SKISPORT: Die begehrten Stöckli in neuen Händen

Die Skimarke Stöckli wechselt den Besitzer. Die Familie Stöckli verkauft ihre Anteile an der Firma an die Entlebucher Familie Kaufmann. Stöckli-Präsident Niklaus Knüsel nimmt Stellung.

Interview Bernard Marks
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Niklaus Knüsel ist VR-­Präsident bei Stöckli. (Bild Manuela Jans)

Niklaus Knüsel ist VR-­Präsident bei Stöckli. (Bild Manuela Jans)

Niklaus Knüsel, Sie sind seit 2005 im Verwaltungsrat der Stöckli Swiss Sports AG. Viele Sportler fahren auf den Ski aus der Zentralschweiz an internationalen Wettbewerben Siege ein. Die Marke Stöckli ist weltweit bekannt wie nie zuvor. Warum haben die Eigentümer die Firma denn gerade jetzt verkauft?

Niklaus Knüsel: Mit dem Verkauf wollen die Familien Stöckli und Kaufmann die Zukunft der Firma sicherstellen.

Das verwundert. Ging es der Firma Stöckli denn in der letzten Zeit finanziell schlecht?

Knüsel: Nein, das war nicht der Grund. Aber nach einer eingehenden Analyse der Stärken, Schwächen und Chancen, haben wir erkannt, dass es dem Unternehmen Stöckli noch besser gehen könnte.

Wie genau soll das Ihrer Meinung nach gehen?

Knüsel: Stöckli muss und kann deutlich mehr wachsen, vor allem auch im Ausland. Bisher macht das Unternehmen mit 250 Mitarbeitern rund 65 Millionen Franken Umsatz. 40 Prozent der Produktion geht schon heute in den Export. Doch auch im Inland gibt es noch Potenzial für Stöckli. Dafür werden wir die Strategie des Unternehmens anpassen müssen. Die Marke Stöckli muss dafür noch stärker positioniert werden.

Ist Stöckli nicht bereits eine der stärksten Schweizer Marken im Ausland?

Knüsel: Stöckli ist der einzig namhafte Skihersteller der Schweiz. Sicher wird Stöckli mit Schweizer Werten, vor allem mit hoher Qualität und Zuverlässigkeit, verbunden. Doch Stöckli kann als Marke noch weiter an Profil gewinnen. Wir wollen unsere 15 Filialen zu reinen Stöckli-Brand-Shops ausbauen. Firmen wie Lindt & Sprüngli haben damit in der Vergangenheit grossen Erfolg gehabt. Das Unternehmen muss dafür aber das Marketing und den Vertrieb ausbauen und vor allem das Sommergeschäft stärken. Auch im Bike-Bereich können wir noch zulegen. Dafür sind allerdings Investitionen nötig. Wie hoch der dafür nötige Betrag genau sein wird, kann heute noch nicht gesagt werden. Der Entscheid für den Verkauf der Anteile der Familie Stöckli am Unternehmen fiel deshalb nicht von heute auf morgen. Beni Stöckli senior hatte bereits seit geraumer Zeit den Plan, seine Anteile vollständig zu veräussern.

Was meinen Sie mit vollständig?

Knüsel: Stöckli war seit vielen Jahren nicht mehr im alleinigen Besitz der Stöcklis. Was viele nicht wissen: Der Entlebucher Unternehmer Hans Kaufmann, der im Jahre 2012 verstorben ist, besass bereits seit 20 Jahren bedeutende Anteile an der Stöckli Swiss Sports AG. Jetzt haben die Stöcklis lediglich den Rest der Aktien des Familienunternehmens an die Kaufmanns verkauft. Die Familie Kaufmann ist bereits im Verwaltungsrat mit der Gattin des Verstorbenen, Eva Kaufmann, und Sohn Diego Kaufmann vertreten. Beni Stöckli senior und Rita Stöckli werden sich konsequenterweise aus dem Verwaltungsrat zurückziehen und treten in den wohlverdienten Ruhestand.

Wird es negative Konsequenzen für die Mitarbeiter geben?

Knüsel: Nein, im Gegenteil. Wir wollen wachsen, vor allem auch in der Produktion. Auf diese Weise wollen wir den Umsatz steigern. Die Arbeitsplätze in der Produktion sind bei Stöckli in Zukunft daher mehr als gesichert.

Warum legt dann der CEO Beni Stöckli junior sein Amt nieder?

