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Skizzier-Kurs bei einem Luzerner Grafiker: Die Cola lockt, aber nur als Blickfang

Statt schnell mit der Kamera zu knipsen, gemächlich mit dem Bleistift skizzieren: Der Luzerner Grafiker und Illustrator Ludek Martschini zeigt, wie es geht.
Hannes Bucher
Der Grafiker und Illustrator Ludek Martschini hilft dem zehnjährigen Carl Hess, wie man eine Cola-Flasche fotografiert. Bild: Manuela Jans-Koch (Luzern, 8. August 2019)

Der Grafiker und Illustrator Ludek Martschini hilft dem zehnjährigen Carl Hess, wie man eine Cola-Flasche fotografiert. Bild: Manuela Jans-Koch (Luzern, 8. August 2019)


Der zehnjährige Carl Hess sitzt im Garten von Ludek Martschini an der Seeburgstrasse in Luzern. Vor ihm steht eine Colaflasche auf dem Tisch. Es ist heiss, die Cola lockt. Die Flasche bleibt aber verschlossen. Nicht der Inhalt interessiert den Fünftklässler, sondern die Flasche an sich, ihre Form, der Schriftzug.

Carl begutachtet, schaut, setzt schliesslich den Bleistift an. Er beginnt erst zögerlich, vorsichtig, dann zunehmend sicherer, die Umrisse seines Objektes in ein kleines Skizzenbuch zu übertragen. Sein «Lehrmeister» steht hinter ihm, hat ihm über die Schulter geschaut, ihn ermuntert, auch mal «frech den Stift anzusetzen» und rühmt ihn nun: «Gut beobachtet, das hast du ganz schön hingekriegt.»

Eine Menge Erinnerungen und Emotionen

Der Luzerner Ludek Martschini ist Grafiker und Illustrator. Carl und seine fünfzehnjährige Schwester Stella sind in sein Atelier gekommen, Mutter Valeria Hess ist mit dabei. Sie haben sich für das Angebot «Skizzieren in Luzern» angemeldet, das Martschini seit kurzem anbietet. «Meine Tochter Stella zeichnet sehr gerne, und Carl mag es ebenfalls», sagt ihre Mutter. «Ich betrachte es als tolle Chance für die Kinder, von einem Fachmann Tipps zu erhalten», sagt Valerie Hess. Auch sie hat ein Skizzenbuch erhalten und beteiligt sich ebenfalls.

Die Hess-Kinder gehören zu den ersten, die Ludek Martschini im Rahmen seines Kurses in die Technik des Skizzierens einführt. Kinder ab zehn Jahren und Erwachsene, einzeln oder in Gruppen bis maximal vier Personen, sind angesprochen. Frage an den Grafiker: Warum soll jemand skizzieren, wo doch das Fotografieren heute so einfach ist? Die Antwort gibt sich von selber, als Martschini ein persönliches Skizzenbuch zeigt. Darin präsentiert sich eine bunte Erlebniswelt, die sich über die Zeit angesammelt hat: Menschen, Gebäude, Fahrzeuge, spezielle und auch alltägliche Situationen – vieles in Bleistift, manches mit der Feder skizziert. «Die Feder ist mein Lieblingswerkzeug», sagt Martschini. Einiges ist koloriert, mit Datum und kleiner Randnotiz ergänzt. Da steckt eine Menge von Erinnerungen und Emotionen darin. Martschini sagt:

«Skizzieren lebt vom Beobachten, vom Verweilen.»

Das möchte er auch seine Kursteilnehmer erfahren lassen. Mit ihnen nach draussen gehen, in der Stadt Luzern unterwegs sein, im Inseli-Park oder im Verkehrshaus, am See, an der Reuss, an Aussichtspunkten – es kann auch gut im Atelier sein: «Zusammen bestimmen wir Ort und Zeit.»

Ein simpler Apfel statt der Pilatus

Heute hätte Martschini mit Stella und Carl gern auch den Pilatus als Modell gehabt. Der Luzerner Hausberg hält sich aber verhüllt. «Beginnen wollen wir mit etwas Kleinem», sagt Martschini. Auch ein simpler Apfel kann eine spannende Herausforderung sein. Weniger für die künftige Kurzzeitgymnastin Stella: Sie ist bereits eine geübte Zeichnerin. Aber auch für sie gibt es Wertvolles zu erfahren, Neues zu entdecken. Wie fällt das Licht, wie ist der Schattenwurf? Worauf soll besonders geachtet werden? Welche Effekte können erzielt werden? Martschini sagt:

«Probiere mal. Du kannst es wieder überarbeiten.»

In der ungezwungenen, kreativen Atmosphäre führt sich der Bleistift locker. Frage an Martschini: Wird er bald mit einer Gruppe Touristen den Wasserturm skizzieren? Das könnte eine Marktlücke sein. «Nein, sicher nicht», wehrt er lachend ab, «ich habe es gerne klein.» Das Angebot, das noch kaum beworben wurde, stösst offensichtlich auf offene Ohren, respektive auf gezückte Bleistifte: Auch Erwachsene, darunter Senioren, haben sich gemeldet. Die Skizzenbüchlein von Carl und Stella erzählen nach zwei Stunden von einem intensiven, kreativen Nachmittag. «Speziell und spannend war es», sagen sie.

Weitere Infos zum Skizzier-Kurs gibt es hier.

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