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So fusionserprobt wie das Luzerner Seetal ist kein anderes Tal

Ende des 19. Jahrhunderts zählte das Hitzkirchertal noch 14 Gemeinden, heute sind viele davon verschwunden. Ein Blick zurück auf frühe Fusionsideen zeigt: Einige hätten zu einer revolutionären Neuordnung des Seetals geführt.
Evelyne Fischer

«Es gibt wohl kaum eine Gemeinde im Kanton Luzern, die derart fusionserfahren ist wie Hitzkirch.» Dies sagte jüngst der dortige Gemeindepräsident David Affentranger (CVP) im Zuge der Fusionsgespräche mit Altwis. Blicken wir zurück: Der erste Fusionsanlauf von Hitzkirch und Altwis scheiterte 2014. Geklappt hat es dafür mit dem Zusammenschluss von Hitzkirch, Gelfingen, Hämikon, Mosen, Müswangen, Retschwil und Sulz per 2009. Dies, nachdem die Elfer-Fusion mit Aesch, Altwis, Ermensee und Schongau 2006 bachab gegangen ist.

Woran sich allerdings wohl kaum jemand mehr erinnert: Eine Fusion ist schon über 100 Jahre her. Richensee, ein Ortsteil von Hitzkirch, machte den Anfang.

Seetalbahn bringt Finanzen in Schieflage

Wir schreiben den 7. März 1886: Richensee, am nördlichen Ende des Baldeggersees gelegen, steckt in finanziellen Schwierigkeiten. Mit 2800 Franken müsste sich die rund 140 Einwohner zählende Gemeinde an der Seetalbahn beteiligen. Damals undenkbar. Der Gemeinderat bittet daher die Regierung, Richensee Hitzkirch einzuverleiben.

Im Gegensatz zum Regierungsrat, der die Auflösung begrüsst, ist der Grosse Rat skeptisch. Das Parlament verlangt zunächst «ein allgemeines Gesetz über Bevormundung, Aufhebung und Vereinigung von Gemeinden», schreibt der Hitzkircher Historiker Bruno Häfliger 2008 in der Heimatkunde des Seetals. Zehn Jahre lang wird nun an Ideen getüftelt. Präsentiert werden letztlich vier (siehe Grafik):

  • Josef Winkler, ein «liberal-radikaler Querdenker», will eine Grossgemeinde mit rund 5200 Einwohnern schaffen.
  • Das kantonale Departement für Gemeindewesen schlägt vor, aus den damals 14 Gemeinden im Hitzkirchertal drei Grossgemeinden zu bilden. Jede hätte «mindestens eine Eisenbahnstation» und «ein wirtschaftlich schwaches Glied». Interessant: Altwis wäre damals schon Hitzkirch zugeordnet worden, wie viele heutige Ortsteile ebenfalls.
  • Der Grosse Rat will Richensee und Ermensee fusionieren.
  • Um eine «ungestaltige Gemeindebegrenzung von Hitzkirch» zu vermeiden, bringt das Departement für Gemeindewesen auch die Idee vor, Richensee dreizuteilen.

So viel vorweg: Alle Ideen blieben chancenlos. Gegen die drei Grossgemeinden wehrte sich insbesondere Hitzkirch. Eine Gemeinde mit sieben Dörfern sei ein «Unding» und nehme keine Rücksicht auf die Identität der einzelnen Ortschaften. Die Vereinigung würde das «gegenwärtig so blühende Gemeinwesen Hitzkirch hart treffen und enorm schädigen», zitiert Häfliger ein Schreiben von 100 Bürgern. Dem Gemeinderat von Richensee wiederum widerstrebt die Fusion mit Ermensee – Hitzkirch sei weit besser situiert und gegen Ermensee hege die Bevölkerung von Richensee «eine althergebrachte Antipathie».

Nach langem Hin und Her wird zehn Jahre später die ursprünglich angedachte Fusion mit Hitzkirch vollzogen. Über die Versammlung in Richensee berichtet das «Vaterland» am 27. Februar 1896 wie folgt: «Von 30 Stimmfähigen waren 23 vertreten, welche einstimmig beschlossen, mit Rücksicht auf das kleine Gemeindewesen einerseits und andrerseits auf die Unbeständigkeit der Zeitverhältnisse, sich an Hitzkirch anzuschliessen.» Auch dort wird die Fusion einhellig gutgeheissen, auf den 1. Juni 1897 tritt die Vereinigung in Kraft.

Mosen wartet 100 Jahre auf die Fusion

Mosen steckt damals übrigens in einer ähnlichen Situation wie Richensee. Die Gemeinde sieht sich 1885 ebenfalls ausser Stande, den Erschliessungsbeitrag von 2500 Franken an die Seetalbahn zu zahlen. Aus dem Anschluss an Schwarzenbach oder Aesch wird allerdings nichts: Erst 2009 wird Mosen mit Hitzkirch fusioniert.

Eine Bemerkung am Rande: Historiker Bruno Häfliger hatte 2006 noch im Aktionskomitee für die Grossfusion gekämpft. «Das derzeitige Geschehen beobachte ich nun aus der zweiten Reihe.» Aktuell prüfen die Gemeinderäte von Hitzkirch und Altwis in Fachgruppen, wie die Zusammenarbeit in den Geschäften ihrer jeweiligen Ressorts aussehen könnte. «Es ist vorgesehen, die Stimmbürger anlässlich der Budget-Gemeindeversammlung im Spätherbst erstmals über die bisherigen Abklärungsergebnisse zu informieren», sagt Projektleiter Benno Felder, Gemeindeschreiber von Hitzkirch.

Hinweis: Bruno Häfliger: Fusionen im Hitzkirchertal. Artikel aus: Heimatkunde aus dem Seetal, 81. Jahrgang 2008. Buch von Bruno Häfliger: Richensee. Auf den Spuren eines vergangenen Städtchens.

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