Knüsel: Wegen des Verkaufs der Unternehmensanteile hat er sich entschieden, eine neue Herausforderung zu suchen. Wir sind Beni Stöckli für sein Engagement in der Vergangenheit sehr dankbar. Er hat in den letzten Jahren Stöckli weiterentwickelt und die Marke erfolgreich positioniert.

Wer wird an seine Stelle treten?

Knüsel: Wir sind auf der Suche nach einem geeigneten Nachfolger. Einen vielversprechenden Kandidaten gibt es bereits. Er ist Schweizer und arbeitet derzeit für eine Schweizer Firma im Ausland. Er entspricht am ehesten unserem Anforderungsprofil, so viel kann ich verraten. Möglicherweise können wir im Sommer mehr dazu sagen.

Wird das Unternehmen Stöckli sich mit den Anpassungen weiterhin am Markt behaupten können?

Knüsel: Ich kann versichern, die Familien Stöckli und Kaufmann haben die Zeichen der Zeit erkannt und halten mit ihren Entschlüssen das Unternehmen wettbewerbsfähig. Mit den eingeleiteten Veränderungen wird sicher ein neues Kapitel in der Geschichte von Stöckli aufgeschlagen.

Wird Stöckli in Zukunft auch weiterhin seine Ski in der Zentralschweiz produzieren?

Knüsel: Ja, wir stehen klar zu den Standorten Wolhusen und Malters. Wir zählen auf unsere Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen.

Hinweis

Niklaus Knüsel (66) ist in mehreren Verwaltungsräten tätig. Seit 2005 ist er im Verwaltungsrat der Stöckli Swiss Sports AG.

Erben von Hans Kaufmann führen Werk weiter

hoe. Beim Schweizer Ski- und Bikehersteller Stöckli zieht sich die Gründerfamilie aus dem Unternehmen zurück. Die Entlebucher Unternehmerfamilie Kaufmann ist künftig der alleinige Eigentümer der Stöckli Swiss Sports AG. Die Familie besitzt seit über 20 Jahren bedeutende Anteile an der Firma und hat diese nun aufgestockt. Zum Übernahmepreis machte Stöckli keine Angaben. Mehrheitseigner des Unternehmens ist künftig Diego Kaufmann (31), sagt Verwaltungsratspräsident Niklaus Knüsel. Der mittlere von drei Söhnen des 2012 verstorbenen Unternehmers und Investors Hans Kaufmann hat gemeinsam mit seiner Mutter Eva im Frühjahr 2013 im Verwaltungsrat der Stöckli Swiss Sports AG Einsitz genommen. «Er konnte sich auf diese Aufgabe nicht vorbereiten, dennoch macht er seine Arbeit hervorragend», sagt Verwaltungsratspräsident Niklaus Knüsel.

Die Familie Kaufmann wollte sich gestern bewusst im Hintergrund halten und hat Niklaus Knüsel mit sämtlichen Medienauskünften betraut. «Nachdem sich die Familie über die Erbschaft von Hans Kaufmann geeinigt hat, kann Diego Kaufmann die Mehrheit an der Firma Stöckli halten», erklärt Knüsel.

Beide Familien tragen Strategie

Diego Kaufmann übernehme keine operativen Aufgaben, bleibe mit seiner Mutter Eva im Verwaltungsrat, in dem zusätzlich vier externe Verwaltungsräte sitzen. Gemäss Knüsel hat die Strategieüberprüfung bei Stöckli über ein halbes Jahr gedauert. «Wir haben mit einem professionellen Unternehmensberater zusammengearbeitet», sagt Knüsel. Bei jeder Sitzung seien Diego Kaufmann und Beni Stöckli dabei gewesen. «Beide Familien tragen die neue Strategie mit», sagt Knüsel. Diego Kaufmann hat nach einer kaufmännischen Ausbildung in Australien und Fribourg einen Bachelor of Business and Marketing und einen Master of Business erworben. Sein verstorbener Vater Hans hatte sich aus kleinen Verhältnissen hochgearbeitet.

Den Grundstein für seine erfolgreiche Karriere hatte Hans Kaufmann mit seiner Beteiligung am Versandhaus Ackermann gelegt, das er als 30-Jähriger mit zwei Partnern übernommen hatte. Nach dem Verkauf seiner Beteiligung hatte sich Hans Kaufmann unter anderem als Investor und Verwaltungsrat engagiert, unter anderem bei der Rapid Holding, aber auch als langjähriger Verwaltungsratspräsident der LZ Medien Holding.