuchsförderung und den Breitensport sei der Verein «sehr wichtig».

Mit über 700 Mitgliedern – das Älteste ist 96 Jahre alt – gehört der Skiclub denn auch zu den grössten Vereinen der Zentralschweiz. Das ist umso bemerkenswerter wenn man bedenkt, dass weder eine Langlaufloipe noch eine Skipiste gleich um die Ecke liegen. Im besten Fall ist die Loipe Eigenthal präpariert – ansonsten müssen die «Nordischen» ins Langis auf den Glaubenberg oder gar nach Realp ausweichen. Die «Alpinen» trainieren meistens auf Melchsee-Frutt.

Weite Anfahrtswege, dafür tiefe Jahresbeiträge

Diese Anfahrtswege sind es, die bei der Förderung von Talenten durchaus ein Hindernis darstellen können, wie Präsidentin Thérèse Spöring (55) sagt: «Im Winter trainieren die Aktiven jedes Wochenende im Schnee – der Aufwand gerade auch für die Eltern ist natürlich grösser, als wenn die Kinder bloss im Dorf ins Judo gehen.» Dafür seien die Jahresbeiträge mit 40 Franken (unter 16 Jahren) und 50 Franken (über 16) vergleichsweise tief angesetzt.

Ohnehin funktioniert der Skiclub ganz gut ohne Schnee: Im Sommer trainieren die Aktiven auf Rollskiern oder Inlineskates. Es gibt Bike- oder Laufgruppen – und Hallentraining geht sowieso immer. Kurz: Man kann sich an fünf Tagen die Woche fit halten. Wie bei anderen Vereinen auch, wäre dies alles kaum möglich ohne ehrenamtliches Engagement. «Wir finden selbst für die Breitensport-Angebote am Mittwochnachmittag immer wieder freiwillige Trainer», sagt Spöring.

Der Strassenkreisel Wegscheide im Skiclub-Look. (Bild: PD/Skiclub)

Der Strassenkreisel Wegscheide im Skiclub-Look. (Bild: PD/Skiclub)

Doch was ist denn nun das Geheimnis des Skiclubs? Wieso behauptet sich der «Flachland-Verein» wie es Spöring ausdrückt, nach wie vor gegenüber ähnlichen Clubs aus den Bergen? Sie sagt: «Wir sind einfach sehr aktiv und engagiert im Sport und Vereinsleben unterwegs.» Dem pflichtet Theo Niederberger bei: «Der Skiclub prägt das Dorfleben wie kein anderer Verein.» Wenn jemand Hilfe benötige, etwa um ein Fest auszurichten, seien die Mitglieder stets in grosser Zahl zur Stelle. Umgekehrt gilt: Wer in den Einwohnerrat oder in die Schulpflege will, ist laut Niederberger mit Vorteil im Skiclub dabei: «Parteiübergreifend wohlverstanden.»

Das Jubiläumsjahr fängt für den Skiclub ohnehin gut an. Der Verein erhält am 1. Januar von der Gemeinde Horw den Förderpreis 2018 überreicht, für das Jubiläumsbuch. Dessen Vernissage ist auf den 10. November 2019 terminiert. Ein weiteres Datum zum Merken: Das grosse Jubiläumsfest für geladene Gäste steigt am 25. Mai. Und damit das 100-Jährige den Horwern noch lange präsent ist: Die Ski-Installation auf dem Strassenkreisel Wegscheide bleibt bis Ende Mai 2019 bestehen.

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